Sich selbst neu erfinden – Teil 2

Ein Grund, mich selbst neu erfinden zu wollen, war unter anderem meine eigene Antriebslosigkeit. Oft saß ich reglos am Schreibtisch und überlegte, wie ich meinen Berg an Arbeit unter Berücksichtigung der größtmöglichen Work-Life-Balance verkleineren sollte. Dadurch passierte rein gar nichts, ich geriet in Zeitnot, blieb unter meinen Möglichkeiten und das Wort „Balance“ strich ich vorsorglich aus meinem Vokabular.

Ein Plan musste her. Und ein Tritt in den Hintern. Am besten beides und mehrmals täglich.

Problem: Wie kickt man sich selbst in den Allerwertesten? Wie macht man Pläne, wenn man nicht mal weiß, wer man ist oder was man will? Was ist überhaupt ein Plan?

Im Januar habe ich viele Videos der YouTuberin Ella TheBee gesehen, die sich viel mit Kalenderplanung und Zeitmanagement beschäftigt. „Hä, was schreiben die Leute da denn rein? Wann sie aufs Klo gehen sollen, oder was?“, belächelte ich die ganzen Kalendermenschen spöttisch (zugegeben, nicht mein bester Joke). Dass ich bald selbst Besitzerin eines Planerkalenders sein würde, war schlichtweg absurd . Wenige Wochen später lag das Ding auf meinem Schreibtisch.

sich selbst neu erfinden teil 2
Mein Moleskine Daily Planner mit persönlichem Jahresmotto für 2018.

In meinem Beitrag „Mein Kalender und ich“ habe ich mich vor einiger Zeit überspitzt über Planerkalender und Bullet Journals lustig gemacht und euch meine bis dahin bescheidene Terminplanung vorgestellt. Ihr fragt euch nun sicher: Ist die gute Frau ihren Prinzipien untreu geworden? Ja, bin ich. Denn ich will mich ja komplett selbst neu erfinden. Die ganze Geschichte könnt ihr übrigens nochmal in Teil 1 der Reihe nachlesen.

Beim Planen geht es mir nicht um die Erinnerung. Ich bin kein vergesslicher Mensch, im Gegenteil: Alles, was ich für wichtig erachte, brennt sich mir unweigerlich auf die Festplatte, die auf meinem Hals thront. Mit dem großen Nachteil, dass diese immer ganz schnell mit Müll vollgestopft worden, daraufhin permanent heiß gelaufen ist, bis die Leitungen durchbrannten und zum Schluss gar nichts mehr funktionierte. Zeit für ein neues System!

Positive Veränderungen mit dem Planerkalender

Ich gehe unbeschwerter durch den Alltag, da ich meine neuronale Festplatte nun extern und analog bei mir trage. Statt vor dem Schlafengehen zu grübeln, was ich am nächsten Tag alles erledigen muss, schreibe ich dies jeden Abend detailliert auf und entwerfe einen groben Zeitplan. Der sieht zum Beispiel so aus:

  • 7 – 10 Uhr: Arbeiten (mein Leistungshoch des Tages)
  • 10.30 – 13 Uhr: Fitnessstudio, duschen, evtl. kochen
  • 14 – 18 Uhr: Uni (Leistungstief des Tages, na super!)
  • 18 – 20 Uhr: essen, Referat vorbereiten, Fachliteratur für morgen lesen
  • Ab 20 Uhr: Freizeit!

Das Gute daran ist, dass ich mich an diese Vorgaben tatsächlich halte. Und ich denke kaum noch schlecht gelaunt an unliebsame Aufgaben, sondern erledige sie ganz einfach. Mein ganzes Ich wurde von diesen belastenden Gedanken á la „mist, am Donnerstag muss ich XY anrufen und darf am Freitag die Überweisung beim Arzttermin nicht vergessen“ befreit! So messe ich diesen negativ kreisenden Spiralen außerdem viel weniger Bedeutung bei, da ich sie nur ein einziges Mal aufzuschreiben brauche und das war’s.

Mir gefällt auch das tägliche Innehalten, das nie mehr als fünf Minuten in Anspruch nimmt. Wer meinen Blogpost zum Five Year Memory Book gelesen hat, versteht, wie unliebsam mir das Schreiben über die Vergangenheit erscheint. Generell das handschriftliche Schreiben, auf das ich nie Lust habe und so sehr schmiere, dass ich es selbst nicht mehr lesen kann. Nicht so beim Planen, denn da habe ich Zukunft und Gegenwart vor Augen. Automatisch werde ich also zu mehr Sorgfältigkeit gezwungen. Dieser vormalige Drang zum „effizienten Chaos“ störte mich nämlich selbst extrem an mir.

sich selbst neu erfinden_teil 2_
Dashboards sind unglaublich praktisch und schön anzusehen. Der Umwelt zuliebe verwende ich meine Zettel natürlich alle doppelt und dreifach und spare mir papiernen Schnickschnack.

Ein weiterer Aspekt ist, dass ich nun Platz habe, irgendwo gesammelt meine Ziele zu notieren. Diese lauten nun nicht mehr „dieses Jahr möchte ich wieder sportlicher werden“, sondern ganz konkret „Februar: im Fitnessstudio anmelden“ oder „KW 18: drei Artikel für die Arbeit abgeben“. Vorher wusste ich nicht mal so richtig, welche Ziele, Wünsche und Träume ich überhaupt habe. Zugegeben, weiß ich das bis heute immer noch nicht so richtig, aber wir wollen uns ja eh noch ein bisschen selbst neu erfinden und auf dem Weg dorthin ergeben sich noch viele spannende Dinge.

Je nachdem, für welche Art der (Kalender-)Planung man sich entscheidet, ergeben sich weitere, praktische Vorteile. Zum Beispiel habe ich keine To Do- und Einkaufslisten mehr auf dem Schreibtisch rumfliegen, sondern Dashboards gebastelt. Auch Wunsch-, Lese- und Ideenlisten habe ich nun in den Moleskine integriert. Wer gerne malt, kann sich ebenfalls auf seinen ganz persönlichen Kalenderseiten austoben (für mich als schmierende „Effizienz-Pragmatikerin“ ist dies jedoch eher nichts).

Fazit nach drei Monaten Planerkalender

Ich bin so viel produktiver! Durch das tägliche Nachdenken und Planen ergeben sich tatsächlich neue Erkenntnisse und Ziele, die vorher in meinem schwarzen Sumpf der Leere verborgen geblieben sind. Und das Beste daran: Ich setze diese auch noch um! Ohne Murren, Aufregung oder nervige was-wäre-wenn-Gedanken. Netter Nebeneffekt: Ständig Überblick und Kontrolle behalten und nie wieder Termine vergessen. Gut geplant ist halb gemacht!

Hier kommt ihr zum ersten Teil der Reihe Sich selbst neu erfinden – Werte.

Wie plant ihr, wie strukturiert ihr euren Alltag? Benutzt ihr einen Planerkalender? Hättet ihr Interesse an einem Blogpost über meine Seiten-Innengestaltung?

 

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s