Tagebuch früher und heute

Experiment Morgenseiten

Habt ihr auch schon einmal die Erfahrung gemacht, dass ihr euch im Alltagstrubel manchmal selbst nicht mehr so richtig wahrnehmt? Immergleiche Morgenroutinen, Vorlesungen und Bürostunden ziehen an euch vorüber und währenddessen spürt ihr nicht, ob ihr euch gerade ausgeglichen oder erschöpft oder leer fühlt. So ging es mir in letzter Zeit auch. Damit sollte Schluss sein! Auf dem YouTube-Kanal habe ich in der Morgenroutine der YouTuberin Ella TheBee die Morgenseiten wiederentdeckt – ich hatte diese nämlich schon mal als Teenager ausprobiert, konnte damals aber wenig damit anfangen. Bisher habe ich nur ein klassisches Tagebuch geführt. Dort denke ich schriftlich nach, halte Erinnerungen fest und schreibe mir Gefühle von der Seele (hier findet ihr meine 10 Gründe für ein Tagebuch) – allerdings eher drei- oder viermal pro Monat und nicht regelmäßig.

Seit einigen Wochen schreibe ich nun also zusätzlich zu den gelegentlichen Tagebucheinträgen Morgenseiten, meistens gleich beim Frühstück. Dafür stelle ich mir die Handy-Stoppuhr auf fünf oder zehn Minuten (je nachdem, wie viel Zeit ich aktuell habe), zücke mein Tagebuch (ein extra Büchlein braucht es dafür ja nicht) und lege los. Dabei gibt es kein Konzept, keine Regeln und keine Grenzen. Wichtig ist nur, dass man nicht innehält. Ich würde es so bezeichnen, dass man denkend und fühlend schreibt. Mein Fazit: Ich bin begeistert! Während ich bei normalen Tagebucheinträgen, die geschätzt etwa 20-30 Minuten dauern, eher entschleunige, gibt mir das ungebremste Drauflosschreiben pure Energie!

Morgenseiten
Manchmal komme ich in den fünf Minuten auf mehrere Seiten, manchmal schreibe ich nur langsam ein paar Sätze auf – beides ist okay. Wichtig ist, dass ihr euch beim Schreiben keine Vorschriften macht! :)

Warum Morgenseiten?

Ihr interessiert euch auch für Morgenseiten? Darum kann ich sie empfehlen:

  • Im Moment leben: Durch banale Sätze wie Ich fühle mich müde, Ich bin nervös vor der Prüfung oder Irgendwie bin ich heute gereizt werden Gefühle und Körperregungen nicht mehr verdrängt, sondern ehrlich aufs Papier gebracht und ergründet. Ihr versteht euch selbst besser und könnt entsprechend reagieren.
  • Energie für den Tag: Ich habe zwar bereits einen Kalender, in dem ich Termine, Pläne und Ideen eintrage, aber diese Pläne nochmals auszuformulieren, steigert sofort den Tatendrang! Außerdem erlebe ich auch den restlichen Tag mit mehr Geistesgegenwart, wenn ich mich bereits früh darauf besinne. Probiert es mal aus!
  • Kreativ ohne Zwang: Wenn ihr jeden Tag ungezwungen schreibt, werdet ihr feststellen, dass ihr an manchen Tagen kreativer oder origineller schreibt als an anderen. Ist es nicht toll, dass diese Ideen und Sätze dann nicht verloren gehen? Vielleicht könnt ihr mit diesen Einfällen sogar anschließend etwas anfangen. Und wenn nicht – who cares? Hauptsache, ihr befreit euch von Druck und Erwartungen und habt Spaß am Schreiben an sich!

