Mehr Selbstvertrauen!

Mit dem Selbstvertrauen ist es wie mit dem Schwimmen: Wir vertrauen auf diese Fähigkeit und doch sind wir unsicher, sobald wir vor einem unbekannten, tiefen See stehen. Erst sobald wir ihn näher erkunden, wird unser Mut größer. Aber wie bringen wir uns dazu, buchstäblich ins kalte Wasser zu springen?

Selbstvertrauen ist nicht angeboren. Es wächst mit Herausforderungen. Und bei jeder muss es von Neuem aufgebaut werden. Es gibt viele Bereiche, in denen mein Selbstvertrauen enorm gewachsen ist. Man könnte sagen, das sind Seen in meinem Leben, in denen ich schon viele Runden und Bahnen geschwommen bin. Erst mit Beiboot und Schwimmflügeln, später ganz allein auf Tauchgang. Beispielsweise bin ich zwar kein Fan von Vorträgen, kann mein Wissen vor Kollegen auf der Arbeit aber selbstsicher präsentieren. Oder ich weiß, dass mir Sprachenlernen relativ leicht fällt und schließe nich daher nicht der Panikmache vor einer Prüfung an. Eine Messe organisieren, eine Schwäche eingestehen, aus einer unglücklichen Beziehung ausbrechen? Kann ich! Wo gibt es bei euch Bereiche, in denen ihr auf eure Fähigkeiten und Stärken vertraut?

Auf zu neuen Ufern

Irgendwann tut sich dann wieder ein neuer Bereich im Leben auf. Man kann nicht erkennen, wo sich seine Ufer im Nebel verbergen. Man ist nicht sicher, ob die Kraft bis zur anderen Seite reicht – oder zumindest bis zu einer rettenden Boje. Jetzt könnte man verzweifelt am Ufer sitzen bleiben und sich denken: „Nein, ich werde da sicher nicht reinspringen, am Ende ertrinke ich!“ Dann wird man aber auch nie wissen, wie weit man gekommen wäre.

Um es konkreter zu machen: Ich fühle mich oft so, wenn ich einen neuen Text oder Blogpost im Kopf habe und nicht weiß, wie ich ihn am besten ausformuliere. Der fertig strukturierte Beitrag scheint in weiter Ferne zu liegen. Wenn ihr vor unbekannten Herausforderungen manchmal in die Knie zu gehen droht, rate ich euch: Legt einfach los! Denn ihr werdet den Bereich nicht allein mit den Augen abstecken können. Ihr müsst ihn erkunden mit allen Sinnen. Eure Bahnen ziehen und mal untertauchen. Ihr müsst vielleicht mal an Schlingpflanzen hängen bleiben oder die Wasserwacht rufen. Und ihr solltet die Freude am Pionierdasein zulassen, die die Unsicherheit wie von selbst verdrängt.

Selbstvertrauen
Ihr werdet nie abschätzen können, wie tief das Wasser ist, wenn ihr ängstlich am Ufer wartet. 😉

Leinen los

Für mich bedeutet das zum Beispiel: Ich fange einfach an zu schreiben, bevor irgendwelche Zweifel vorab mich ausbremsen können. Im Nachhinein kann man immer noch Passagen streichen oder den ganzen Text in den Untiefen des Laufwerks verschwinden lassen. 😉 Wichtig ist, den ersten Schritt zu tun! Mit folgenden Gedanken werdet ihr vielleicht auch den Mut finden, euren „unbekannten See“ zu erkunden:

  • Von Seepferdchen bis Freischwimmer: Schaut, was ihr in anderen Seen – äh, Bereichen – in eurem Leben schon geschafft habt. Warum sollte es jetzt anders sein?
  • Anker setzen: Das können Überzeugungen sein oder ein guter Freund, der euch ehrlich sagt, wo(für) ihr steht. So könnt ihr euch auf dem Weg zu neuen Ufern nicht selbst verlieren.
  • Land in Sicht: Rückblick gecheckt, Sicherung sitzt? Dann schaut nach vorne auf das, was ihr entdecken und erreichen könnt. Angst hat gegen Neugier, Motivation und Entschlossenheit keine Chance!

Selbstvertrauen nicht ohne Selbstwertgefühl

Und ein letzter Punkt: Nicht zu verwechseln mit Selbstvertrauen ist das Selbstwertgefühl. Oftmals stehen die beiden sogar in Konkurrenz zueinander. Denn wenn ich meinen Fähigkeiten vertraue, werde ich hohe Ansprüche an mich haben. Dann mute ich mir eventuell immer mehr zu. Das ist bis zu einem gewissen Grad förderlich, irgendwann kann es mich aber auch schwächen – wartet ihr schon auf den Vergleich mit dem guten alten See? Warum nicht: Wenn ihr euch nicht genügend wertschätzt, werdet ihr immer weiterschwimmen, obwohl ihr völlig erschöpft seid. Am Ende tut euch alles weh und ihr habt kaum neue Bereiche erschlossen. Lasst es nicht so weit kommen und gönnt euch genügend Zeit und Erholung. Vertraut auf euch selbst, aber mit einem gesunden Selbstwertgefühl!

Wie geht ihr mit unbekannten Bereichen in eurem Leben um? Wie bringt ihr euch dazu, den Mut zum Loslegen zu finden? Kennt ihr die Diskrepanz zwischen Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl?