Buchrezension: „Schwertläufer – Die Schlüssel von Ormor“

Ihr kennt den Fantasy-Newcomer „Schwertläufer“ von Jan Peter Andres noch nicht? Dann solltet ihr das dringend aufholen (hier geht´s zur Rezension). Denn die Fortsetzung steht pünktlich für gemütliche Weihnachtsferien in den Startlöchern: Die beiden Nachfolger „Die Schlüssel von Ormor“ und „Das Zepter Aranurs“ sind im Dezember 2017 zusammen in einem Band im Heinz Späthling-Verlag erschienen. Auch diesmal erleben Robin, Boffo & Co. wieder spannende Abenteuer auf dem fantastischen Kontinent Laudora.

Aufmachung

 

Cover und Layout sind professionell gestaltet. Mir gefielen vor allem das Hardcover unter dem Umschlag mit goldener Prägung und das detaillierte Kartenmaterial.

Die Handlung

Schwertläufer
Darum geht es 🙂

Ich fand die Handlung teilweise spannend, teilweise hatte sie aber frustrierende Längen. Das liegt vor allem daran, dass jede Mahlzeit und jede Wirtshauseinkehr inklusive Bewirtung und Abschied nach immer demselben Muster beschrieben wird – ein wahrer „kulinarischer Marathon“. Während ich den zweiten Teil am schwächsten fand, gefiel mir der dritte mit Abstand am besten. Hier warten rasantere Passagen, spannende Konflikte und stärkere Figuren. Leider wurde der Höhepunkt sehr kurz abgehandelt und auch hier hätten einige Passagen gestrichen werden können. Insgesamt lohnt es sich aber, alle Teile zu lesen!

Fantasywelt

Auch diesmal kann man sich den Kontinent Laudora bildlich vorstellen. Die abwechslungsreiche Kulisse reicht im zweiten Teil von der unterirdischen Zwergenstadt Tiruna über magische Wälder in Sil bis hin zu wunderschönen Stränden am Nurischen Meer. In Band Drei begeisterte mich vor allem die Miniaturstadt der Pimperlinge (diese halten z.B. witzigerweise Zwerghasen statt Kühe auf den Weiden). Dank der Karten vorne und hinten im Buch behält man den Überblick. Im Anhang finden sich Stammbäume, Fremdwörterverzeichnisse und Reiserouten. Damit wird das Buch zu einer eigenen kleinen Parallelwelt, die der Autor mit Mühe und Leidenschaft geschaffen hat.

Figuren und Stil

Ihr erinnert euch an den tollpatschigen Protagonisten Robin? Falls ihr ihn so unsympathisch fandet wie ich, kann ich euch ermutigen: Er entwickelt sich tatsächlich zum kampferprobten Helden! Am liebsten mochte ich nach wie vor den klugen und besonnenen Elm Boffo. Leider bleiben die anderen Protagonisten sehr blass. Bero, Bert, Brent, Lorin & Co. haben nicht nur sehr ähnliche Namen, sondern handeln auch sehr austauschbar. Bedauerlich fand ich die Darstellung der weiblichen Figuren, die grundsätzlich unemanzipiert handeln, meist für Bewirtung und Haushalt zuständig sind und sich als brave Anhängsel im Hintergrund halten. Selbst die kriegerischen Silenad-Frauen entpuppen sich an der Seite ihrer Männer als (natürlich bald verheiratetes und schwangeres) Beiwerk. Schade! Ansonsten sind die Guten und die Bösen sehr klar voneinander abgegrenzt, was mich an klassische Figurenkonstellationen in Jugendbüchern erinnerte. Dazu passen auch die an ein Kinderbuch erinnernden Helden, die stets tugendhaft und ein bisschen tollpatschig-überzeichnet handeln (zum Beispiel rufen sie „Nimm das!“, wenn sie mit dem Schwert angreifen). Aus diesem Grund würde ich die Trilogie vor allem Jugendlichen ab 12 Jahren empfehlen. Der detaillierte, epische Schreibstil gefiel mir gut und ließ sich flüssig lesen.

Schwertläufer
Sehen die beiden Teile nicht toll im Bücherregal aus?

Fazit

Die beiden Folgebände der „Schwertläufer“-Trilogie bieten abenteuerliche Reisen, fantastische Orte und spannende Schlachten. Weniger gefallen haben mir die unnötigen Längen und die blassen oder einseitig beschriebenen Figuren. Besonders hervorzuheben ist die Hingabe und Mühe, die der Newcomer-Autor spürbar in jedes Detail gesteckt hat und die man nicht zuletzt am riesigen Anhang voller Zusatzinfos bemerkt – es hat Spaß gemacht, in die Welt Laudora einzutauchen. Bei jugendlichen Fantasyfans und Herr-der-Ringe-Liebhabern sollte die Schwertläufer-Trilogie im Bücherregal nicht fehlen!

Von mir erhält „Schwertläufer – Die Schlüssel von Ormor“ deshalb 3,5 von 5 goldenen Büchern:

3.5 bücher gold

Hier geht es zur Buchrezension zu Teil 1 von „Schwertläufer“.

Kennt ihr bereits den ersten Band von „Schwertläufer“? Oder lest ihr vielleicht gerade einen vergleichbaren Fantasyroman?

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