Verein – ja oder nein?

Manche Hobbies würde ich gerne mal wieder mit anderen zusammen ausüben. Okay, beim Schreiben oder Lesen klappt das nicht wirklich. Aber bei Sport? Da wäre ein Verein doch ideal, um sich zusammen mit anderen in einem Bereich weiterzuentwickeln. Allerdings gibt es auch Gruppen, die einen irgendwann nur noch nerven.  Wie sollte also der perfekte Verein gestaltet sein? Diskutiert mit!

Vorneweg: Mit Verein meine ich hier nicht den e. V. im Sinne einer gemeinnützigen Institution (dazu zählen ja z. B. auch Tierschutzorganisationen), sondern den in der Alltagssprache so bezeichneten Interessenverband, in dem man sein Hobby zusammen mit anderen auslebt. Unten aufgeführte Namen sind frei erfunden.

Der Horror-Verein

Wer von euch schon mal in einem Musik-, Kunst-, Literatur- oder (wohl am weitesten verbreitet) Sportverein war oder ist, kennt sicher das Szenario. Nach der Schule oder Arbeit hat man manchmal eigentlich keine Lust auf das Training (im Folgenden beliebig zu ersetzen mit Probe oder Stammtisch). Man würde nicht hingehen – wäre da nicht die WhatsApp-Nachricht vom Trainer/Vorsitzenden: „Kommst du heute?“– die freie Entscheidung hätte sich damit wohl erledigt. Denn eine offene Frage ist das meistens nicht wirklich. Wer nicht zum Training oder gar zum Wettbewerb oder zur Aufführung kommt, wird von den fleißigen Vereinsmeiern oft geächtet. Von aufziehenden Kommentaren, die vielleicht noch witzig sind, bis hin zu empörten Forderungen nach Strafgeld für die Kaffeekasse – alles schon gehört.

Wie läuft ein Training im Horror-Verein ab? Man begrüßt die anderen, wärmt sich auf, im besten Fall freut man sich auf die Stunde, im schlechtesten ist man wegen obiger Nachricht da. Und dann sind da noch die speziellen Kandidaten, die es wahrscheinlich in jedem Verein gibt. Da wäre Paul, 37, der Besserwisser, der sofort angeschossen kommt, wenn man für sich selbst üben möchte, und Verbesserungstipps parat hat (selber kann er es natürlich NICHT besser). Für Kritik bin ich generell dankbar, aber nicht, wenn sie nur der Profilierung des Gegenübers dient. Ist man dann gerade schon am Diskutieren, gesellt sich gerne noch Gudrun, 63, dazu, die mehr Wert auf Klatsch und Tratsch als auf die eigentliche Vereinssache legt. Okay, Neuigkeiten Austauschen ist ja ganz nett, aber nach drei Minuten Drama um ihre neulich verdorrten Balkonpflanzen will man wirklich mal train… oh, welches matte „Hi“ hinter dem Rücken saugt einem denn jetzt die Energie aus? Es stammt natürlich von Regenwetter-Gesicht Stefanie, 18, die nie Lust auf´s Training hat, vorher ausgiebig mault und als gekonnter Energieräuber pure Demotivation verbreitet. Liebe Stefanies der gepflegten Vereinskultur, bleibt doch einfach zu Hause, wenn ihr keine Lust habt! Und ist man allen Pauls, Gudruns und Stefanies erfolgreich ausgewichen, hatte im besten Fall Spaß am Training und freut sich auf das Zusammensitzen danach oder einfach auf Zuhause, wer kommt dann ziemlich sicher auf einen zu? Richtig, Klaus, 49, der engagierte Vorzeigebürger des Vereins, der „einfach mal so frei“ war, einen für´s Kuchenbuffet (optional: Heckenschneiden, Kinderschminken) beim Sommerfest am Samstag einzutragen. Juhu. Kein Wunder, dass im Zeitalter, in dem Individualität und Selbstverwirklichung groß geschrieben werden, immer weniger lokale Vereine bestehen.

Verein
Immer alleine trainieren ist doof. Trotzdem will ich mich nicht immer verpflichten. Gehört ihr einem Verein an und wenn ja, wie eingebunden seid ihr dort?

Der Ideal-Verein

Bevor ich euch jetzt vorkomme wie der arrogante Außenseiter: Grundsätzlich freue ich mich über den Austausch mit anderen vor und nach dem Training. Und ich helfe auch gerne mal bei Vorbereitungen für Aufführungen oder Feste mit. Nur soll das auf freiwilliger Basis geschehen. Schauen wir uns doch mal den Ideal-Verein an: Hier übe ich zusammen mit anderen mein Lieblingshobby aus und lerne immer wieder etwas Neues dazu. Und wenn ich mal keine Lust habe oder verhindert bin, bin ich beim nächsten Training immer noch willkommen. Jeder übt für sich selbst (okay, bei Mannschafts- oder Teamdisziplinen funktioniert das natürlich nicht), kann dabei zusammen mit anderen trainieren und lernt voneinander. Man kennt sich, der Umgang ist persönlich und locker. Nach dem Training sitzt man ab und zu bei ein paar Snacks oder einem Bier zusammen und tauscht sich aus – nicht über Banalitäten, sondern über Themen aus dem Vereinsbereich (z.B. vergangene Prüfungen, schwierige Techniken oder bekannte Vorbilder). Regelmäßig besteht die Möglichkeit, sich auf gemeinsamen Lehrgängen (oder Probetagen) oder Ausflügen am Wochenende, vielleicht sogar bei einem sommerlichen Trainingscamp im Ausland, weiterzuentwickeln.

Alternativen zum Verein?

Wer keine Lust auf eine eher kleine, persönliche Gemeinschaft hat, der kann für sein Hobby profitorientierte Institutionen (z. B. Musikschulen, Fitnessstudios, Kunstworkshops) besuchen. Mir persönlich wäre das neben den meist deutlich höheren Preisen aber doch eine Spur zu anonym. Denn trotz der Pauls und Gudruns schätze ich Vereine als persönliche, kleine Gemeinschaft vor Ort. Wenn  ich mal wieder etwas mehr Zeit zur Verfügung habe, hoffe ich auf einen Verein mit wenigen Verbindlichkeiten und dafür umso mehr Inspiration und Zusammenhalt!

Habt ihr schon Erfahrungen mit Horror-Vereinen gemacht oder seid ihr in einer Art Ideal-Verein? Oder bevorzugt ihr alternative Institutionen für die Ausübung eures Hobbys?