Bist du dumm?

Diese flapsige Frage stelle ich tatsächlich ab und zu. Entweder direkt adressiert – kleine Geschwister sind die Empfänger meiner Wahl -, im Geiste an Mitmenschen oder an mich selbst. Die wenigsten antworten darauf mit „Ja, bin ich“, womit meine Genugtuung leider nicht genährt wird 🙂 Aber Spaß beiseite: Ab wann ist man eigentlich dumm und sind Schlaue wirklich die besseren Menschen?

Einfaches Label

Jemanden als dumm abzustempeln, ist leicht und bedarf in unserer Gesellschaft keiner Argumente. Schlechte Noten? Dumm. Falsche Entscheidung? Dumm. Andere Meinung? Dumm. Und wenn gar nichts mehr hilft, packen wir einfach den „der/die ist halt schon dumm auf die Welt gekommen“ aus. Stimmt. Denn niemand kann sich seinen Intelligenzquotienten aussuchen. Der übrigens nur ein vom Mensch geschaffenes Maß ist.

Mich nervt am meisten, dass Intelligenz offiziell immer an Schulnoten gemessen wird. Schon nach der 4. Klasse wird selektiert, auf welche Schule man zu gehen hat: die „Schlauen“ ins Gymnasium, die „Dummen“ auf die Gesamtschule, der Rest Realschule. In den Schulerfolg spielen einfach unendlich viele Faktoren mit rein! Und wenn wir ehrlich sind, hacken wir auch nach der Schulzeit gerne auf anderen rum. Jemand trifft zum Beispiel eine falsche Entscheidung, sagen wir, er/sie kauft sich eine Immobilie und gerät in eine Schuldenfalle. Wahrscheinlich war die Person schlecht informiert oder ist durch eine Verkettung von Vorfällen hineingeraten. Ist er/sie deshalb dumm? Oder auch bei den ganzen politischen Parteien, die unterschiedliche Meinungen vertreten: „ABC-Wähler sind dumm!“, worauf die ABC-Partei den Ball mit „Die CDE-Politiker der Regierung sind doch die Dummen!“ weiterspielt. Fazit: Scheinbar sind wir alle etwas dumm, wenn man sich gegenseitig Glauben schenken darf. Zugeben will es natürlich keiner.

Definition von „dumm“

Da wir mit dem Wort so inflationär umgehen, sollten wir uns vielleicht mal die Definition im Duden ansehen:

  • nicht klug; von schwacher, nicht zureichender Intelligenz
  • in seinem Verhalten, Tun wenig Überlegung zeigend; unklug
  • (umgangssprachlich) töricht, albern
  • (umgangssprachlich) in ärgerlicher Weise unangenehm; fatal

Dumm ist man also dann, wenn man wenig nachdenkt und anderen damit unangenehm zur Last fällt. Genau das verstehe ich auch unter Dummheit.

Jeder von uns hat ja irgendwo Defizite. Sei es im emotionalen Bereich, im Allgemeinwissen, in der Selbstwahrnehmung, im Sprachgebrauch, in der Schule, im Umgang mit Geld usw. Deshalb ist ja nicht gleich der ganze Mensch dumm. Doch warum unterscheiden wir dann noch nach dumm und schlau? Ich glaube, die als schlau Bezeichneten unter uns verstehen es einfach, ihre Defizite weitgehend auszumerzen. Und da liegt auch der Kern, was für mich Dummheit bedeutet: Sich nämlich seiner eigenen Fehler bewusst zu sein und nichts daran zu ändern! Ein erster Schritt ist, sein eigenes Verhalten zu reflektieren. Das tun leider extrem wenige Menschen – Leute, denkt doch mal drüber nach, wie ihr auf andere und eure Umwelt einwirkt, ob ihr Umstände verursacht und wie ihr in Zukunft zu besseren Menschen werdet!

Synonyme Dummheit
Quelle: Online Duden

Ich zum Beispiel habe Defizite im Umgang mit anderen Leuten. Ich weiß das und suche mir, je nach Umfeld, meist Vorbilder, von denen ich mir etwas abschauen kann. So werde ich in diesem Bereich „schlauer“, auch wenn ich wahrscheinlich immer nur Mittelmaß bleiben werde. Dann gibt es aber auch die, die ihren Blick nicht öffnen und auf ihren dadurch beschränkten Horizont beharren. Sehr unangenehme Zeitgenossen, meist sind sie von Frust getrieben gegen alles und jeden, auch sich selbst. Sie ergötzen sich am Leid anderer und verweigern jegliche Beschäftigung mit sich selbst und dem eigenen Verhalten. Vermutlich verdrängen sie bewusst die Ursache ihrer Verbitterung und wissen, dass sie sich fehlverhalten. Das finde ich nun wirklich dumm!

Prinzipiell denke ich jedoch, dass jeder von uns „dumme“ und „schlaue“ Züge in sich trägt, sodass man andere gar nicht im Gesamtpaket als dumm oder schlau labeln kann. Viel mehr kommt es doch darauf an, wie wir miteinander und unserer Umwelt agieren, ob wir gütig, großzügig, großherzig und offen oder verbohrt, verbittert, geizig, stur und gehässig sind. Wen interessieren da noch Schulnoten? Und so zu sein, kann jeder für sich selbst entscheiden, egal, was der IQ sagt!

Exkurs: Ich bin dumm!

Und zu guter Letzt möchte ich hier etwas äußerst Befreiendes rausplärren: Ja, ich bin dumm! Ich bin dumm, weil ich Naturwissenschaften nicht kapiere. Ich bin dumm, weil ich soziales Miteinander teilweise nicht verstehe. Ich bin dumm, weil ich null mit Kindern jeglichen Alters umgehen kann. Ich bin dumm, weil ich immer alle Dan Brown-Bücher verwechsle. Ich bin dumm, weil ich angeschimmelte Erdbeeren trotzdem noch esse, nur weil sie teuer waren. Ich bin dumm und kaufe mir manchmal Markensachen, obwohl ich es besser weiß. Ich bin dumm, weil ich es nie schaffe, mich wettergerecht anzuziehen. Ich bin dumm, weil ich mir nie genau merken kann, wo welche Länder liegen. Aber wisst ihr was? Diese Dummheiten machen uns zu dem, was wir sind: Menschen. Ersetzt doch in diesem Absatz mal spaßeshalber das „dumm“ durch „menschlich“. Klingt gar nicht so dumm, oder?

Wie steht ihr zu „Dummheit“ – gibt es dumme und schlaue Menschen? Kann oder darf man andere einfach so labeln? Und worin seid ihr dumm?

Mehr grenzenlose Dummheit findet ihr übrigens in unserer neunteiligen Reihe Dumm&Dümmer, in der wir euch von unseren dümmsten Missgeschicken erzählen: