Buchrezension „Max“

Diese Buchrezension zu „Max“ von Markus Orths ist keine gewöhnliche – sie ist die (natürlich spoilerfreie) Rezension meines neuen Lieblingsbuches!

Darum geht’s

Kennt ihr den Künstler Max Ernst? Nein? Nicht schlimm, mir fehlte es vor dem Lesen dieses Romans ebenfalls an Allgemeinbildung. Ups. Dies ist jedenfalls seine Geschichte. Jedoch keine Autobiographie oder schnöde, chronologische Abhandlung von Daten, sondern ein Kunstwerk für sich. In sechs Abschnitten plus Vorwort wird Max Ernsts Leben aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet. Das Besondere dabei: Jeder dieser Abschnitte ist einer bedeutungsvollen Frau in Max‘ Leben gewidmet. Sie heißen Lou Straus-Ernst, Gala(paul) Éluard, Marie-Berthe Aurenche, Leonora Carrington, Peggy Guggenheim und Dorothea Tanning und spielten jeweils eine besondere Rolle in seinem Leben. Die Leser erfahren auch viel zeitgeschichtlichen Hintergrund, da Max zwei Weltkriege, kräftezehrende Fluchten und vieles mehr erlebt hat. Und immer war er am Arbeiten.

Buchrezension Max (2)
Der zuständige Grafiker des Hanser Verlags hat die drei Buchstaben zunächst auf Leinwand gemalt und dann abfotografiert. Wie findet ihr es?

Stil und Dramaturgie

Ich kann nicht mal annährend beschreiben, wie großartig Autor Markus Orths die Sprache arrangiert hat. Jede Figur, jeder Dialog, jeder Brief: grandios. Der Schriftsteller verrät in einem Interview, dass Max Ernsts Leben bereits so ereignisreich war, dass er sich ganz auf die Ausgestaltung der Sprache und der Dramaturgie konzentrieren konnte. Und das ist ihm wahrlich meisterhaft gelungen. Die Leser sehen Max nämlich nicht nur aus einer auktorialen Perspektive, sondern einen Großteil des Buches auch aus den Augen anderer: seinen Frauen und künstlerischen Freunden (sagen euch Paul Éluard, Hans Arp oder Marcel Duchamp etwas?). So wird man beim Lesen automatisch in die verschiedenen Figuren und deren Geschichten hineingezogen. Damit ihr mich nun nicht für verschroben haltet, lasse ich hier den Text anhand von Zitaten für sich selbst sprechen:

  • Die ersten Sätze des Buches: „Max schleppte Bilder zum Wagen. Eins nach dem anderen wuchtete er auf den Anhänger. Sein nackter Oberkörper: ölig vom Schweiß.“ (S. 7)
  • Hier wird die Liebelei von drei Personen sprachlich aufgenommen: „Drei Herzen in jeder Brust. Als sei Paul in Gala geschlüpft. Und Paulgala in Max. Und Paulgalamax: ein einziger Mensch.“ (S. 126)
  • An dieser Stelle schafft Max Ernst sein Alter Ego Loplop: „Wir müssen die Hand abschlagen vom Arm, damit die Hand endlich zur echten Hand wird und nicht mehr am Arm baumelt wie ein Zwickwerkzeug, das nur dem Kopf gehorcht, das nur am Tropf des Kopfes hängt.“ (S. 210) Es ist wirklich herzergreifend, woher der Name „Loplop“ kommt – erfahrt ihr alles im Buch!
  • Eine Szene, in der Max weint: „Er schob die zwei vorderen Tränen mit den Fingern in die Augen zurück und arretierte sie dort. Klick. Klick.“ (S. 510)
Buchrezension Max (8)
Auch unter der Schutzhülle ein Schmuckstück!

Bewertung

Wie eingangs erwähnt, ist „Max“ mein neues Lieblingsbuch. Ich möchte es am liebsten ganz klein falten und täglich mit mir herumschleppen, immer bereit, einen schnellen Blick in die zerfledderte Ausgabe zu werfen. Ich verstehe nichts von Kunst und kannte weder Max Ernst genauer noch die geschichtlichen Aspekte dieser Zeit. Aber das muss man für „Max“ auch nicht. Ich finde die Dramaturgie ganz wunderbar aufgezogen und liebe die Sprache, die Markus Orths so passend eingesetzt hat. Er versteht es, unpassende Vergleiche anzustellen, die doch ganz wunderbar zusammenpassen. Er mixt Oberflächlichkeit und Tiefe und das genau im richten Maß. Ich mochte Max, hasste Max, liebte Max als Figur im Roman. In diesem Buch gibt es verrückte Menschen, tragische Schicksale und inspirierende Kunst in einem. Deshalb vergebe ich 5 goldene Bücher:

5 bücher gold

Bibliographische Daten

  • Titel: Max
  • Autor: Markus Orths
  • Verlag: Carl Hanser Verlag
  • Ausstattung: Hardcover mit Schutzumschlag und Lesebändchen
  • ISBN: 9783446256491
  • Erschienen: 21.08.2017
  • Preis: 24 € (D), 24,70 € (A)

Wer mehr über „Max“  erfahren und ein Interview mit Markus Orths sowie eine Leseprobe lesen möchte, kann sich bei der Leserunde auf LovelyBooks erkundigen. Hier kommt ihr zum Buch auf der Verlagsseite. Das Buch habe ich bei einer LovelyBooks-Verlosung gewonnen, was jedoch keinerlei Auswirkung auf die Bewertung hat.