Nachmacher

Nachmacher!

Der Klassiker an der Fh (und bestimmt auch an Schulen oder Unis): Eine Hausarbeit oder Prüfung steht an und das wilde Karussell der Gerüchte kommt in Fahrt: „Wie machst du das denn?“ – „Ah, so machst du das! Sollen wir das wohl so machen?“„Jemand meinte, der Dozent will das lieber so!“ – „Ach so?“ Das ist für mich meistens das Startsignal zur Flucht. Denn es ist zwar normal, sich in einer neuen Situation erstmal zu orientieren und Ideen auszutauschen (zum Punkt Inspiration kommen wir weiter unten!). Aber ich kann es oft kaum glauben, wie schnell sich so ein Austausch zu einer gegenseitigen Verunsicherung hochschraubt, die schlichtweg absurd ist. Warum lassen sich so viele in den Gänsemarsch Richtung Panik hineinziehen? Und das, obwohl sie den Weg doch oft selbst kennen und erfolgreich auf ihre eigene Art meistern könnten.

Unsicherheit und Bequemlichkeit sind meiner Vermutung nach die Hauptmotive chronischer Nachmacher. Warum selbst denken und entscheiden, wenn die Herde doch so schön die Richtung vorgibt? Bis zu einem gewissen Grad ist es wirklich sinnvoll und hilfreich, Altbewährtes zu imitieren. Auf diese Weise lernt man schließlich dazu, was man besonders deutlich bei Kindern sieht. Aber irgendwann ist es mal genug mit Abschauen und man sollte aus der Komfortzone herauskommen! An alle, die sich vielleicht selbst oft unsicher fühlen: Nur wenn ihr selbst denkt und entscheidet, gewinnt ihr Erkenntnisse, sammelt Erfahrung und bekommt ein Gefühl dafür, was ihr gut und richtig findet, was ihr selbst möchtet und was nicht – kurzum, ihr lernt euch selbst besser kennen. Wer zum Beispiel für eine Prüfung nur die Zusammenfassungen anderer lernt oder für Hausarbeiten vielleicht sogar plagiiert, hat am Ende ja nichts gewonnen. Auch wenn ihm eine gute Note vermeintliche Kompetenz bescheinigt, hat er sich weder persönlich noch fachlich weiterentwickelt. Aber wie kommt ihr jetzt am besten weg von der Unsicherheit? Ich würde sagen: Arbeitet an eurem Selbstvertrauen (hier erfahrt ihr mehr) und vertraut auf euer Bauchgefühl (hier gibt Siri Tipps)!

Nachmacher
Alle springen – soll ich auch? Nachmacher scheinen oft von Unsicherheit, Bequemlichkeit oder Orientierungslosigkeit getrieben zu sein.

Inspiration statt Ideenklau

Jetzt denkt ihr euch vielleicht: Aber manchmal ist ein Input von außen doch trotzdem hilfreich und bringt sogar mehr, als eine Sache ganz allein durchzuziehen? Genau, nämlich dann, wenn ihr Personen bzw. ihr Handeln als Inspiration verarbeitet, statt blind zu imitieren. Laut Duden bezeichnet Inspiration u.a. einen „schöpferischen Einfall“ oder eine „erhellende Idee“. Es geht also darum, durch etwas oder jemanden eine Art Erleuchtung zu erfahren – und im Sinne eines Inspirationsnetzwerks auch anderen etwas mitzugeben (selbstbestimmtes Handeln heißt ja nicht, dass man zum Einzelgänger werden soll!). Statt aus Unsicherheit etwas genauso wie Person xy zu tun, lasst die Ausstrahlung und Taten dieser lieber positiv auf euch wirken und nutzt sie dann für euren eigenen Weg.

Konkretes Beispiel aus dem Alltag: Oft hört man, jemand habe sich von einem Rezept „inspirieren lassen“. Meistens hat derjenige das Gericht aber einfach nur nachgekocht. Das ist für das Endergebnis eines leckeren Essens natürlich okay, aber wenn jemand den Anspruch hegt, ein guter, kreativer Koch zu werden, wird ihn das kaum nach vorne bringen. Sich inspirieren zu lassen würde hier eher heißen: Man spinnt die Rezeptidee weiter und interpretiert sie auf seine Art, mit eigenen Erfahrungen und Vorlieben! Hier ein anderes Gemüse, dort eine Prise Pfeffer – ihr wisst, was ich meine. Dann steckt etwas Individuelles, Beseeltes im Werk und es ist mehr als eine bloße Kopie. Halten wir fest: Während „Ich auch“-Menschen im Schatten anderer stehen, nutzen „Inspirationsnetzwerker“ den gegenseitigen Aufwind für ihre individuellen Wege! Dauernde Nachmacher werden von Angst getrieben, inspirierte Menschen von Energie. Erkennt ihr den Unterschied?

