17 Erkenntnisse über Leander Blum

Rezension: „17 Erkenntnisse über Leander Blum“ von Irmgard Kramer

Sehen wir uns zunächst mal die Gestaltung an. Beim Cover bin ich etwas geteilter Meinung. Zwar finde ich die Vintage-Farbgebung in Beige und Rostrot weniger ansprechend und die vielen Details etwas überladen – andererseits spiegelt sich der Inhalt des Romans sinnvoll im dezenten Graffiti und den Farbverläufen (die ich vor allem auf dem Rückseitentext toll finde!) wider.

Leander Blum
Der Blick unter den Umschlag lohnt sich: Das Hardcover in schlichtem Weiß erinnert passenderweise an eine Leinwand! Toller Hingucker, oder?

Worum geht’s?

„Es war ein magischer Moment. Ich kostete ihn aus und sah Jonas zu, der Basecap zu sich winkte, ihm eine Hand auf die Schulter legte und ihm zeigte, wie man Sterne sprayte. Warum konnte man Momente nicht einkochen, in Gläser abfüllen und für immer haltbar machen?“ (S. 47)

  • Titel: 17 Erkenntnisse über Leander Blum
  • Autorin: Irmgard Kramer
  • Verlagsangaben: Loewe Verlag 2018, ISBN: 9783785589113, 17,95 € (D) bzw. 18,50 € (A)

Die Handlung ist in zwei Erzählstränge aufgesplittet: Im einen verfolgt ihr die besten Freunde Leander und Jonas durch die Gassen und über die Plätze Wiens auf der Suche nach der perfekten Wand für ihr „Masterpiece“. Im Monate später stattfindenden Handlungsstrang lernt Lila Leander als schweigsamen, müden und traurigen Banknachbarn im neuen Schuljahr kennen. Im Laufe des Buches werdet ihr euch zum Detektiv entwickeln: Was ist zwischenzeitlich passiert? Was hat es mit der Sage um die chinesischen Pinsel auf sich? Wer ist die ominöse Rapunzel, in die sich Leander damals verliebt hat? Und was wird Lila nach ihren 17 Erkenntnissen über Leander Blum herausfinden? Die Handlung bleibt kontinuierlich spannend, bis hin zum dramatischen Höhepunkt. Ich war wirklich zu Tränen gerührt, was bei mir bei wenigen Büchern der Fall ist. Bei der im Wechsel leichten und tiefgründigen, lustigen und traurigen Handlung kann man gar nicht anders, als mit den Figuren mitzufühlen.

Leander Blum
Darum geht´s in „17 Erkenntnisse über Leander Blum“. Ich brauchte etwas, um in die unterschiedlichen Handlungsstränge aus der Ich-Perspektive hineinzukommen, dann fesselte mich das Buch aber wie von selbst!

Meine Meinung

Die Freundschaft von Leander und Jonas ist großartig geschildert, ohne Klischees und Gefühlsduselei, sondern voller kleiner und großer ausdrucksstarker Momente. In filmreifen Szenen gehen die beiden durch dick und dünn, halten zusammen, kämpfen für die Liebe, streiten sich und – am wichtigsten – schaffen gemeinsame Kunstwerke auf Betonwänden und Leinwänden, mit dem Ziel, eines Tages ihr „Masterpiece“ zu kreieren. Sowohl charakterlich als auch künstlerisch ergänzen sich die beiden. Dabei sind die Kunstwerke so realistisch geschildert, dass man sie sich beim Lesen bildlich vorstellen kann.

Die Szenen zwischen Lila und Leander erschienen mir dagegen etwas konstruiert, da ihre zufälligen Begegnungen oft sehr gewollt wirken. Positiv fand ich aber, dass auf klischeehafte Liebesromanszenen weitgehend verzichtet wurde und stattdessen unverbrauchte Ideen und Formulierungen zum Einsatz kamen. Lila war mir leider nicht sonderlich sympathisch, da sie in ihrer haltlosen Verliebtheit teilweise ihren eigenen Willen oder ihre eigene Meinung verleugnet oder sich taktlos gegenüber Leanders Problemen zeigt. Allerdings sind die Szenen in ihrer Patchwork-Familie witzig geschildert.

Leander Blum
Im Bücherregal würde mir der Roman eher weniger auffallen. Was sagt ihr zur Gestaltung?

Den Schreibstil sehe ich als einen erfrischenden Mix aus authentischer Jugendsprache und detailverliebter Sprachkreativität (Sätze wie „Er grinste wie ein Wassermelonenschnitz“ oder „Ich fuchtelte mit meinem Handy wie ein Pfarrer mit dem Weihrauchbesen“ sind mal etwas anderes). Nur die ab und zu ausufernde Fäkalsprache dämpft das Lesevergnügen etwas. Sehr gut gefällt mir die Kulisse (wie die Großstadt Wien oder der Bergwanderausflug der Schulklasse) und die Hintergrundinformationen zu Graffiti und Farblehre, die sehr gut recherchiert wirken. Positiv aufgefallen ist mir auch der sensible Umgang mit Themen wie Migration oder Körperpositivität. So sind Leanders dunkle Hautfarbe und indisch-britische Herkunft angenehm nebensächlich und Stereotypen wie der Dönerbudenbesitzer Arsim oder die opulente, reiche Lady Oswalda werden mit Humor aufgelockert.

Fazit

Die Geschichte von Leander, Jonas und Lila ist ein Lesevergnügen der besonderen Art. Ob ihr Fans spannender Rätsel seid, euch für Graffiti oder Kunst interessiert oder Jugendromanzen mit einer Prise Drama liebt – hier kommt ihr auf eure Kosten! Trotz kleinerer Schwächen wie den teils hölzernen Passagen zwischen Leander und Lila sowie der manchmal störenden Fäkalsprache war ich am Ende begeistert und berührt von dem Buch. Für diesen Jugendroman über Freundschaft, Kunst und Liebe vergebe ich also gerne 4,5 von 5 goldenen Büchern!

 

4.5 bücher gold

Das Buch habe ich bei einer Verlosung auf der Plattform „Was liest du?“ gewonnen, was jedoch keinerlei Auswirkung auf die Bewertung hat.

Kennt ihr das Buch? Habt ihr ähnliche Jugendbücher gelesen?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s