Harmonie in der Familie

Freut ihr euch auf eure Familie an Weihnachten? Glückwunsch, ihr könnt an dieser Stelle aufhören zu lesen. Oder schaut ihr nur gequält für einen Anstandsbesuch vorbei? Dann habe ich hier nützliche Tipps für ein friedvolles Weihnachtsfest und generell mehr Harmonie in der Familie.

Prinzipiell können wir nach unterschiedlichen Schweregraden der Familienprobleme unterscheiden. Das kann eine harmlose Zickerei mit den Geschwistern, ständige Provokationen der Eltern oder eine nervige Macke vom Onkel sein. Für diese Problemchen gebe ich im Abschnitt „Erste Hilfe für Weihnachten und kleinere Zickereien“ Tipps. In anderen Familien liegen die Probleme jedoch sehr viel tiefer: Charakterfehler, Krankheiten, die Partnerwahl und schlimme Vorfälle vergiften dauerhaft das Verhältnis. Die nenne ich unter der Überschrift „Tieferliegende Probleme“ und gebe (hoffentlich) hilfreiche Ratschläge. Und am Ende des Artikels kommt ein Schlusswort zum Thema Familie – scrollt einfach dorthin, worüber ihr gerne mehr erfahren würdet :)

familie weihnachten

Erste Hilfe für Weihnachten und kleinere Zickereien

  • Small Talk: Beteiligt euch an Gesprächen über das Wetter, die Plätzchen, den Gänsebraten oder den verstorbenen Nachbarn. Vermeidet unbedingt Sticheleien, kritische Themen sowie jegliche Konfliktpotenziale. Belasst das ganze Fest im Kreise der Familie auf einer seichten, oberflächlichen Ebene und erfreut euch zumindest am Weihnachtsbaum und an ein paar freien Tagen.
  • Strategie: Wenn ihr schon wisst, wer welche Macke hat, könnt ihr euch im Vorfeld prima Strategien zurechtlegen. Was entgegnet ihr auf Onkel Jürgens Jähzorn? Hilft Ablenkung, wenn Oma Gisela weint? Und wie ist Mutter Claudia weniger gestresst?
  • Raum verlassen: Wenn es gar nicht anders geht, unternehmt doch einen kurzen Spaziergang. Sich die Beine vertreten, mit dem Hund Gassi gehen oder auch nur den Abwasch in der Küche erledigen, ist immer noch besser, als irgendetwas Blödes zu sagen, dass das Weihnachtsfest vollständig ruiniert. Ja, seinen Ärger runterzuschlucken, fällt schwer.
  • Geschenke: Ich finde Gutscheine sehr praktisch. Sie sind unverfänglich, aber zusammen mit einer persönlichen Karte genauso liebenswert wie das beste Supergeschenk aller Zeiten. Wenn ihr zum hundertsten Mal schreckliche Handtücher bekommt – ist halt so. Freut euch. Freut euch, weil ihr diese anschließend an bedürftige Menschen spenden könnt.
  • Essen: Ihr lebt seit zwei Jahren vegan, an Weihnachten gibt es aber traditionell fettige Gansbrust mit Klößen und Blaukraut? Bereitet eure Familie am besten wochenlang darauf vor, dass ihr gerne etwas anders essen würdet. Bietet ihnen an, selbst zu kochen, damit sie sich keine Umstände wegen euch machen müssen. Sagt, dass es nicht am Geschmack des Essens liegt, sondern an eurer Ernährungsweise und ihr euch auf diese Weise besser fühlt. Dagegen gibt es kaum Argumente!

familienweihanchten

Tieferliegende Probleme

  • Verschiedene Welten prallen aufeinander: Politische Ausrichtungen (links vs. rechts), Bildungsgefälle (Arbeiterkind studiert), Persönlichkeitsmerkmale (intro- vs. extrovertiert), Hobbys (Angeln vs. Party), Berufe (Arbeiter vs. Manager) usw.

Mein Ratschlag: Sobald sich Menschen grundlegend voneinander unterscheiden, ist nur noch eine Form der Kommunikation möglich: Small Talk. Vermeidet um jeden Preis die kritischen Themen und tauscht euch stattdessen über Rezepte, Haustiere, Wetter oder alte Nachbarn aus. Klingt erschöpfend, ist es auch, aber die wenigsten von uns leben in einer Familie, die schon am Essenstisch sachlich über Politik und den Sinn des Lebens diskutiert. Habt Verständnis für eure alten (Groß-)Eltern, die in Zeiten aufgewachsen sind, in denen es nicht alltäglich war, aufs Gymnasium zu gehen, zu studieren, monatelang ins Ausland zu reisen, vegan zu essen oder eine freie Berufswahl zu treffen. Generell ist Verständnis und Toleranz mein Tipp schlechthin, auch wenn die andere Seite dies nicht beherzigt. Der Klügere weiß Bescheid 😊

  • Ärger mit dem Partner: eure Familie hat Probleme mit eurem Partner, der Partner mag eure Familie nicht, des Partners Familie hat Probleme mit euch, ihr habt Probleme mit den Schwiegereltern, ihr schämt euch für eure Familie usw.

