Überraschungen? Nein, danke!

Weihnachten naht und die Spannung steigt. Freunde haben plötzlich Geheimnisse, raschelnde Geschenktüten verschwinden im Kleiderschrank und Laptops werden erschrocken zugeklappt. Und wehe, man wagt es, Nachfragen zu stellen: „Dann ist es doch keine Überraschung mehr!“ – Genau, dann wäre es keine Überraschung mehr. Die kann ich nämlich nicht leiden. Warum bestehen trotzdem so viele darauf, das Risiko Überraschungsgeschenk einzugehen?

Auch außerhalb der Weihnachtszeit male ich mir angedeutete Überraschungen meist als Horrorszenario aus. In den meisten Fällen schwant mir Übles, wenn ich z. B. mitbekomme, dass der Partner eine Reise plant oder wenn er gar spontan mit zwei Eintrittskarten für ein Event am selben Abend vor der Tür steht (ein Hoch auf´s Single-Dasein). Oder wenn Oma kurz vor Weihnachten anmerkt, sie habe etwas ganz Flottes zum Anziehen besorgt. Warum mich sofort ein ungutes Gefühl beschleicht? Ich könnte ja darauf vertrauen, dass mir die Reise oder die Kleidung gefällt. Kann ich aber leider nicht. Ich glaube, das Stichwort für mein Problem mit Überraschungsgeschenken lautet Kontrolle.  Ich plane viel und möchte selbst entscheiden, was ich anziehe oder was ich mit anderen unternehme und vor allem, wann (als ob man sich z. B. am „Überraschungsabend“ nichts anderes vorgenommen hätte!).

Zum Glück gibt es Ausnahmen. Bei sehr nahestehenden und mir ähnlichen Menschen gewinnt mein Vertrauen gegen den Kontrollzwang und Gelassenheit gegen ungeduldige Zweifel. Zum Beispiel läuft der Geschenkeaustausch zwischen Siri und mir schon immer reibungslos. Wir geben uns einfach Wunschlisten, aus denen sich die andere etwas raussuchen kann, und legen ein Budget fest. Alternative oder zusätzliche Geschenke gehen auch, aber nur, weil wir uns gut kennen. Wir wissen eben voneinander, dass wir Lavendelduft in Kosmetika hassen oder nichts mit Romanen von John Green anfangen können, obwohl sie im Bestseller-Regal stehen. Woher sollen andere das wissen? Also bitte, liebe wohlwollenden Nachbarn oder schenkwütigen Kollegen, vermeidet die Risiken und Nebenwirkungen von Überraschungsgeschenken!

Überraschungen
Kennt ihr diese klischeehaften oder überteuerten Geschenke, die oft nur dazu dienen, den Schenkenden großzügig wirken zu lassen (Bildquelle: Pixabay)?

Kampf um den weltbesten Schenker

Warum schwingen sich viele trotzdem zum individuellen Geschenkemacher auf? Manchmal habe ich den Eindruck, als sei Weihnachten ein Wettbewerb um den weltbesten Schenker. Und dabei geht es nicht einmal darum, den Beschenkten nicht enttäuschen zu wollen. Nein, vielmehr möchten die generösen Schenker möglichst gut dastehen, nicht nur vor dem Adressaten ihrer Gaben, sondern am besten vor allen Anwesenden. Bloß kein Gutschein, der auf Ideenlosigkeit schließen lässt. Bloß keine langweiligen Pralinen oder Wein, die unbeachtet unter Geschenkpapierhäufen verschwinden. Eine absolute Überraschung, ein vermeintlicher Knüller muss her. Dass dieser im Alltag oft keine Verwendung finden wird, ist dem beifallheischenden Geschenkemacher egal. Auch der Wettkampf um das teuerste Geschenk nervt mich. Wenn ich schon seit Wochen mit dem Zaunpfahl winke, dass Geschenke im kleinen Stil ausreichen und an Heiligabend dementsprechend einen Schal überreiche, finde ich es brüskierend, wenn der andere mir – Überraschung! – gönnerhaft eine teure Kette umlegt. Kann man sich denn nicht ans Budget halten? Und müssen es außerdem oft Klischee-Geschenke sein, die im seltensten Fall gefallen? Wer unbedingt beweisen will, dass er den größten Geldbeutel hat, soll seine Scheine lieber sinnvoll spenden.

All I want for christmas…

Mein Wunsch für Weihnachten ist, dass sich weniger Leute zum originellsten Schenker in ihrem Umfeld berufen fühlen, sondern dass sie lieber mal ihrem Gegenüber zuhören. Dass sie schenken, um anderen eine Freude zu machen, nicht um etwas zu beweisen. Und dass Geschenke nicht bedeuten müssen, dass man das Rad neu erfindet. Beispielsweise halte ich Gutscheine nicht für ein No Go, sondern eher eine respektvolle Geste von Personen, die mich nicht in- und auswendig kennen, nach dem Motto: „Ich weiß nicht genau, welche Bücher du magst, aber ich habe gehört, dass du gerne liest – such dir was aus!“ Alles in allem hätte ich also gerne ein bisschen mehr Absprache und ein bisschen weniger Ich-bin-toll-Show zu Weihnachten. Vielleicht geht dieser Wunsch ja 2017 in Erfüllung.

Wie geht ihr mit bevorstehenden Überraschungen um? Seid ihr für Geschenk-Absprachen? Zweifelt ihr manchmal an den Absichten des Schenkenden?

3 Antworten auf „Überraschungen? Nein, danke!

  1. Ich sage auch immer gerne, was mir gefällt und ich bin eigentlich immer sehr zufrieden, weil die Leute meine Hinweise verstehen. Und meine Freunde wissen auch wie sie mir eine Freude bereiten. Ich verschenke am liebsten Kleinigkeiten mit einer netten Karte. Es sollte unbedingt persönlich sein. Das finde ich sehr wichtig und ich gebe mir bei meinen Geschenken dann auch Mühe. Zeit ist hierbei nur immer ein Problem, denn ich neige hier zu Perfektionismus und überlege gern ewig herum… ;)

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    1. Das hört sich nach einem entspannten Geschenkeaustausch an! :) Wie gesagt habe ich bei weniger gut bekannten Menschen nichts dagegen, wenn sie mir einfach einen Gutschein schenken, bevor sie mit einem unnützen Geschenk um die Ecke kommen – aber bei Freunden sind persönliche Beigaben oder eine Karte eine schöne Geste. Dir noch ein schönes Adventswochenende!

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