Der perfekte Praktikant

Gute Mitarbeiter werden seltener gekündigt, erhalten mehr Freiraum und bekommen eher Karrierechancen angeboten. Weil die Bildungsinstitutionen uns zwar mit Algebra und Chemie quälen, aber kaum auf’s Arbeitsleben im Büro vorbereiten, möchte ich diese Lücke für euch schließen: Wie wird man eigentlich zum perfekten Mitarbeiter? In Teil 1 geht es um nützliche Praktikanten.

Viele von euch sind Schüler oder Studierende, die beruflich vor der ein oder anderen Entscheidung stehen. Ja, Pflichtpraktika sind meist unbezahlt und überhaupt muss man dafür aus seiner Komfortzone kriechen. Oft wird man auch noch wie der Depp vom Dienst behandelt. Alles gemeinhin bekannt. Aber einem guten Praktikanten werden in der Regel auch bessere Aufgaben als Rechnungen zu kopieren aufgetragen und anschließend in manchen Fällen sogar ein fester Job oder eine Werkstudentenstelle angeboten.

Hilfsbereitschaft: Bietet so oft wie möglich eure Hilfe an (aber nicht zu aufdringlich). Selbst, wenn ihr keinen Bock auf die Aufgabe habt, zeigt ihr zumindest guten Willen. Wenn ihr jemanden seht, der Akten herumschleppt, fragt die Person, ob sie Hilfe benötigt. Antwortet ihr auf eine Mail, fügt doch den Satz „Für Anmerkungen und weitere Aufgaben bin ich offen!“ an. Oder lasst im Gespräch doch mal ein „Wenn du Hilfe brauchst, weißt du ja, wo ich sitze“ fallen. Ihr werdet positiv im Gedächtnis bleiben!

Professionalität: Sollte es euer erstes Praktikum in einem Büro sein, beobachtet ganz genau eure Kollegen. Wie sind die Formalitäten per Mail, wann wird wo Mittagspause gemacht, wird zwischendrin gequatscht, wird der/die Chef/in gesiezt, wird laut gelacht oder leise geflüstert, wie melden sie sich am Telefon, begrüßt man am Morgen die ganze Abteilung, wo kommt das dreckige Geschirr hin, welche Kleidung wird bevorzugt getragen usw. Ich würde auch erst mal nichts Privates von mir erzählen, solange die anderen auch nur Small Talk machen oder über die Arbeit sprechen (ist mir eigentlich am liebsten). Und NIEMALS lästern! Passt euch also an und geht bitte, bitte nicht davon aus, dass ihr eine Extrawurst bekommt, solange niemand etwas sagt. Ich habe mal mit einer Praktikantin zusammengearbeitet, die jeden Tag um 15 Uhr statt 17 Uhr nach Hause wollte („Es ist so schönes Wetter!“). Hachja, da fallen mir noch ganz viele negative Beispiele ein…

Fragen: Fragen kostet nichts, aber ich finde, dass es sehr wohl dumme Fragen gibt, die oft nur aus Faulheit gestellt werden. Wonach ihr aber sehr wohl fragen solltet, sind Workflows, Zuständigkeiten der Mitarbeiter usw. Mit einem „Wie läuft das denn normalerweise ab?“ müssen die Kollegen euch umfassend erklären, wer wie an diesem Arbeitsschritt beteiligt ist und ihr bekommt gleich ein Verständnis für die Firma. Ein lockeres „Was macht ihr denn immer in der Pause?“ bricht zum Beispiel gleich das Eis und bringt euch später nicht in Verlegenheit, versehentlich etwas Seltsames zu tun 🙂

Aufgaben: Ihr solltet immer irgendeine Aufgabe haben und wenn nicht, solange fragen, bis ihr eine bekommt. Bitte surft nicht im Internet oder starrt Löcher in die Luft (alles schon erlebt!), sondern bietet Hilfe an, sucht euch Aufgaben (und wenn es nur Aktensortieren ist!) und erledigt diese freundlich. So kann euch im Nachhinein keiner was ankreiden, im Gegenteil, ihr steigt in der Achtung, wenn ihr auch beim größten Mist ein Lächeln zeigt. Ihr seid quasi ein lernbereiter Roboter, der seine Arbeitskraft SELBSTLOS in den Dienst des Unternehmens stellt. Oft vergessen die Kollegen auch, dass ihr keine eigenen Bereiche habt, die ihr betreut, sondern auf sie angewiesen seid. Ich habe mir außerdem angewöhnt, bei jeder Aufgabe nachzufragen, bis wann sie erledigt sein soll.

Wie sind eure bisherigen Praktika verlaufen? Sind euch schon einige der Fehler passiert, die ich genannt habe?