Mein Ratschlag: Ein gutes Verhältnis mit den Schwiegereltern zu pflegen, ist natürlich immer am besten. Für mich persönlich ist dies jedoch ein kritischer Punkt: Ich kann mich nicht so einfach in einen anderen, eingeschweißten Familienverband integrieren. Dazu bin ich viel zu schüchtern und man will ja auch nicht mit seinen Fehlern ums Eck kommen, damit die Schwiegereltern sich denken „Huihuihui, was bekamen wir denn da für eine angeschleppt?“. Ich sehe hier auch großes Konfliktpotenzial, wenn (Schwieger-)Familie und Partner anders aufgewachsen sind oder aus unterschiedlichen Kulturen kommen. Zum Beispiel war ich mal in einem Verband „gefangen“, bei dem sich alle Familienmitglieder sentimental umarmt und abgeknutscht haben. Ich hasse das und pflege seit Teenagerzeiten keine körperliche Nähe zu Freunden oder Familie. Was können wir also tun? Ich würde vorschlagen: getrennte Familienzeiten und sich nur besuchen, wenn es gar nicht anders geht oder der Anstand es erfordert. Wenn möglich, könnt ihr auch getrennt anfahren und sobald es dem einen Partner zu viel wird, haut dieser ab – Entschuldigung, aber wir sind immer noch freie Bürger. Ansonsten würde ich den Schwiegereltern auf keinen Fall einen Zweitschlüssel für die gemeinsame Wohnung geben, lasst gegebenenfalls eure Kinder nicht bei ihnen und reduziert die Kommunikation auf ein höflich-distanziertes Maß, wenn es gar nicht anders geht.

  • Schwere Charakterfehler oder psychische Krankheiten: Habgier, Neid, Jähzorn, Missgunst, Hinterhältigkeit, Abhängigkeiten (Alkoholismus, Spielsucht, Drogensucht), Narzissmus, Borderline, Depression usw.

Mein Ratschlag: Es ist schwer, als Kind der Erwachsene sein zu müssen, wenn die Eltern in ihrer Fürsorgerolle versagen. Oft lebt der Elternteil schon so lange mit seiner Störung oder seinem Charakterfehler, dass er nicht gewillt ist, etwas dagegen zu unternehmen. Wir Menschen sind bekanntermaßen Gewohnheitstiere und zur Selbstreflexion bedarf es nun mal Wille und Mut. Bei Abhängigkeiten solltet ihr auf jeden Fall tätig werden und Beratungsgespräche mit einer externen Einrichtung führen (z.B. mit der Suchtberatung des DRK). Auch bei psychischen Krankheiten eines Angehörigen helfen Beratungsstellen weiter – ich persönlich würde den Betroffenen zuvor auch durch die Blume darauf ansprechen. Gegen schwere Charakterfehler können Außenstehende kaum etwas tun; hier solltet ihr euch Strategien für euch selbst überlegen, wie ihr mit diesen Personen umgeht: geduldig, konternd, flüchtend, verständnisvoll etc. Dazu gibt es auch konkrete Bücher, googelt doch mal nach „Psychovampiren“ oder „Energievampiren“.

  • In der Vergangenheit hat es gewisse Vorfälle gegeben: Vertrauensmissbrauch, Diebstahl, Geldangelegenheiten, Unfälle, Kindesmissbrauch, Tötungsdelikte usw.

Mein Ratschlag: Ich hoffe inständig, dass ihr mit keinem dieser Vorfälle in Berührung gekommen seid. Vor allem Kindesmissbrauch ist eine unvorstellbar grausame Tat. Beim Hilfeportal Sexueller Missbrauch erfahrt ihr, an wen ihr euch wenden könnt und wie die nächsten Schritte aussehen. In jedem der genannten Fälle würde ich euch zum Gesetz raten, beispielsweise zu einer Anzeige. Das kommt jedoch auf euch an – wollt ihr das intern klären oder eine externe Institution hinzuholen? Geht auch zu einer psychologischen Beratung in eurer Nähe, die gibt es in Schulen, Universitäten, Kliniken, Verbänden usw. Letztendlich ist es ein sehr individueller Weg, den ihr dabei gehen müsst.

Schlusswort

So leid es mir tut, das nun zu sagen: Eure Familie wird immer Teil von euch sein. Oder wie es so schön heißt: Blut ist dicker als Wasser. Natürlich könnt ihr einen klaren Cut setzen und jeglichen Kontakt abbrechen. Aber die Familie prägt uns von Geburt an, vermittelt uns Werte und trägt (unbewusst) ihren Teil dazu dabei, dass wir uns in der gesellschaftlichen Ordnung bewegen.

Ich bin kein Elternteil, kann mir aber vorstellen, dass es schwierig sein muss, die Kontrolle über sein Kind abzugeben. Gute Eltern tun dies von Beginn an: Sie erziehen ihre Kinder zu selbstbewussten Menschen, um ihnen später ein möglichst sorgenfreies Leben zu ermöglichen. Auch wenn dies bedeutet, dass man Diskussionen auf Augenhöhe führt, seine Schützlinge frühzeitig ziehen lässt und sie selbstlos in allen Entscheidungen unterstützt. Wenn sie dann gerne wiederkommen, bedeutet dies, dass die Eltern einen guten Job gemacht haben.

Aber wer von uns hat schon die Weisheit mit dem Löffel gefressen? Denkt immer daran, dass es für Kinder keine Gebrauchsanleitung gibt und eure Eltern ihre eigenen Probleme haben oder hatten. Dies erklärt manche Verhaltensweisen, rechtfertigen diese jedoch nicht (vor allem keine Vorfälle aus dem vorhergehenden Abschnitt!)

Schlusssatz: Bei Konfliktpotenzial innerhalb der Familie solltet ihr Toleranz und Geduld wahren und die Beziehung auf eine oberflächliche Ebene verlegen.

Habt ihr noch weitere Tipps für mehr Harmonie in der Familie?

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