Warum ich nur Fantasy lese

Es gibt so viele tolle Bücher, die uns in andere Denkweisen entführen, etwas lehren und mit einem ehrfürchtigen „Wow!“ Am Ende zurücklassen. Keines davon kenne ich, da ich seit Jahren nur ein bestimmtes Genre lese. Fast schon Trivialliteratur. Was mich irgendwie ärgert.

Jugendbuch-Fantasy ist toll!

Generell liebe ich es, mit Hilfe von Büchern dem Alltag zu entfliehen und in andere Welten einzutauchen. Das kann ich mit keinem anderen Medium so gut. Damit sich mein Ausflug in die Parallelwelt auch lohnt, sollte sie möglichst andersartig, magisch und voller starker Helden sein, die ein oder andere Liebesgeschichte ist auch gern gesehen. Welches Herz schlägt nicht für Ron & Hermine, Eragon & Arya, Clary & Jace? Auf Drachen reiten, mit magischen Schwertern kämpfen und nachts im Wald gemeinsam leckere Eintöpfe am Lagerfeuer zu speisen klingt für mich nach mehr Spaß als in verstopften Zügen zu pendeln, den Kampf gegen überflüssige Pfunde zu verlieren und alleine am Schreibtisch vor der Heizung zu essen.

Mit magischen Elementen in belletristischen Romane kann ich jedoch gar nichts anfangen und auch klassische High Fantasy, in der sich Zwerge und Trolle abschlachten, sind trotzdem nicht mein Geschmack. Es müssen tatsächlich Jugendbücher ab 14 Jahren sein (Herr der Ringe und die Dämonen-Reihe von Peter V. Brett bilden die Ausnahme), die die Anwartschaft auf mein neues Lieblingsbuch besitzen.

Gründe gegen andere Bücher

Nun denkt ihr euch womöglich: „Was hat die denn für ein Problem – soll sie doch einfach mal ein anderes Buch ausprobieren! Es gibt Millionen guter Bücher.“ Gute Idee. Nur leider bin ich in dieser Hinsicht wohl ein feiger Schwächling. In unserer Realität gibt es so viel Leid, Krankheit und Probleme, vor denen ich entweder die Augen verschließe oder mich im schlimmsten Fall mit ihnen auseinandersetzen muss. Deshalb möchte ich nicht noch in eine Parallelwelt eintauchen, in der dies ununterbrochen thematisiert wird! Ich will nicht, dass John Green mir etwas über Krebs, Abschied und Tod erzählt. Oder in einem Thriller von Sebastian Fitzek gefangen werden, bei dem ich mich nachts nicht mehr auf die Toilette traue. Oder über zerrüttete Familien. Mit diesen Sachen stehen unsere Zeitungen voll, das brauche ich nicht noch in Büchern!

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Das Cover macht zwar was her, aber inhaltlich kann und will ich mit John Green nichts anfangen.

Es ist doch Freizeit!

Nun frage ich mich, ob ich nicht selbst entscheiden kann, wie ich meine Freizeit verbringe. Ich würde nämlich trotzdem gerne mal eine Ferrante lesen. Oder klassische Literatur. Aber wir müssen uns den ganzen Tag unliebsamen Regeln beugen und für unser Geld schuften – ist es mir dann nicht vergönnt, die schlimmsten Fantasy-Schmonzetten, die ich kriegen kann, zu lesen? Eigentlich ja schon. Ja, eigentlich. Aber warum habe ich diese Stimme im Hinterkopf, die mir ständig einflüstert: du musst mitreden können, du musst dich bilden, du musst offener sein, du musst anspruchsvoll sein, du musst … Ich muss. 24 Stunden am Tag muss ich irgendetwas. Ich muss gut schlafen, um perfekt zu funktionieren. Ich muss Leistung auf der Arbeit erbringen, um Geld zu bekommen. Ich muss Sport machen, um gesund zu bleiben. Ich muss essen, um nicht zu verhungern. Ich muss atmen, um zu leben. Muss ich dann wirklich noch John Greens Krebsgeschichte lesen?

Lest ihr auch nur ein bestimmtes Genre? Was denkt ihr über die Parallelwelten, in die wir durch Bücher gelangen? Und wo, glaubt ihr, kommt das „du musst“ her?