Jammern übers Gejammer

Den Jammertod sterbe ich gefühlt jede Woche. Nämlich immer dann, wenn mich meine Mitmenschen mit ihren Sorgen und Nöten volljammern. Ich verrate euch mal etwas: Jammern macht alles nur schlimmer!

Mein Umgang mit Gejammer ist denke ich ein Grund, weswegen ich nur wenig Freunde habe. Ich will nämlich nicht auf dieses sinnlose Schlechtreden eingehen! Und überhaupt will ich anderen nicht ständig auf die Nase binden, wie schlimm mir das Leben doch mitspielt. Wenn mich jemand explizit danach fragt, schon, aber von mir aus einfach losjammern? Ist das den Mitmenschen gegenüber fair? Finde ich nicht, weshalb ich diese Gespräche immer pragmatisch absterben lasse. Nach dem Jammertod folgt unweigerlicher der Gesprächstod.

Diese wahren Beispiele aus meinem Alltag bezeugen das:

  • Eine Bekannte beim Training des Sportvereins: „Ich will heim – heute habe ich gar keine Lust und es ist kalt!“„Dann geh’ doch.“ Alternativ: „Warum bist du dann überhaupt gekommen?“ Klar, dass sie mich erst sprachlos anstarrt und sich dann irritiert von mir abwendet. Manchmal kommen zuvor noch Rechtfertigungen, die die Stimmung noch mehr vermiesen „Na, weil ich mich doch nicht gut fühle!“ Okay, rede es dir nur weiter ein 🙂
  • Nach den Ferien:Oh man, die Ferien waren viel zu kurz und ich war nur zwei Wochen im Urlaub – ich will wieder Ferien! Uni/Schule ist scheiße.“„Ich hatte zwei Jobs und zwei Hausarbeiten parallel und gar keinen Urlaub.“ Auch dieses Gespräch habe ich erfolgreich abrupt beenden können. Ich hoffe ja, dass sich mein Gegenüber ein klitzekleines bisschen schämt, so abfällig von seinem Luxus zu reden.
  • In der Uni: „Meine Kurse liegen diesmal voll blöd, ich muss immer eine Stunde dazwischen warten.“„Ok, doof, ich kann meine Kurse nicht mal alle besuchen, weil sie parallel liegen. Interessiert an der Uni doch keinen und ändern können wir es auch nicht.“ Passt meinen Kommilitonen wohl auch nicht so ganz, woraufhin sie mich lieber nicht mehr in ihr Gejammer miteinbeziehen. Ist okay. Wirklich.
  • Auf der Arbeit: „Ich habe sooooo viel zu tun, jeder kommt mit etwas anderem und meine Blumen wollte ich auch noch gießen!“ – „Dann fange doch jetzt damit an?!“ Alternativ: „Blumengießen dauert doch nur eine Minute.“ Klar, dass die Kollegen das nicht hören wollen. Oder, ein Klassiker: „Oh nein, es ist erst halb vier! Die Zeit vergeht heute gar nicht.“ – „Ja, du musst es noch anderthalb Stunden bis fünf Uhr aushalten.“ Demotiviertes Schweigen im Büro. Ups!
  • Zuhause: „Oh Gott, ich habe Schnupfen … heute bleibe ich von der Arbeit daheim.“„Ich habe das ganze Jahr über Schnupfen, also stell’ dich nicht so an.“ Hier habe ich mich ebenfalls nicht beliebt gemacht …

Wie ihr an den Beispielen sehen könnt, halte ich nichts von Jammerei. Weder die Jammerer noch die Vollgejammerten haben etwas davon, außer dass erstere ihre Probleme bei ihren Mitmenschen abladen und zweitere sich dieser auch noch ungebeten annehmen müssen. Es wird also eine Win-Lose-Situation geschaffen. Deshalb möchte ich zwei Appelle an alle Jammerer da draußen richten:

  1. Wir sind nicht bei Wünsch-dir-was
  2. Schlimmer geht immer

Den Satz mit dem Wünsch-dir-was bringe ich tatsächlich oft, allerdings scheint ihn nie jemand zu verstehen. Damit meine ich ganz einfach, dass man die vorhandene Situation annehmen sollte, wie sie ist und dann das Beste draus machen. Wir können uns nicht einfach etwas anderes wünschen! Statt zu jammern, wie viel man zu tun hat, sollte man es einfach anpacken! Oder schon zuvor den Workflow ändern, damit es gar nicht erst so weit kommt. Vielleicht auch mal eine Raucherpause weniger am Tag einlegen? Auf jeden Fall etwas Konstruktives tun, denn klagen macht die Situation nur schlimmer und verschwendet zusätzlich Zeit.

Schlimmer geht immer ist auch so eine Phrase, die kaum jemand auf dem Schirm hat. Dabei steckt so viel in den drei Wörtern! Sie erzählen uns zum Beispiel, dass wir Demut haben sollen. Wir können ruhig zufrieden damit sein, dass es uns nicht schlimmer getroffen hat. In ihnen steckt auch, dass andere es meistens schlimmer haben als wir. Mal ehrlich, uns geht es doch gut, oder? Wir haben genügend zu essen und zu trinken, ausreichend medizinische Versorgung und einen Sozialstaat, der uns auffängt, falls etwas schiefgehen sollte. Außerdem finde ich Schlimmer geht immer motivierend. Es erdet uns erst mal und macht uns bewusst, dass sich unser Problem im Vergleich zu vielem anderen auf der großen weiten Welt lösen lässt. Na, jammerst du immer noch übers Blumengießen?

Was denkt ihr übers Jammern: geht schon ab und zu oder geht gar nicht? Wie geht ihr damit um, wenn ihr vollgejammert werdet? Welchen Sinn hat das Jammern für den Menschen?

Wer über zu wenig Zeit und Energie jammert, kann sich ja mal meine bisherigen „Effizient leben“-Beiträge zu den Themen Universität, Morgenroutine und Schlafdauer durchlesen 🙂