Bücherhelden

Wovon hängt es eigentlich ab, ob wir ein Buch mögen oder nicht? Ich würde sagen, der Protagonist spielt hier im wahrsten Sinne die Hauptrolle. Manche lieben den klassischen Fantasy-Hero, andere lachen über eigenbrötlerische Kommissare oder leiden mit unglücklichen Jugendbuchfiguren. Welchen Bücherhelden würdet ihr am liebsten begleiten?

 

Mein Held aus Tinte und Papier sollte folgendermaßen sein:

  • Weiblich: Ich mag Frauen als Protagonisten meist lieber als Männer, weil man sich mit ihnen identifizieren kann.
  • Einzelgänger: Introvertierte Helden mit wenigen guten Freunden finde ich sympathischer als z.B. die Mädchencliquen-Anführerin oder den geselligen Dorfbewohner.
  • Kämpfernatur: Die Protagonistin hat es vielleicht nicht leicht im Leben, nimmt aber alle Hürden mit Tapferkeit, Bescheidenheit und Geistesgegenwart. Bloß kein Gejammer oder Selbstmitleid!
  • Harte Schale, weicher Kern: Ein perfekter Held ist aber auch irgendwo langweilig. Ideal ist es also, wenn ab und zu die Schwächen durchscheinen (z.B. Stolz, Sturheit oder ein körperliches Handicap).
  • Multitalent: Ich finde es super, wenn der Held eine besondere Fähigkeit hat, z.B. Magie, Kampfkunst oder eine Geheimsprache. Noch besser, wenn er diese an einer Art Schule oder bei einem alten Lehrmeister ausbaut!
  • Wandlungsfähigkeit: Helden sollten sich weiterentwickeln.
  • Loyalität: Egal ob der Protagonist zu den Guten oder Bösen gehört, er sollte Prinzipien und Ideale haben und für seine Freunde oder sein Volk kämpfen.
  • Optik: Ist das oberflächlich, wenn ich attraktive Helden lieber mag? 😉

Warum ich diese Art von Charakter favorisiere? Sie inspiriert mich und dient mir als Vorbild. Natürlich gibt es Ausnahmen, die man trotz oder gerade wegen ihrer Ecken und Kanten lieben lernt. Ich denke z.B. an den querschnittsgelähmten Ermittler Lincoln Rhyme aus den Thrillern von Jeffery Deaver, der nach außen zynisch und emotionslos scheint, aber das Herz am rechten Fleck hat und immer wieder seine Genialität unter Beweis stellt.

Von Jammerlappen und Waldbewohnern

Ich möchte nichts von Muttersöhnchen oder Angebern als Helden lesen (außer das ändert sich im Laufe der Geschichte). Ob ich Beispiele für solche unsympathischen Helden habe? Werfen wir doch mal einen lästerfreudigen Blick ins Bücherregal:

  • Bella Swan aus der „Bis(s)“-Reihe (Stephenie Meyer): Auch wenn ich als Teenager ein Twilight-Fan war – die entrückte, unemanzipierte und dazu schusselige Heulsuse geht wirklich gar nicht!
  • Robin in „Schwertläufer“ (Jan Peter Andres): Ein verwöhnter Student, der es gerne bequem hat und der sehr tollpatschig ist. Wer kann eine solche Figur ernst nehmen? Zum Glück sind oft die Nebencharaktere (wie Boffo bei „Schwertläufer“) die eigentlichen Helden.
  • Rose und Lissa aus „Vampire Academy“ (Richelle Mead): Habt ihr euch die beiden auch wie Max und Caroline von „2 Broke Girls“ vorgestellt? Ich konnte weder mit der schwachen Lissa aus adeligem Hause noch mit der extrovertierten, rotzfrechen Rose etwas anfangen.
  • Anastasia Steele aus „Shades of Grey“ (E. L. James): Schon wieder eine schutzbedürftige, triebgesteuerte Frau, die ihr Hirn über die kompletten drei Bände hinweg (ja, ich habe alle gelesen) ausschaltet und leider auch außerhalb des Christian-Grey-Spielzimmers ihre Selbstbestimmung nicht wiederfindet.
  • Lasnic in „Kalypto“ (Tom Jacuba): Der Fantasy-Roman hat mich zunächst durch den Handlungsstrang von Lasnic abgeschreckt. Wer will schon etwas von einem verrohten, ungepflegten Waldmann lesen, der ständig in Raserei verfällt und Fäkalsprache benutzt?
Buecherhelden
Mit Bücherhelden will ich mich identifizieren können, sie sollen am besten aber auch ein Vorbild sein (Quelle: Pixabay).

Meine Bücherhelden

Ich will Figuren lieber auf Augenhöhe begegnen oder sogar zu ihnen aufschauen. Wie könnten solche Helden konkret aussehen?

  • Jake Forrester aus „Squids“ (Leo Aldan): Der intelligente Forscher hat starke Prinzipien, behält immer einen kühlen Kopf und ist bedingungslos loyal gegenüber denen, die er liebt. Er ist eine Kämpfernatur mit Herz, die am Ende immer einen genialen Ausweg findet.
  • Tom Builder aus „Die Säulen der Erde“ (Ken Follett): Ein tapferer, bescheidener Held, der im 12. Jahrhundert seinen Lebenstraum von einer Kathedrale in Kingsbridge verwirklichen will und dabei immer wieder gegen Widersacher kämpfen muss.
  • Nihal aus „Die Drachenkämpferin“ (Licia Troisi), Eragon aus der gleichnamigen Reihe (Christopher Paolini) oder Arlen, Jardir und Inevera aus „Das Lied der Dunkelheit“ (Peter V. Brett): Diese klassischen Fantasyhelden entstammen ärmlichen Verhältnissen, werden von Rache oder anderen starken Beweggründen angetrieben und lernen auf ihrer abenteuerlichen Reise immer mehr über Magie und Kampfkunst. Ich liebe solche Geschichten!

Zum Glück sind Bücherhelden so verschieden und vielfältig, dass man immer wieder neue Lieblinge findet und eine Bindung zu ihnen aufbaut.

Mögt ihr lieber klassische Helden oder realistische Figuren als Protagonisten und warum? Wie sollten diese beschaffen sein?