Digitalisiertes Mediennutzungsverhalten

Ob Nachrichten rezipieren, Fernseh schauen, Serien ansehen, Bücher lesen oder Musik hören: Unser Mediennutzungsverhalten hat sich stark verändert. Ich bin selbst oft geflasht, wie selbstverständlich ich manche Konsumgewohnheiten angenommen habe. Lest und staunt selbst – entdeckt ihr euch darin wieder?

Nachrichten rezipieren

Früher: Als Schülerin haben mich vor allem Boulevard- und Sportthemen stark interessiert. Den Politik- und Wirtschaftsteil der lokalen Tageszeitungen habe ich nicht mal aufgeblättert, sondern das erste Buch (so heißen die einzelnen, losen Teile der Zeitungen in der Fachsprache) so wie es war genommen und ungelesen umgedreht. Etwa ein Jahr nach dem Abitur fing ich an, bei der örtlichen Tageszeitung zu arbeiten und las ab da jeden einzelnen Artikel mit regem Interesse.

Mediennutzungsverhalten
Fotos: Pixabay

Heute: Als Studentin leiste ich mir erstens kein gedrucktes Zeitungsabonnement und zweitens interessieren mich lokale Nachrichten kaum mehr. Nicht mal als vergünstigtes Epaper würde ich sie gerne lesen, mir ist es schlichtweg egal, welcher Lokaljournalist welche Perle an kleinbürgerlichen Straßensperrungsaffären im Rathaus ausgräbt. Oder seine Meinung dazu. Stattdessen bin ich der Kostenlos-Mentalität des Internets verfallen und verschlinge lieber politische Artikel der SZ- oder Spiegel Online-App. Allgemein regt mich am Journalismus oft auf, dass er zu subjektiv ist (Objektivität lässt sich niemals zu 100% erreichen, aber dazu schreibe ich mal einen separaten Blogpost). Ich lese momentan also am liebsten nüchterne Berichte über frei zugängliche Nachrichtenapps um mir möglichst unvoreingenommen und kostenlos eine eigene Meinung bilden zu können.

Fernseh schauen

Früher: Wenn es sich ergab, hing ich als Kind heimlich stundenlang vor dem Fernseher ab und zog mir Animes rein (das hört sich jetzt cooler an als es war). Ab der Pubertät schaute ich allabendlich die RTL-Telenovelas, Serien wie „CSI: Miami“ und am Wochenende hirnverblödende Casting-Shows. Gegen Ende der Pubertät und bis vor zwei Jahren glotzte ich eigentlich jeden Abend ab 20 Uhr bis ich einschlief, vorzugsweise amerikanische Sitcoms, die ungefähr so lustig waren wie das verschimmelte Brot, welches ich neulich versehentlich aß – nämlich gar nicht.

Heute: Seitdem ich für das Studium ohne Fernseher weggezogen bin, schaue ich kein einziges TV-Format mehr, nicht mal in den Mediatheken. Ich habe das Gefühl, die ganzen Formate zu durchschauen, als sähe ich die Regisseure und Kameraleute vor mir, wie sie die Sendung Skripten und produzieren. Langweilig! Auch die Themenauswahl interessiert mich keinen Deut und die öffentlich-rechtlichen Sender habe ich noch nie wirklich geschaut (mir graust’s zum Beispiel vor dem „Tatort“). Wenn ich momentan etwas schaue, sind es Serien oder ab und zu YouTube, aber gewiss kein TV-Programm mehr.

Netflix

Serien ansehen

Früher: Als Kinder mussten wir jede Woche warten, bis eine neue Folge im TV ausgestrahlt wurde. Wenn deine Eltern cool waren, besaßen sie einen Videorekorder, mit dem sie deine Lieblingsserien aufgenommen hatten. Ein paar Jahre später kamen DVDs in Mode und die DVD-Player fanden Einzug in unsere Haushalte. Die kleinen Scheiben gibt es natürlich bis heute Staffel für Staffel im Handel zu kaufen – für nicht gerade wenig Moneten. Ein paar Jahre später kamen dann die Blu-Rays auf, welche dem Prinzip der normalen DVDs folgen (Lesetipp an dieser Stelle: Filme oder Serien?).

Heute: Netflix. Die Netflix-App mit Download-Möglichkeiten hat mein Leben revolutioniert. Ohne Witz! Ich lade mir morgens mittels WLAN einfach ein paar Folgen meiner aktuellen Serie runter und schaue sie beim Zugfahren. Stundenlang, egal, wohin ich pendle oder reise (leider wird mir dabei vom Lesen schlecht, Stichwort Reiseübelkeit). Wenn ich irgendwo warten muss: ich schaue Netflix. Abends mit dem Handy im Bett: ich schaue Netflix. Alleine in der Wüste, ohne Empfang und Strom: ich schaue einfach Netflix.

Bücher lesen

Früher: Einmal im Monat habe ich die örtliche Stadtbücherei geplündert und alles gelesen, was mir in die Hände fiel. Vieles auch bis zu sechsmal, wie etwa die Harry Potter-Bände. Ab und zu kaufte ich mir auch Bücher in der Buchhandlung oder bekam welche zum Geburtstag geschenkt.

Mediennutzungsverhalten_

Heute: Ich besitze einen geliehenen eBook-Reader, den ich manchmal für Gewinne von lovelybooks (unsere Namen lauten dort übrigens Siri_quergetipptblog und oromis23, falls sich jemand connecten möchte – wir würden uns freuen!) benötige. Ab und an schleicht sich aus Kostengründen tatsächlich auch ein gekauftes eBook drauf. Ansonsten erlebe ich derzeit oft Spontankäufe zu Themen der Persönlichkeitsentwicklung. Ich lese insgesamt sehr viel weniger Bücher, dafür (leider!) mehr Social Media-Inhalte auf dem Handy. 

Musik hören

Früher: Als ich ein Kind war, besaß ich nur Kassetten, die ich über ein Radio oder meinen knallroten Walkman gehört habe. Ein paar Jährchen später kamen die CDs auf und ich wünschte mir einen coolen Discman (meine Lieblings-CD war übrigens die mit den Soundtracks von Pokémon), hatte aber auch ein Gerät, das Kassetten, CDs UND Radio konnte! Kaum zu glauben, oder? In der Pubertät kaufte ich mir für einen großen Batzen Geld einen iPod und hörte fortan darüber Musik (Lesetipp: Musik im Trott der Trends?).

walkman

Heute: Ich gebe zu, dass ich keine Ahnung von den ganzen Streaming-Diensten wie Spotify & Co. habe. Was auch daran liegen mag, dass Musik in meinem Leben kaum eine Rolle spielt und nur der Unterbrechung von Langeweile beim Duschen oder Putzen dient. Dazu lasse ich einfach YouTube über den Laptop laufen und gut ist. Aber ich bin nicht ganz von gestern (oder doch?) und habe mir sogar über iTunes schon Alben gekauft und auf mein Handy geladen 😀 Allerdings ist es mir beim langweiligen Gehen (z.B. zur Uni) zu sinnlos, nur Musik zu hören, weshalb ich mir jetzt immer Hörbücher draufpacke.

Wie sieht euer (digitalisiertes) Mediennutzungsverhalten in den einzelnen Bereichen aus? Wo habt ihr euer Verhalten am meisten geändert? Was findet ihr praktischer und was schade im Vergleich zu früher? Gibt’s hier vielleicht Leser, die aus einer noch frühreren Generation stammen und uns berichten können? Ich bin super gespannt auf eure Erfahrungen!