über whatsapp schluss machen

Über WhatsApp Schluss machen

Premiere auf quergetippt: Die Männergeschichten halten Einzug! Okay, auf eine abstrakte Art und Weise und wir gendern das natürlich, schließlich soll es nicht um konkrete Geschlechter gehen, denn die Liebe ist so wunderschön und vielfältig, dass die Sprache dem keine Grenzen setzen darf. Doch genug mit dem Gesülze, ich möchte mit euch nämlich über ein bestimmtes Thema sprechen: Über WhatsApp Schluss machen.

Der Ausdruck klingt für mich erst mal seltsam, denn bevor die Smartphones ab 2007 salonfähig wurden, sagten wir stattdessen theatralisch „Er/sie hat per SMS Schluss gemacht!“. Da heute kaum jemand mehr SMS verschickt, sondern die meisten von uns WhatsApp zur digitalen Textkommunikation nutzen, muss sich unser Sprachgebrauch eben anpassen. Was sich nicht verändert hat, ist die Konnotation der Aussage, also das, was dabei mitschwingt: Auf diese Art Schluss zu machen ist verpönt, feige und respektlos. Eine Stufe drüber ist dann nur noch das Ghosten, das heißt, ohne ein einziges Wort aus dem Leben des/r Partners/in zu verschwinden.

Ich will dich nicht mehr sehen …

Oft steckt dabei die gute Sitte dahinter, dass man sich zum Abschied noch einmal persönlich treffen müsse, sonst wäre es „nicht richtig“. Was würden da bloß die Nachbarn denken! Ich halte von diesem Zwang nichts. Sich mit am besten verheulten Gesichtern gegenüberzustehen und verstockt vor sich hinzustarren, bis eine/r der beiden nach fünf endlos langen Minuten endlich geht, ist doch wirklich sinnlose Seelenqual. Zumindest erging es mir schon mehrmals so, dass ich freundlich an die Tür klopfte, meine paar Sätze loswurde und mit einem erleichterten „Also dann, mach’s gut!“ wieder abzischte. Kam nicht so gut an, wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt.

über whatsapp schluss machen
Vernünftige Kommunikation gelingt auch über WhatsApp.

Wenn ich von einer Trennung emotional nicht mitgenommen werde, warum sollte ich dann in der Pflicht sein, mich von der anderen Person face-to-face emotionalisieren zu lassen? Oder andersherum: Warum sollte er oder sie sehen, wie gut es mir damit geht und noch mehr leiden? Von anderen habe ich auch schon ein paar Mal gehört, dass die Exfreunde (hier nur männliche Exemplare!) immer noch einmal eine Umarmung oder gar einen Abschiedskuss abstauben wollten. Wozu? Ich halte das für eine ungerechtfertigte Forderung, da Körperkontakt in Zeiten von solch emotionalem Chaos selbiges nur verstärkt. Oder ist es ein verzweifelter Versuch, die Herzensdame erneut von seinen Qualitäten zu überzeugen? Ich finde das richtig schlimm, um ehrlich zu sein. Mut zum Neinsagen, Mädels!

Genauso sehe ich das mit dem Schlussmachen per WhatsApp. In den allermeisten Fällen ist das Zerbrechen der Beziehung ein Prozess mit frühzeitigen Anzeichen. Ich habe schon erlebt, dass sich dieser Prozess über Jahre ziehen kann und plötzlich war sie da: die WhatsApp-Nachricht, dass es so nicht mehr weitergehen könne. Nach kurzem Austausch und beiderseitigem Einverständnis war alles geklärt und die Beziehung Geschichte. Der Kommunikationskanal: ein Messenger. Was genau war an dieser Sache feige oder respektlos?

… oder doch?

Wenn es noch unausgesprochene Dinge gibt oder beide das Bedürfnis nach einem persönlichen Abschied haben, sehe ich natürlich kein Problem in einem Treffen. Dabei muss man individuell abwägen, was geschehen soll, wenn eine Partie sich unbedingt treffen will, die andere dies jedoch vermeiden möchte. Aber den gesellschaftlichen Zwang dahinter stelle ich bewusst infrage!

In unserem Alter kommt es noch nicht so häufig vor, dass Paare zusammenleben, denn da wäre es wirklich seltsam, plötzlich zum Smartphone zu greifen, während der oder die andere gerade in der Küche Geschirr spült, keine Frage. Absurd wird es auch dann, wenn der digitale Textkanal tatsächlich aus Feigheit genutzt wird. Wägt sich die eine Person beispielsweise in einer glücklichen Beziehung, während die andere sie beenden möchte, ist WhatsApp meines Erachtens nach nicht die beste Wahl, dies adäquat zu transportieren. Dem voraus würde ich mindestens ein Telefongespräch gehen lassen, statt mit den berühmten drei Worten „Ich mach‘ Schluss!“ dem oder der anderen den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

über whatsapp schluss machen
Manchmal kommt es dabei allerdings zu Kommunikationsproblemen …

Ein Nachteil am Schlussmachen über WhatsApp ist noch, dass wir immer überall erreichbar sind – da würde ich im Vorfeld immer fragen, ob der/die Partner/in gerade eine ruhige Minute für ein ernstes Gespräch hat.

Aber was spricht denn dagegen, wenn ich mit meinem/r Partner/in täglich über WhatsApp schreibe und Emotionen austausche, darüber auch das Ende einzuläuten und bekanntzugeben?

Ich denke, dass es vor allem in der Art und Häufigkeit der WhatsApp-Kommunikation liegt. Wie Fran in ihrem Beitrag „Ist Online-Kommunikation weniger wert?“ schreibt, haben sich die Kanäle mit der Digitalisierung einfach erweitert, die Kommunikation wurde teilweise verlagert. Wer in der Beziehung fleißig WhatsApp nutzt, kann sie darüber meiner Meinung nach auch bedenkenlos beenden.

So, jetzt ihr! Was ist eure Meinung zum Schlussmachen über WhatsApp? Go oder No-go? Wart ihr schon einmal in einer solchen Situation?

5 Antworten auf „Über WhatsApp Schluss machen

  1. Liebe Siri,
    uhh, das ist ein echt interessanter Beitrag zu einem wirklich schwierigen Thema. Ich muss gestehen, so ganz mag ich mich deiner Meinung nicht anschließen. Ich verstehe zwar deine Argumentation und deinem letzten Satz kann ich ebenfalls nur zustimmen, aber für mich persönlich ist es wirklich ein Zeichen des Respekts, der Wertschätzung des (Ex-)Partners (m/w) und der Beziehung oder auch einfach ein Zeichen von guten Manieren, das man eine Beziehung persönlich beendet. Meinetwegen geht das auch telefonisch, aber man sollte dem (Ex-)Partner doch die Möglichkeit geben Fragen zu stellen, Erklärungen zu verlangen… nun ja, vielleicht bin ich da altmodisch.
    Allerdings muss ich gestehen, dass ich mit meinem ersten „Freund“ per Schüler VZ Schluss gemacht habe – da war allerdings definitiv Feigheit meinerseits der Grund, das gebe ich offen zu. :D
    Liebe Grüße,
    Miriam

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Miriam,
      danke für deinen Kommentar und deine Meinung zum Thema!

      Ich höre da doch ziemlich den gesellschaftlichen Zwang heraus, da der/die Expartner/in doch genausogut per WhatsApp Fragen stellen kann, oder? Und ich habe mich von dem Gedanken verabschiedet, solchen Treffen zuzustimmen, nur, weil es die andere Person möchte. Ich bin nicht auf der Welt, um es anderen recht zu machen. Was ist mit meinem Bedürfnis, so ein Treffen nicht mehr zu wollen? Da die goldene Mitte zu finden, ist, denke ich, das Schwierigste an der ganzen Sache. Vermutlich hängt das auch mit der eigenen Persönlichkeit zusammen, ob man gerne redet, lieber schreibt, face-to-face oder Kommunikationsmedien bevorzugt. Ich kenne Leute, die sich zum Beispiel weigern, Emotionen über WhatsApp transportieren, da fände ich es auch unangebracht.

      LG Siri

      Gefällt 1 Person

      1. Ich finde es schwierig, zu sagen, dass meine Meinung mit gesellschaftlichen Zwängen zu tun hat. In einer gewissen Weise spiegelt diese zwar meine Erziehung (und damit vielleicht die in der Gesellschaft größtenteils vertretene Meinung) wider, aber ich persönlich versuche einfach andere so zu behandeln, wie ich es mir andersrum von ihnen auch wünsche. Sprich, ich fände es nicht toll, wenn mein Freund mit mir über WhatsApp Schluss machen würde – aus verschiedenen Gründen. Aber einer ist sicherlich derjenige, dass vieles missverstanden werden kann, Emotionen verloren gehen und ggf. auch der Rahmen (z.B. gerade beim Treffen mit Freunden oder bei der Arbeit), in dem man die Hiobsbotschaft erhält, nicht der passende ist.

        Mal abgesehen davon steht es natürlich jedem frei, ein persönliches Treffen, bei welchem man erwartet, dass der andere Schluss macht oder welches die andere Partei einfach zum „aussprechen“ nach der Trennung vereinbaren möchte, abzulehnen. Du hast Recht, man sollte sich in einer solchen Situation auch ohne schlechtes Gewissen egoistisch verhalten dürfen. Ich hab da nicht viele bzw. keine Erfahrung, aber es kommt wohl zum einen auf die Persönlichkeiten an (wie du schon sagtest), aber auch auf die geführte Beziehung. Es ist wirklich ein interessantes Thema – darüber kann man, glaube ich, lange diskutieren. ;-)

        Wünsche dir einen guten Start in den Tag,
        Miriam

        Gefällt 1 Person

        1. Oh ja, da bieten sich ja tatsächlich noch ungeahnte Möglichkeiten, wenn man z.B. den Erziehungsaspekt, der wahrscheinlich die Einstellung unserer Eltern aufgreift, miteinbezieht. Dabei fällt mir auch oft auf, dass sich in mir oft Widerstände regen: einerseits bin ich, was ich gemacht wurde, andererseits möchte ich ganz anders sein. Da den Mittelweg zu finden, ist echt schwer. So auch mit dem Thema Schlussmachen: Erzogen worden bin ich da auch konservativ, aber die Digitalisierung hat mich zur emotionalen WhatsApp-Vieltipperin werden lassen. Das ist schon irgendwie alles vertrackt.
          Danke für den neuen Input und deine Meinung! :) Und dir auch einen schönen Tag!

          Gefällt 1 Person

          1. Ich liebe solche Diskussionen! Es ermöglicht uns die verschiedensten Seiten der Menschen um uns herum kennen zu lernen und auch mal einen Perspektivwechsel zuzulassen. Danke deshalb auch an dich und Fran für eure Beiträge, die so etwas ermöglichen. :-)
            „einerseits bin ich, was ich gemacht wurde, andererseits möchte ich ganz anders sein“ – da kann ich dir wiederum voll und ganz zustimmen!
            LG,
            Miriam

            Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s