Ideen Sackgasse

Ideen in der Sackgasse

Schreiben kann so einfach sein. Manchmal ist es aber alles andere als das. In letzter Zeit landeten so einige meiner Texte in der Tonne statt auf dem Blog. Zu verworren, zu einseitig oder schlichtweg irrelevant. Was ist da schiefgelaufen? Wie bringe ich sie zukünftig strukturierter in eine Textform? Wenn ihr auch öfters Ideen in die Sackgasse treibt: Lasst uns doch mal sehen, was man dagegen tun kann!

Wie ist eigentlich der Verlauf von der Idee zum Text? Mir kommen die meisten Ideen mitten im Alltagsgeschehen, woraufhin ich sie als Handynotiz speichere. Am Laptop führe ich die Idee dann in einem Word-Dokument weiter aus. Bei meinen letzten Entwürfen verstrich zwischen Idee und Ausführung nicht viel Zeit und ich haute entschlossen in die Tasten (ihr ahnt schon: ich gab der Idee wenig Entwicklungsmöglichkeiten). Während sich bei sachlicheren Themen wie Reviews oder Ratgebertexten die Struktur ja meist von selbst ergibt, fiel mir eine passende Struktur bei tiefgründigen oder kritischen Texten ziemlich schwer. Nachdem mein spontanes Drauflosschreiben beendet war, versuchte ich, die Gedanken in eine logische Form zu bringen. Diesen Satz hierhin schieben, dort eine Phrase streichen – ah, jetzt fällt mir noch ein Aspekt ein, den füge ich dort ein. Moment mal, ergibt das jetzt noch Sinn?

Ich bastelte immer weiter an Argumenten, Beispielen und Ausdrücken herum, bis der Gesamteindruck oftmals komplett schief war – als wenn man ein Bild mit Scheuklappen an verschiedenen Ecken weitermalt und dabei das Hauptmotiv aus den Augen verliert. Kein Wunder, dass ich am Ende oft selbst den roten Faden verlor und nicht mehr wusste, was ich eigentlich sagen wollte. Zusätzlich dachte ich zu oft an die Sache statt an die Zielgruppe und grenzte Begriffe nicht klar ab (Bsp: Meine ich wirklich Selbstoptimierung oder trifft es Persönlichkeitsentwicklung nicht besser?). Logisch, dass auch meinem Selbstvertrauen nach zwei, drei, vier verworfenen Texten etwas die Luft ausging und es zusammenschrumpelte wie ein alter Luftballon. Der Frust stieg, die Motivation sank. Es musste sich etwas ändern! Nur was?

Ideen Sackgasse
Frei heraus zu schreiben fördert die Kreativität. Soll daraus aber ein Text für die Öffentlichkeit werden, ist Struktur nötig – und zwar VOR der Ausformulierung! Ich dachte, das wüsste ich – tatsächlich waren meine Texte aber viel chaotischer, als mir bewusst war.

Tipps für mehr Struktur

Um in Zukunft seltener verzweifelt vor dem Textchaos zu sitzen, habe ich mir einiges vorgenommen. Vielleicht ist auch für euch der eine oder andere Tipp dabei:

  • Ausgangslage: Worüber und für wen wollt ihr schreiben? Ist die Idee halbwegs neuartig? Warum sollte sie jemand lesen? Wie könnt ihr unterhaltsam oder kreativ durch das Thema führen? Welche Beispiele gibt es? Sind eure verwendeten Begriffe klar oder solltet ihr das Feld lieber an einen Experten abtreten?
  • Ideen reifen lassen: Wartet, bis ihr wirklich überzeugt von der Idee seid, sie durchdacht habt und konkret ausformulieren könnt. Und habt andernfalls Mut, Texte auch mal zu verwerfen! Manche fühlen sich in der Schublade pudelwohl.
  • Gut gegliedert ist halb gewonnen: Vielleicht brainstormt ihr gerne direkt ins Dokument? Ich tue das sehr oft. Macht euch anschließend aber unbedingt eine gedankliche oder schriftliche Gliederung. An dieser wird dann NICHTS mehr geändert (Memo an mich selbst)! Jetzt sind nur noch sprachliche Spontaneitäten erlaubt, aber keine inhaltlichen Zusätze.
  • Texte ruhen lassen: Direkt nach dem Schreiben tut man sich relativ schwer, einen Text objektiv zu bewerten. Lasst ihn also ein paar Tage liegen und prüft dann nochmal aus distanzierterer Perspektive, ob ihr damit zufrieden seid. Hinterfragt kritisch, ob die Hinleitung verständlich und die Argumente nachvollziehbar sind. Ist der Stil flüssig und leicht zu lesen? Manchmal stimmt der Inhalt, aber man übersieht, dass der Text so trocken klingt wie aus einem staubigen Lehrbuch – hust! Lasst am Ende Hobbylektoren aus eurem Umfeld auf euren Text los und seid dankbar für ehrliche Kritik (danke an dieser Stelle an die weltbeste Testleserin Siri, die mich auf die Idee für diesen Blogpost gebracht hat).
  • Selbstvertrauen pflegen: Der Text ist trotzdem irgendwie nicht das, was ihr euch vorgestellt habt? Nehmt es sportlich! Vielleicht könnt ihr über eine besonders hölzerne oder schiefe Passage ja bereits lachen. Stürzt euch nicht verbissen in den nächsten Text, sondern tankt erstmal neue Energie. Erinnert euch daran, wie oft ihr schon zufrieden oder stolz auf eure Texte wart. Traut eurer Einschätzung, was grottig und was großartig ist!

