Kreativität auf Knopfdruck?

Handlettering, Kochkünste, Ausdruckstanz – Kreativität ist in. Ich finde es toll, dass wir im Zeitalter der Selbstbestimmung tun können, was uns gefällt! Trotzdem gibt es Tage, an denen ich gehemmt vor Word sitze oder die Ausübung eines neuen Hobbies lieber vor mir herschiebe mit dem misstrauisch-ängstlichen Stimmchen „Ach, vielleicht lieber doch nicht…“ in mir. Kann ich mich überhaupt als kreativ bezeichnen? Was ist Kreativität eigentlich?

Jeder ist kreativ – und das mindestens dreifach!

Bei meiner Recherche stieß ich auf ein Modell vom Psychologen Prof. Arne Dietrich, der in seinem Buch „How creativity works in the brain“  die Kreativität in verschiedene Bereiche einteilt.

Kreativität
Es gibt laut Dietrich vier Bereiche, inwiefern sich Kreativität äußern kann.

Die genaue Definition könnt ihr in diesem Artikel vom Bloggerratgeber „Blogsheet“ nachlesen.

Wie könnten konkrete Situationen dazu aussehen?

  • Willentlich-kognitive Kreativität

„Seit Abschluss meines Studiums arbeite ich als Entwickler im Bereich der Bewegungstherapie, in dem mir einige Mängel aufgefallen sind. Ich habe eine völlig neue Idee für ein neues Therapiegerät und arbeite Tag und Nacht daran, diese Erfindung auszuarbeiten.“

  • Willentlich-emotionale Kreativität

„Jahrelang hatte ich Angst davor, mein bequemes Leben zu ändern, oft scheiterten meine Versuche. Doch eines Tages erkannte ich, wie furchtbar unglücklich ich mit meinem Ehepartner, meinem Job und dem Wohnort war. Ich brach alles ab und folgte der Idee, ein Start-up zu gründen und auf´s Land zu ziehen.“

  • Spontan-kognitive Kreativität

„Ich brauche unbedingt eine Lösung für das Problem, das mir der Chef aufgezeigt hat. Puh, erstmal eine Pause einlegen und dann werde… Moment mal, ich hab DIE Idee!“

  • Spontan-emotionale Kreativität

„Sieh dir diesen wunderschönen Sonnenuntergang an – wo ist mein Skizzenblock?“

Erwiesen wurde, dass nur die spontan-emotionale Kreativität in den Genen angelegt ist, z.B. bei Künstlern oder Musikern. Alle anderen drei Formen der Kreativität sind bei uns zwar mehr oder weniger stark ausgeprägt, doch wir können alle darauf zurückgreifen. Aber wie hängt Kreativität denn eigentlich mit anderen Merkmalen zusammen?

Mehr als kreativ: typische Eigenschaften

Im Duden gibt es das Wort „Kreativität“ mit der primären Bedeutung „schöpferische Kraft“ erst seit 1973 – es muss also ja davor andere Begriffe gegeben haben, die kreativen Menschen zugewiesen wurden. Werfen wir also mal einen Blick in die Wissenschaft: Der Kreativitätsforscher Paul Guilford hat im 19. Jahrhundert herausgefunden, dass divergentes Denken das wesentliche Kriterium für Kreativität ist, d.h. dass man für ein unklares Problem mehrere Lösungsmöglichkeiten ersinnt (im Gegensatz zu konvergentem Denken, bei dem man eine genaue Lösung für ein klares Problem findet). Guilfords abstrakte Merkmale würde ich konkret so formulieren:

  1. Problemsensitivität: „Ich erkenne, dass ein Problem besteht und wo es liegt.“
  2. Flüssigkeit des Denkens: „Ich habe permanent viele neue Ideen.“
  3. Flexibilität: „Ich verlasse ausgetretene Denkpfade und entwickle neue Sichtweisen.“
  4. Vermögen der Neudefinition: „Bekannte Tatsachen wende ich neu an – zur Not improvisiere ich!“
  5. Originalität: „Meine Ideen sind neuartig und durchaus ungewöhnlich.“

Wer es genauer wissen will – hier geht es zu einem Artikel über wissenschaftliche Erkenntnisse von Guilford und weiteren Wissenschaftlern zum Thema Kreativität.

Könnt ihr euch mit Guilfords Merkmalen identifizieren? Oder gelten sie zumindest für manche Bereiche eures Lebens? Wenn ich an Studium, Arbeit oder Hobbies denke, würde ich mich tatsächlich als kreativ bezeichnen. Außer etwas hemmt mich – was mich zum nächsten Punkt bringt.

Kreativität
Manchmal sind unsere Ängste vor Misserfolg, Ablehnung oder Fehlern völlig unbegründet – und dennoch vorhanden.

Defensiv statt kreativ?

Bleibt nur noch die Frage, warum ich oft nicht mal anfange, etwas Kreatives zu tun. Autorin Heike Thormann hat sich auf ihrer Webseite mit dem Thema auseinandergesetzt. Wie ich es schon vermutet hatte, ist Kreativität zu HABEN die eine Seite – sie AUSZULEBEN die andere. Kennt ihr Gedanken wie: „Was, wenn andere meinen Text blöd finden?“ – „Ich brauche gar nicht erst zu malen beginnen, das konnte ich noch nie!“ – „Also wenn ich zu fotografieren anfange, brauche ich erstmal eine teure Kamera und einen aufwändigen Kurs!“ Geht es euch manchmal so, dass die Angst vor Misserfolg, nicht-konstruktiver Kritik oder auch eure zu hohen Ansprüche eure Kreativität im Keim ersticken? Laut Thormann sind unter anderem Mut, Selbstvertrauen und Motivation nötig, um die innere Kreativität auch ausleben zu können.

Fazit

Wie unter anderem der Psychologe Dietrich oder der Forscher Guilford bewiesen haben: Wir alle haben Bereiche in unserem Leben und Potential in uns selbst, um Kreativität auszuleben! Kreativität ist menschlich – Angst und Perfektionismus ebenso. Ich habe mal wieder eine Baustelle gefunden, die ich optimistisch beackern will. Wir sollten uns alle wohl öfters mal ein Herz fassen und einfach loslegen. In diesem Sinne: Just do it! 😉

Was versteht ihr unter Kreativität und inwiefern würdet ihr euch die Eigenschaft selbst zuschreiben? Wo seid ihr gehemmt, eure kreative Seite auszuleben?