Wie steht ihr zum Thema Nachmachen: Wann ist es möglicherweise sinnvoll, wann kontraproduktiv? Wo hört Nachmachen auf, wo fängt Inspiration an?

Bilderquelle: Pixabay

4 Antworten auf „Nachmacher!

  1. Hi Fran,
    toller Artikel mit einem ganz wichtigen Thema!
    Nachahmung ist ein kolossales Phänomen, das besonders heutzutage schwerwiegende Konsequenzen in allen Dimensionen haben kann. Da ich mich intensiv mit Philosophie beschäftige (d.h. vor allem Existenzphilosophie) ist für mich das authentische Leben im Zusammenhang mit Freiheit und Verantwortung ein zentrales Thema – Nachahmung ist dabei, wie du bereits mit dem Begriff „Herdentier“ angedeutet hast, der Todfeind. Da wir immer als Einzelne handeln, und somit einen eigenen Wirkungskreis von Macht entfalten, dürfen wir niemals blindlings der Masse folgen (man denke nur an extreme Beispiele wie die NS-Zeit). Für jede unserer Handlungen müssen wir Verantwortung übernehmen und dies setzt voraus, dass wir aus unserer eigenen Freiheit heraus selbstständig wählen und die Konsequenzen akzeptieren. Auch den Mitläufer- oder Gehorsams-Effekt darf man hier nicht gelten lassen! Die NS-Verbrecher betonten ja immer wieder, dass sie nur Befehle ausgeführt hätten, doch die Tatsache, dass sich sich einer Autorität unterworfen haben, macht sie bereits verantwortlich.
    Darum ist das Thema Nachahmung so außerordentlich wichtig; und darum nochmals danke für den Artikel!
    Herzliche Grüße, Lukas

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    1. Hi Lukas,
      sorry für die späte Antwort, dein Kommentar hat sich leider in unseren Papierkorb verirrt! Freut mich, dass dir der Artikel gefällt – du bist ja anscheinend super mit dem Thema vertraut. Dein Vergleich mit der NS-Zeit ist ein gutes Extrembeispiel dafür, wie gefährlich Nachahmung sein kann. Vor allem die Formulierung, dass jeder Mensch einen eigenen „Wirkungskreis an Macht“ besitzt, stimmt mich nachdenklich.
      Ich habe ja auf der anderen Seite noch den Aspekt genannt, dass es manchmal gut ist, sich etwas von anderen abzuschauen, um dazuzulernen oder Inspiration zu sammeln. Wie bewertest du dann diese an sich positive Art der Nachahmung? Ich glaube, der entscheidende Punkt ist die Verantwortung, also dass ich mir in dem Moment des Nachmachens bewusst bin, WARUM ich der „Herde“ hinterherlaufe (suche ich bewusst nach Orientierung und spalte mich dann ab – oder laufe ich einfach gedankenlos hinterdrein?). Was meinst du dazu?
      Viele Grüße, Fran

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      1. Hi Fran,
        ich denke, dass man diese „positive Art von Nachahmung“ nochmals unterscheiden muss, so wie du es eben sagst – es muss immer ein Bewusstsein gefordert sein, nämlich dass ich (und warum ich) nachahme. Aus diesem Grund gibt es natürlich schon eine Art von positiver Nachahmung. Ich würde es aber nicht so nennen. Vielmehr verstehe ich darunter soviel wie „Idolen folgen“ oder „ein Vorbild haben“. Es wäre selbstverständlich töricht und unmöglich jeden kleinsten Schritt nachzugehen, aber darum dreht es sich auch gar nicht. Diese positive Art der Nachahmung ist für mich eher eine Weise, wie man von einem anderen Menschen inspiriert werden kann und man beginnt dann aus eigener Kraft diesem Vorbild mit eigenen Mitteln zu folgen.

        Also kurz gesagt: Ich finde blinde Nachahmung in jedem Fall schlecht, weil es zum einen die individuellen Fähigkeiten und Anlagen unterschlägt und zum anderen meistens einfach nur eine Anpassungsreaktion aus Angst ist (man mischt sich unter die Menge) [Sören Kierkegaard prägte was das angeht den Spruch: Die Menge ist die Unwahrheit]. Man soll sich natürlich von anderen inspirieren lassen, aber Nachahmung ist blödsinnig.
        Herzliche Grüße
        Lukas

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        1. Finde ich gut, dass du das Thema dann doch noch von einer positiveren Seite beleuchtet hast – wenn auch unter einem anderen Begriff. Kritik zu üben ist schließlich essentiell für ein selbstbestimmtes Leben, aber eine positive und pragmatische Sichtweise meiner Meinung nach nicht minder! Deine Argumentation ist ansonsten natürlich folgerichtig, habe dem nichts mehr hinzuzufügen. ;)
          Viele Grüße
          Fran

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