Potatoes don’t party

Neulich bezeichnete mich eine Kommilitonin als Couch-Potato, nachdem ich ihr eröffnet habe, dass ich abends niemals weggehe und zu faul sei, mich dafür überhaupt umzuziehen. Die Wahl zwischen Schlafanzug und Partydress ist für mich nämlich eindeutig!

Der Duden definiert Couch-Potatoes so: „jemand, der sich nicht sportlich betätigt, sondern vorwiegend [fernsehend] auf der Couch sitzt oder liegt“.

Nun muss ich sagen, dass ich mich von der Aussage der Kommilitonin etwas beleidigt fühle. Erstens besitze ich keine Couch. Zweitens besitze ich keinen Fernseher. Drittens besitze ich Ansprüche an mich selbst, meine Zeit nicht derart zu verplempern. Viertens betätige ich mich sehr wohl sportlich! Ich verstehe allerdings, was sie damit durch die Blume ausdrücken wollte: „Warum zur Hölle bist zu faul zum Ausgehen und bleibst lieber zu Hause? Was ist los mit dir?“

Ehrlich gesagt, habe ich keine Ahnung, was mit mir los ist. Mal dies, mal jenes, aber eines bleibt immer konstant: Ich bin introvertiert. Ich liebe es, allein zu sein. Ich empfinde abendliches Ausgehen mit sozialer Interaktion als höchst erschöpfend. Warum sollte ich also meine Jogginghose gegen zu enge Jeans, meine Brille gegen zwickende Kontaktlinsen und die Heilerde-Gesichtsmaske gegen Make-up tauschen? Warum muss mein geliebter Jane Austen-Roman den banalen Gesprächen in einer lauten Bar weichen? Und was ist mit meiner ganz persönlichen Pyjamaparty, wenn die Black Eyed Peas mein Zimmerlein gemeinsam mit der Bloodhound Gang einheizen? Und überhaupt, käme dann mein Schlafrhythmus durcheinander! Von den Unkosten ganz zu schweigen, die für überteuerte Spesen aufzubringen sind.

Ich könnte jetzt ewig so weitermachen und euch von meinem unflexiblen Hirn erzählen. Vielleicht findet ihr mich jetzt seltsam. Kein Ding, das finde ich nämlich hin und wieder auch. Ich bin der Meinung, dass Menschen wie ich viel mehr akzeptiert werden sollten. Wir sind nicht uncool. Wir sind Ausgeh-Potatoes! Genauso wie es Couch-Potatoes, Bücher-Potatoes, Musik-Potatoes, Bildungs-Potatoes, Koch-Potatoes und viele weitere Kartoffelsorten gibt.

Meine Definition für Ausgeh-Potatoes würde dann so lauten: „jemand, der abends seine Wohnstätte nicht verlassen möchte, sondern vorwiegend alleine [in seiner Jogginghose] zu Hause bleibt“. Was haltet ihr davon?

Seid ihr auch ein Potato – wenn ja, was für einer? Habt ihr schon mal ähnliche Sprüche gehört, nur weil ihr nicht dem Gruppenzwang gefolgt seid?  

Zum Thema Außenseiter-Dasein könnt ihr auch gerne den alten Blogpost Mensa? Ungesund. Stoffbeutel? Unpraktisch. von mir lesen.