Online-Kommunikation

Ist Online-Kommunikation weniger wert?

Ihr kennt bestimmt Freunde, Partner oder Familienmitglieder (oder zählt vielleicht selbst dazu), die bei Messenger-Diensten wie WhatsApp entweder einsilbig oder gar nicht antworten. Sendet man eine sorgfältig formulierte Nachricht ab, kann man sich freuen, wenn ein paar halbherzige Sätze voller Tippfehler zurückkommen, die auf keinen Aspekt wirklich eingehen. Da kostet es oft Mühe, nicht die beleidigte Leberwurst zu spielen. Denn wahrscheinlich meinen es die Schreibfaulen nicht böse. Sobald man sie darauf anspricht, dass man ihre Reaktion als desinteressiert oder sogar geringschätzend empfindet, kommen Erklärungen wie „Ja sorry, ist halt doof über´s Handy“ (und oh Wunder, eine längere Erläuterung werdet ihr schriftlich nicht erhalten). Aber was soll das eigentlich heißen?

Schreibfaulheit oder Geringschätzung?

Manche Menschen sind wohl einfach zu bequem zum Tippen oder auch im echten Leben nicht gerade Plappermäuler. Aber ich glaube, oft steckt eine bestimmte Haltung dahinter, nach dem Motto: „Persönliche Gespräche sind wertvoller als digitale, also muss ich mir beim Schreiben nicht so viel Mühe geben.“  So ganz nachvollziehbar finde ich das nicht. Zwar ersetzt Chatten natürlich nicht das Vier-Augen-Gespräch. Aber die INHALTE bleiben doch gleich viel wert, egal auf welchem Weg ich sie mitteile! Wenn ich also eine Nachricht schreibe, in der ich eine Serie bewerte, von meinem Tag erzähle oder auf ein Problem in der Beziehung anspreche, darf ich doch erwarten, dass der andere genauso darauf eingeht, wie er das auch persönlich tun würde, findet ihr nicht? Der kollektive Gesprächskodex (hier zeigt Siri, warum Kommunikation so oft fehlschlägt) sollte meiner Meinung nach online wie offline gelten. Das heißt für mich, dass ich Nachrichten genau lese, mir Gedanken mache und eine Antwort formuliere, die auf alle Aspekte des anderen eingeht. Eben so, wie ich es auch persönlich tun würde. Übrigens ist diese Wertschätzung nicht zu verwechseln mit ständiger Verfügbarkeit. Mein Rat in Kürze: Macht euch nicht abhängig von eurem Smartphone und lasst es ruhig mal ein paar Stunden links liegen. Aber WENN ihr einem vertrauten Menschen schreibt, tut es mit Aufmerksamkeit, Sorgfalt und Wertschätzung!

Online-Kommunikation
Bei persönlichen Treffen werden Aufmerksamkeit und Respekt erwartet. Warum nicht auch online?

Was kann online, was muss persönlich?

Jetzt denkt ihr euch vielleicht: „Aber manchmal ist es doch wirklich besser, bis zum nächsten Treffen zu warten!“ Klar, je nach Person, Kontakthäufigkeit und Thema muss jeder selbst entscheiden, was über einen Messenger kommunziert wird und was lieber nicht. Wie ihr schon gemerkt habt, zähle ich eher zu den ausführlichen Vielschreibern, die sich gerne schriftlich ausdrücken und sich in einer Partner- oder Freundschaft einen regen Austausch wünschen. Wenn ein anderes Paar oder Freunde-Duo sich darüber einig ist, dass wichtige Themen dagegen nicht online ausdiskutiert, sondern bis zum nächsten Wochenende vertagt werden – warum nicht? Solange es für beide okay ist, spricht ja nichts dagegen.

Mir geht es nur darum, die eigenen Ansprüche an Online-Kommunikation mal zu reflektieren. Zum Beispiel könnt ihr euch fragen: Würde es meiner Beziehung gut tun, wenn ich öfters etwas aus meinem Alltag schriftlich oder als Sprachmemo erzähle? Finde ich es okay, wenn mein Bruder mir via Chatfenster von seinen Problemen erzählt oder möchte ich das lieber persönlich handhaben? Ist es für mich wirklich ein Tabu, per Messenger-Dienst Schluss zu machen oder nicht sogar respektvoller gegenüber meinem Partner (dazu hat das JETZT-Magazin den meiner Meinung nach treffenden Artikel „Sich persönlich zum Schlussmachen treffen ist überflüssig“ publiziert)? Die digitale Kommunikation pauschal als weniger wert(schätzend) anzusehen, halte ich jedenfalls für veraltet. Also, lasst uns unsere Vorstellungen von guter Kommunikation im Internet doch mal überdenken!

Gelten für euch in Chats andere Gesprächsregeln als persönlich? Was können Messenger-Dienste leisten und was sollte man lieber persönlich klären?

2 Antworten auf „Ist Online-Kommunikation weniger wert?

  1. Hi Sarah,
    so sehe ich das auch! Menschen, von denen ich die Einstellung à la „Messenger sind mir halt nicht so wichtig“ kenne, sind mir zwar nicht an sich unsympathischer, aber es ist für mich ein echtes Kommunikationshindernis. Ich frage mich auch, wie man damit umgehen soll: Weiterhin sorgfältig schreiben und die Einsilbigkeit in Kauf nehmen, selbst schreibfaul werden oder das Problem kritisch zur Sprache bringen? Ich tendiere oft zu letzterem (du auch?), was aber oft leider Energieverschwendung ist…

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