Wer den letzten Monatsrückblick gelesen hat, denkt sich jetzt vielleicht: Moment mal, war da nicht auch was mit Abendseiten? Richtig, anfangs habe ich auch jeden Abend ein paar Zeilen als eine Art Tagesrückblick geschrieben. Ziel war es, durch notierte Erkenntnisse oder Erfolge zu mehr Dankbarkeit, Selbstvertrauen und Optimismus zu gelangen. Einerseits klappte das auch, andererseits war mir das Korsett aus Morgen- UND Abendseiten dann irgendwie zu eng. Ich wollte nicht, dass Druck entsteht und ich am Ende vielleicht nicht mal mehr Lust haben würde, einen guten, alten Tagebucheintrag zwischen die Routinetexte zu zwängen. Jetzt beschränke ich mich also erstmal auf die Morgenseiten und alles darüber hinaus ist erlaubt, aber nicht verpflichtend. Falls sich hier etwas ändert, kann ich euch bei Interesse gerne berichten!

Habt ihr schon einmal Morgenseiten ausprobiert oder führt ihr sie sogar regelmäßig und warum (nicht)? Schreibt jemand von euch abendliche Rückblicke? Oder könnt ihr gar nichts mit meditativem Schreiben anfangen?

17 Antworten auf „Experiment Morgenseiten

  1. Wie gibt dir das Schreiben denn Morgens Energie ? Dadurch dass du Sachen von dir wegschreibst oder dadurch dass du an positive Sachen denkst ? Ist aber wahrscheinlich positiver als morgens z.B. Fernzusehen. An manchen Tagen starte ich übrigens morgens einen kleinen Kreisel. Wenn er irgendwann umkippt weiß ich, dass ich nicht mehr schlafe und träume. Manchmal könnte man nämlich echt meinen, Tage wiederholen sich. Nicht exakt gleich wie im Film mit dem Murmeltier. Aber doch sehr ähnlich. Was jetzt nicht ungewöhnlich ist – aber wenn sich nervige Dinge dauernd wiederholen ist es echt anstrengend dabei oder danach immer wieder zu lächeln.

    Gefällt mir

    1. Danke für deine kritische Nachfrage! Ja, manchmal denke ich an positive Dinge oder freue mich auf etwas, was mir dann Energie gibt – meistens ist es aber eher so, dass ich mir tatsächlich Sachen „wegschreibe“, wie du es passend ausgedrückt hast. Das heißt, ich schreibe z.B. einen negativen Gedanken auf wie „Ich hab keine Lust auf die Vorlesung heute Abend!“, dann sehe ich ihn auf dem Papier quasi von außen, lasse den destruktiven Miesmacher unbeachtet stehen und schreibe weiter, hin zu positiven Feststellungen, die das Hier und Jetzt betreffen. Zusätzlich gibt mir das Aufschreiben von Plänen Energie im Sinne von Tatendrang. Ich meine diesen schreibbedingten Energieschub also keineswegs spirituell, sondern ganz wörtlich. Das verläuft bei mir nach der Logik: Gedanken ungeordnet fließen lassen – Negatives stehen lassen – zum Positiven im Jetzt zurückkehren – fokussiert und damit motiviert in die Zukunft schauen. Klappt nicht immer, aber immer öfter. Und ja, der Fernseher kann da nicht so ganz mithalten, fürchte ich. ;)

      Ah, da hat jemand Inception geschaut! :D Das hört sich so an, als ob du in einem ungeliebten Trott festhängst. Ich habe mein tristes Roboterdasein vor einigen Wochen (vielleicht ist das mit deiner Situation vergleichbar) jedenfalls u.a. durch die Morgenseiten hinter mir gelassen. Vielleicht wäre das ja auch eine Idee für dich? Denn dass kein Tag ist wie der andere ist, siehst du vielleicht erst, wenn du deine Gedanken mal aufschreibst (oder auf sonstige Art festhältst). Dann ist der Alltagstrott im Umfeld evtl. gar nicht mehr so trist, weil stattdessen das Innenleben entscheidend ist und du merkst, dass du jeden Morgen ein bisschen anders denkst und fühlst und die Tage voneinander abgrenzbar werden. Ich kann natürlich nicht versprechen, dass diese Methode auch dir hilft. Siehst du ansonsten möglicherweise schon selbst eine Möglichkeit, durch die du mit der Tages-Endlosschleife besser umgehen kannst? (Wenn dir das hier zu persönlich ist, schreib mir gerne per Mail.)

