Du stellst Ansprüche!

„Da geht noch mehr!“, denke ich in den verschiedensten Bereichen im Leben und überfordere mich mit meinen Ansprüchen oft selbst. Darum habe ich mich mal gefragt: Woher kommen diese Ansprüche eigentlich? Und wie kann man trotz (oder wegen) ihnen glücklich werden? Wenn ihr auch zu denjenigen gehört, die (zu) viel von sich erwarten, diskutiert gerne mit!

Abseits von Studium, Arbeit und Haushalt will ich Blogbeiträge schreiben, ein Fitness-Programm durchziehen, Bücher lesen, Rezepte ausprobieren, verreisen, Handlettering üben, an meinen menschlichen Schwächen arbeiten und so weiter. Sobald ich ein Zwischenziel abgehakt habe, ist schon das nächste da. Mir geht es nicht um Perfektion (davon bin ich sowieso weit entfernt 😀 ), sondern um den ständigen Input von Wissen, Fähigkeiten und Erlebnissen, damit ich mich gefordert und ausgelastet fühle. Wenn ich über längere Zeit stagniere, bin ich unzufrieden und das finde ich schlimmer als Überforderung. Kennt ihr das? Warum ist das eigentlich so?

Woher kommen die Ansprüche?

Zum einen gibt uns die Gesellschaft Ziele für unser Leben vor. Schulabschluss, Beruf, Haus und Kinder – ihr wisst schon. Welche davon man für sich annimmt, kann man in der heutigen Zeit zum Glück oft selbst entscheiden. Die größte Erwartungshaltung an uns haben meist wir selbst. Sobald wir erwachsen sind, setzen wir in vielen Bereichen eigene Maßstäbe und erweitern unseren Horizont, soweit wir eben wollen. Wie weit, das hängt oft vom früheren Umfeld ab. Die ältere Generation kann sich typischerweise weniger mit Selbstverwirklichung oder einem flexiblen Lebenslauf identifizieren, was sich teilweise auf uns überträgt. Nichtsdestotrotz haben wir mehr Freiheiten und dürfen uns all der Möglichkeiten für unsere Zukunft bewusst sein.

Die Quelle unserer Ansprüche ist wohl so eine Mischung aus positivem Bedürfnis („Ich will Zeichnen lernen!“) und Selbstdisziplin („Hast du heute schon Sport gemacht?“). Manche Menschen scheinen weniger davon zu haben. Sie sind auf den ersten Blick zufrieden, wenn sie z. B. eine passable Anstellung haben, ein Häuschen für Frau und Kind kaufen und am Wochenende mit den Nachbarn im Garten grillen können. Ich meine das keineswegs negativ, denn das genügsame Verweilen diesseits des berühmten „Tellerrands“ kann auch Sicherheit vermitteln.

Ansprüche
Manche Menschen bleiben bei ihren Wurzeln, andere greifen nach den Sternen (okay, das klingt ziemlich kitschig 😉 ).

Die Real Life-Version der Sims

Diese Menschen kommen mir ein bisschen vor wie die Sims (kennt ihr das PC- bzw. Konsolenspiel?). Je mehr ihrer Wünsche erfüllt werden, umso besser geht es ihnen – und das reicht ihnen für den Moment, bevor irgendwann ein neuer Wunsch aufploppt. Der Haken: Sobald man diese Sims nicht mehr aktiv versorgt, verfassen sie nicht etwa einen Roman, besuchen eine Kunstausstellung oder trainieren für einen Marathon. Nein, sie laufen unschlüssig zwischen Kühlschrank, Fernseher und Bett im Kreis und widmen sich passivem Konsum, bis ihnen eine Aufgabe oder Beschäftigung zugeteilt wird. Kein Sim hat von selbst höhere Ansprüche an seine Zukunft. Kommt euch das bekannt vor, wenn ihr das mit manchen aus dem „Real Life“ vergleicht?

Man fragt sich ja oft: Sind Menschen mit weniger Ansprüchen zufriedener? Gegenfrage: Ist es nicht irrelevant für´s Glücklichsein, ob jemand höhere oder niedrige Ansprüche hat und geht es nicht vielmehr darum, nicht unter seinen eigenen Erwartungen zurückzubleiben? Ein anspruchsvoller Mensch mit zu hoch gesteckten Zielen ist schließlich genauso unglücklich wie ein vermeintlich genügsamer, der seine inneren Sehnsüchte aus Bequemlichkeit oder Angst unterdrückt.

Anspruchsvoll und (trotzdem) glücklich?

Viele Menschen äußern Sätze wie „Ich wollte eigentlich studieren“, „Irgendwann will ich mal nach Asien reisen“ oder „Ölmalerei wollte ich auch schon so oft ausprobieren!“, erfinden aber unzählige Ausreden, um sich nicht mühsamerweise um die Realisierung ihrer Wünsche kümmern zu müssen. Dabei könnten sie viel mehr, als sie sich zutrauen.

Ich denke, wer sich mutig neuen Herausforderungen stellt, statt sich kleinzuhalten und wer sich verwirklicht, statt sich immer nur einzuordnen, der entwickelt sich weiter und das ist ein guter Weg in Richtung Glück, diesem abstrakten Ziel von uns allen. Dabei sollte man sich Etappenziele setzen und darf bei deren Erreichen auch mal stolz und zufrieden sein, bevor man sich auf das Nächste konzentriert. Habt ihr eine Idee, wie man diese kurzen Erfolgsmomente zu einem zufriedenen Dauerzustand ausweiten kann?

Stellt ihr manchmal auch (zu) hohe Ansprüche an euch? Wünscht ihr euch, geringere Erwartungen zu haben oder würdet ihr euren Horizont trotz gelegentlicher Überforderung nicht aufgeben wollen? Wie haltet ihr das innere Gleichgewicht?