Möglicherweise geht ihr an der einen oder anderen Stelle anders vor als ich – teilt mir das gerne mit! Ich bin jedenfalls nach einigem Motzen, Grübeln und Verändern endlich raus aus meinem wochenlangen Schreibtief und komme mit meiner Checkliste gleich viel besser zurecht. Lassen wir uns nicht von Zweifeln ausbremsen, sondern einfach wieder mehr Spaß am Schreiben haben! Was sagt ihr?

Seid ihr auch schon an euren Texten verzweifelt? Hat sich das auf euer Selbstvertrauen oder eure Motivation ausgewirkt oder könnt ihr gut damit umgehen? Habt ihr weitere Tipps für Kreativität mit Struktur?

Bilderquelle: Pixabay

9 Antworten auf „Ideen in der Sackgasse

    1. Danke für die Idee, auf eine technische Lösung des Problems bin ich bisher noch nicht gekommen. Da ich hauptsächlich Blogbeiträge schreibe, reicht mir Word o.Ä. erst einmal aus. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass die Möglichkeit, Textabschnitte in ihrer Reihenfolge zu organisieren oder den Hintergrund schöner zu formatieren, beim kreativen Schreiben ein schönes Feature sind. Was sind für dich die größten Vorteile an dem Programm? Viele Grüße!

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      1. da habe ich mich falsch ausgedrückt. das programm kann nichts. auf jeden fall weniger als dein word. ich kam darauf durch einen artikel über ‚ablenkungsfreies Schreiben. ich habe es so eingerictet, dass ich weder menues noch irgendwelche buttons sehe sondern nur eine alte schreibtischoberfläche auf der ein blatt liegt. man kann – selbst wenn noch andere programme offen sind – nicht umschalten. also entweder schreiben oder ‚kiste aus‘.
        hier der link:
        https://gottcode.org/focuswriter/
        lg wolfgang

        Gefällt 1 Person

        1. Ach so! Ich hatte mir das grob angeschaut und dachte, dass dir vor allem die Optionen helfen. Dabei verfolgst du mit einer ablenkungsfreien Schreibfläche ja eine ganz andere Absicht – gute Idee. Bei Blogposts ist meine Ablenkungsgefahr nicht so groß, allerdings werde ich mir das Programm mal für Hausarbeiten o.Ä. im Studium vormerken, bei denen man sich ja ganz gern mit Formatierungen aufhält, statt endlich inhaltlich anzufangen… ;)

          Danke und viele Grüße zurück!
          Fran

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  1. Hallo Fran,
    dieses Phänomen kenne ich nur zu gut! Besonders, wenn man sich das Ziel gesetzt hat, jede Woche einen Beitrag zu schreiben und dann unter Druck gerät, seine eigenen Deadlines nicht einzuhalten. Ich habe auch schon öfter die Erfahrung gemacht, dass mir Texte, mit denen ich schrecklich unzufrieden war, drei Tage später gar nicht so schlimm vorkamen. Manchmal verrennt man sich auch in Formulierungen und steht dann auf dem Schlauch. Deshalb lasse ich auch (vermeintlich) schlechte Texte einfach ruhen. Mit etwas mehr Abstand kann ich Dinge dann auch besser bewerten.
    Liebe Grüße, Alexandra

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    1. Hallo Alexandra,

      so sehe ich das auch! Nur dass ich Texte, mit denen ich unzufrieden bin, manchmal einfach komplett verwerfe. Wahrscheinlich kommt es darauf an, woher die Unzufriedenheit kommt: Wenn ich schon bei der Idee oder beim Schreiben ein schlechtes Bauchgefühl habe und ich nicht so recht dahinterstehen kann, ist das für mich das Zeichen für „ab in die Schublade“ – da hilft auch keine Überarbeitung. Wenn es dagegen nur um einzelne Passagen geht, an denen ich gerne mal selbstkritisch herumdoktere, sehe ich sie nach einer Ruhephase tatsächlich viel entspannter. Vielleicht kennst du diese Unterscheidung auch?

      Danke für deine Erfahrung und viele Grüße!
      Fran

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  2. Liebe Fran
    Danke! Manchmal bekomme ich kein gescheites Wort heraus, manchmal haue ich wie wild in die Tasten und eine halbe Stunde später ist ein Blogpost da, mit dem ich total zufrieden bin. (Diesen möchte ich dann auch sofort posten, nochmals ruhen lassen und durchlesen überspringe ich, da es zu viel Aufwand ist. Definitiv nicht vorbildlich, daran will ich arbeiten!) Mir fehlt die Balance. Wahrscheinlich ist das normal, ich habe ja gerade erst angefangen. Da darf man auch mal keine Ahnung davon haben, was man überhaupt gerade tut, das gehört für mich dazu. Nichtsdestotrotz werde ich mir deine Tipps zu Herzen nehmen!
    Alles Liebe
    Zoey

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    1. Hi Zoey,

      freut mich, dass du etwas mitnehmen konntest! Ich denke auch, dass sich nach und nach eine gewisse Routine einstellt und man seine Texte immer besser einschätzen kann – wobei es sicherlich auch bei alten Hasen ganz normal ist, dass man sich mal „in den Tasten vergreift“ ;) . Aber selbst wenn sich ein Text nicht so gut zur Veröffentlichung eignet, ist er fast immer für etwas gut, und wenn auch nur, um über etwas nachzudenken. Viel Spaß weiterhin beim Schreiben!

      Liebe Grüße
      Fran

      Gefällt 1 Person

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