      VG Fran

      Gefällt 2 Personen

  2. Hallo Fran!
    Die Idee mit den Morgenseiten habe ich schon öfters gehört, aber noch nie selbst ausprobiert. Ich habe dafür mein „onelineaday 5 year memory book“. Irgendwie ist das ein guter Ersatz für Morgen/Abendseiten, obwohl es nicht das selbe ist.
    Ich frage mich außerdem: Liest du deine Morgenseiten nach dem Schreiben auch mal, oder bleiben sie ungelesen?
    Liebe Grüße,
    Sarah

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Sarah,
      ja, deinen Post zum „5 year memory book“ habe ich als fleißiger Abonnent natürlich gelesen! ;) Stimmt, das hat sicherlich Paralellen zu Morgenseiten/Tagebüchern. Der Hauptunterschied ist wahrscheinlich, dass das Memory Book eher ein geordneter Rückblick gleich einem Kalender ist, während bei den Morgenseiten der Schreibprozess an sich im Mittelpunkt steht. Oder was würdest du sagen?
      Ja, ich lese ab und zu in alten Tagebucheinträgen und damit jetzt auch in alten Morgenseiten (da ich ja beides in dasselbe Buch schreibe), aber nicht häufig, eher alle 1-2 Monate. Dann gebe ich mir einen kleinen Rückblick über Erlebnisse und Erkenntnisse, die ich mir entweder merken oder mit denen ich einfach abschließen will. Ich möchte mich aber im Gegensatz zu früher nicht ständig in der Vergangenheit aufhalten – manchmal war das zwar ganz lustig (unfassbar, wie man mit 13 über seinen Teenie-Schwarm geschrieben hat!), oft hat es mich aber eher negativ in alte Denkweisen zurückkatapultiert. Ich sehe jetzt lieber nach vorne, womit ich einfach zufriedener bin. :) Vielleicht ist das auch der Grund, dass ich den Versuch mit den permanent rückblickenden Abendseiten erstmal abgebrochen habe. Hältst du in deinem Buch eigentlich ausschließlich Erlebnisse oder auch Gefühle/ Erkenntnisse fest?
      Viele Grüße zurück!
      Fran

      Gefällt 1 Person

      1. Das freut mich 😘! Ich sehe das genauso wie du – Während das Memory Book eher einem Kalender gleicht und zum Rückblick dienen, haben Morgenseiten fast schon etwas zukünftiges an sich.
        Ich finde alte Einträge auch immer sehr spannend, kann mich aber meistens nicht mehr in die damalige Lage zurückversetzten 😂. Naja in meinem Alter ändert sich in 1-2 Jahren ja auch noch sooooo viel.

        Ich benutze mein Memory Book auch im Gefühle und Erkenntnisse, genauso wie Meilensteine festzuhalten. Hauptsächlich bleibe ich jedoch bei dem (auch für den Rückblick) interessanteren Erlebnissen 😋.

        Gefällt mir

          1. Keine Sorge, die Rechtschreibprüfung im Kommentarbereich ist deaktiviert ;) Dein Memory Book hört sich wirklich wertvoll an. Es erinnert mich an ein Fotoalbum, in dem man zusammen mit der Familie oder mit Freunden in Erinnerungen schwelgt, nur dass es eben Wörter statt Bilder enthält. Bestimmt bist du später mal froh, so viele Erlebnisse festgehalten zu haben. Nebenbei könnte ich mir vorstellen, dass das Memory Book eine gute Hilfe für deinen Monatsrückblick auf dem Blog ist, oder? :)

