Review: House of Cards Staffel 5

Würde mich jemand fragen, welche meine Lieblingsserie ist, würde ich nach kurzem Überlegen antworten: „House of Cards!“. Vor kurzem ist die fünfte Staffel auf Netflix erschienen, die ich mal genauer unter die Lupe nehmen möchte. Damit wir anschließend richtig schön diskutieren können, beinhaltet dieser Beitrag Spoiler!

ACHTUNG SPOILER!

Darum geht’s

House of Cards ist eine US-amerikanische Serie, die seit 2013 staffelweise zuerst bei Netflix ausgestrahlt wird. Sie wird den Genres Drama und Politthriller zugeordnet und handelt vom Politiker Francis Underwood und seiner Frau Claire. Die beiden spinnen im weißen Haus viele Intrigen, erpressen andere und gehen dabei über Leichen. Das hinterlässt natürlich Spuren, auf die sich die Gegner der beiden stürzen, wenn auch recht zögerlich. Bislang sind auf Netflix fünf Staffeln erschienen. Die einzelnen Folgen heißen dabei „Kapitel“, wovon es mittlerweile 65 Stück á 56 min gibt.

Wort zur Handlung

Ich zäume das Pferd mal von hinten auf: Mit dem Rauswurf Kevin Spaceys wird Francis aus der sechsten Staffel gekickt. Ich frage mich nur: wie? Francis wird am Ende von Staffel fünf ins Hotel ausquartiert und wartet ungeduldig auf seine Rückkehr. Niemand interessiert sich weiter für ihn. Was soll ihm da schon passieren? Wird er an einer Fischgräte ersticken? Eine Weltreise unternehmen? Mir fällt auf Biegen und Brechen einfach kein würdiges Ende für ihn ein, bei dem sich die Zuschauer keine vorherige Verabschiedung von ihm wünschen. Und die ist ja jetzt nicht mehr möglich. Ansonsten fand ich mal wieder grandios, wie Francis den gesamten Plot der fünften Staffel geplant hat: Angefangen mit dem Ausschuss über die Geburtstagskarten bis es wieder mit dem Ausschuss endet. Richtig fad wirken allerdings die Zoe Barnes-Moves, die Francis macht. Langweilig!

Making of & Regie

House of Cards zeichnet sich durch einen speziellen Regiestil aus. Wenn ich es poetisch beschreiben müsste, würde ich sagen, dass ruhig, aber konsequent arrangiert wird. Die Besonderheit der Serie ist das Durchbrechen der 4. Wand, das heißt, die Hauptfiguren (huch, was macht denn der Plural hier?) sprechen teilweise direkt zu den Zuschauern. Was ich in Staffel fünf nun sehr übertrieben fand, war die stets symmetrische Anordnung des Hintergrundes. Ist euch das mal aufgefallen? Mich macht das ja wahnsinnig, weil es zu künstlich wirkt. Lampen, Vorhänge, Sessel, Fahnen, Menschen – alles wird an der senkrechten Mittelachse gespiegelt. Genervt hat mich auch die Regie von Michael Morris. In diesen Episoden sieht man erstens die erwähnte Symmetrie sehr oft und zweitens filmt die Kamera häufig in der Totale, obwohl Nahaufnahmen sinnvoller wären. Das Licht war über die ganze Staffel verteilt eher schummrig, was vermutlich an den fehlenden Außenaufnahmen liegt. Und ist euch mal der starke Weichzeichner in der letzten Folge aufgefallen, vor allem, wenn Claire das blaue Kleid trägt? Zeitweise konnte ich mich vor lauter Arrangement nicht mehr auf die Handlung konzentrieren.

Schauspieler und Figuren

Der große Aufreger ist natürlich, wie erwähnt, die sexuelle Belästigung seitens Kevin Spacey, der Francis mimt, gewesen. Er wurde vom Set verbannt und aus der nächsten Staffel herausgeschrieben. Schauspielerisch fand ich ihn und Robin Wright (Claire) nach wie vor grandios. An Claire gefiel mir besonders, dass sie ab und zu Blicke in die Kamera einstreute und uns die Serie glauben ließ, dies sei Zufall. Doch dann wendet sich sie nach fünf Staffeln mit den Worten „Ich habe die ganze Zeit gewusst, dass sie hier sind“ ebenfalls direkt an uns: WOW! Sehr seltsam finde ich hingegen die Figur der Jane Davis, gespielt von Patricia Clarkson. Sowohl inhaltlich als auch in der Darstellung weiß ich nicht, ob sie eine junggebliebene Tattergreisin oder eine mütterliche Mörderin sein will. Ich bin froh über das Ausscheiden LeAnn Harveys, die mich als Kampagnenchefin sehr gelangweilt hat. Und noch mehr freue ich mich über das Verschwinden von Autor Tom Yates! Der hat in Staffel fünf definitiv ein paar komische Momente. Ich mochte die Entwicklung von Gouverneur Conway, vor allem als seine Psyche ihn gegen Ende im Stich lässt. Schauspieler Joel Kinnaman bringt das sehr glaubwürdig rüber. Mein Liebling der Staffel war Tom Hammerschmidt, der Chefredakteur der Washington Post. Nein, nicht nur wegen seines Hundes 😊 Ich finde ihn rundum sympathisch und hoffe, dass er im Serienfinale der große Gewinner ist.

Fazit

Die Serie hat, wie man es aus den vorherigen Staffeln gewohnt ist, wieder einige kafkaeske Momente. Zum Beispiel die Augenhöhlen-Massage, das sektenähnliche Wochenende im Freien oder das Summen im Bett. Ich gebe es auf, dort einen Sinn hineinzuinterpretieren. Von der übertriebenen Symmetrie und den teils unnötig breiten Kameraeinstellungen abgesehen, finde ich diese Staffel okay. Inhaltlich hätte ich mir weniger Krieg und mehr Abwechslung als das Weiße Haus gewünscht, beispielsweise in Form von Außenaufnahmen. Die Serie hält sich bei mir aber nach wie vor auf Platz 1, auch wenn dies in meinen Augen bislang die schwächste Staffel ist.

Lieblingsstelle: Als Francis über die Zukunft von ihm und Claire sinniert und dabei überzeugt ausspricht: „Vereinigte Staaten von Underwood.“ Im Original sagt er: „One nation. Underwood“, aber da finde ich die deutsche Synchro ausnahmsweise witziger!

Jetzt seid ihr dran: Wie findet ihr die fünfte Staffel von House of Cards? Wo seid ihr anderer Meinung als ich, welche Gedanken teilt ihr? Was glaubt ihr, wird mit Francis passieren? Wer hat euch genervt, wer hat euch gefallen? Lasst uns richtig schön spoilernd diskutieren!