            Gefällt 1 Person

    1. Hi Christina, das freut mich! Vielleicht hilft dir die Methode sogar dabei, in die Gänge zu kommen. Ich habe mir angewöhnt, ein paar Minuten früher als sonst aufzustehen, damit ich bei den Morgenseiten keine Hektik habe oder vermeintlich Wichtigeres erledige. Hast du ansonsten mal überlegt, ob Abendseiten eine angenehmere Routine für dich sein könnten?
      Viele Grüße!
      Fran

      Gefällt mir

      1. Das abendliche Schreiben würde bei mir vermutlich noch so funktionieren. Einerseits, da ich schon den ganzen Tag über beruflich schreibe und dann irgendwann die Luft raus ist 😅und andererseits habe ich na h Feierabend immer so viel im Kopf, was ich noch erledigen möchte, dass ich mir die Zeit dafür dann vermutlich doch nicht nehmen würde. Ich denke, die Morgenseiten wären dann doch erfolgversprechender 😁

        Gefällt mir

        1. Ah okay, da hätte ich an deiner Stelle abends wahrscheinlich auch wenig Antrieb :D Wenn du tatsächlich mal Morgenseiten ausprobierst, kannst du mir gerne berichten, welche Erfahrungen du so gemacht hast!

          Gefällt mir

  3. Liebe Fran,
    ich weiß nicht, wie oft ich mir schon vorgenommen habe, ein Tagebuch zu schreiben. Aber der abendliche Rückblick stresst mich meistens mehr, als das er mich erholt. In meinem Kopf kämpfe ich dann schnell mit nicht erledigten Aufgaben, vertrödelter Zeit oder schlechten Gedanken. Aber das mit den Morgenseiten und insbesondere mit der Zeitbegrenzung… Klingt gut! Ich lege mir mal ein altes Notizbuch neben den Schreibtisch und schaue, was passiert ;)
    Liebe Grüße, Alex

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Alex,
      das freut mich! Hört sich nach einer guten Idee an, dass du dir das Notizbuch ohne Druck bereitlegst, statt dich direkt zum morgendlichen Schreiben zu zwingen. Berichte mir gerne mal, wie das klappt! Vielleicht entdeckst du ja auch, dass du weniger feste Morgenseiten bevorzugst, sondern lieber nur ab und zu im Sinne eines Tagebuchs schriftlich nachdenkst und die von dir erwähnten schlechten Gedanken loslassen kannst – das wäre ja auch super. Meiner Meinung nach muss ein Tagebuch nicht regelmäßig geführt werden, auch einmal die Woche oder gar einmal im Monat hineinzuschreiben ist völlig okay. Da kann man sich ruhig von jeglichem Erwartungsdruck oder Stress befreien und es ganz nach Bedürfnis nutzen! Nichtsdestotrotz bin ich gespannt, ob du vielleicht die feste Routine von Morgenseiten für dich entdeckst. :)
      Viele Grüße zurück!

      Gefällt 1 Person

      1. Liebe Fran,
        ich hab es heute früh versucht mit einer ersten Morgenseite. Ich hätte nicht gedacht, dass fünf Minuten nur so wenig Zeit ist! Aber es gefällt mir. Besonders, weil ich einfach schreiben kann, was ich denke. Ich bleibe da sicher dran ;)
        Liebe Grüße

        Gefällt 1 Person

        1. Das ist ja super! Freue mich sehr, dass du die Methode so zeitnah ausprobiert hast. Habe auch gerade wieder meine Morgenseiten geschrieben. Tatsächlich sind fünf Minuten viel weniger, als man denkt, man muss also kaum extra Zeit aufwenden. Dass es dir gefällt, werte ich schon mal als einen positiven Effekt. ;) Halt mich gerne auf dem Laufenden, wie es dir mit den Morgenseiten so geht. Viel Spaß weiterhin und liebe Grüße!

          Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s