Adiós, Sprachen-Mainstream

Good morning, Buenos Días und Bonjour! Na, habt ihr bei dieser Begrüßung alles verstanden? War ja auch nicht schwer. Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch – nahezu jeder von uns kann sich in mindestens zwei dieser Sprachen verständigen. Wir auch und trotzdem möchten wir euch heute zwei Sprachen abseits des europäischen Mainstreams vorstellen: Indonesisch und Schwedisch!

Twitterumfrage

Vor kurzem haben wir zum Thema Sprachen lernen auch eine Twitter-Umfrage (ihr findet uns dort unter @quergetipptblog) durchgeführt, in der wir gefragt haben, welche Sprache ihr gerade aktiv lernt. Das (nicht repräsentative) Ergebnis ist so ausgefallen, wie wir es geahnt hatten: 80% der Befragten lernen gerade Englisch, Französisch, Spanisch und/oder Italienisch, 13% immerhin eine asiatische Sprache und 7% widmen sich einer skandinavischen Sprache.

Klar ist, dass uns Sprachen oft in der Schule vorgegeben werden. Fran und ich haben an unserem Gymnasium zum Beispiel Englisch, Latein, Französisch und Spanisch gelernt – langweilig. Ist irgendwie immer dasselbe. Dagegen fühlt sich meine Uni wie das reinste Sprachparadies an: Von Russisch über Chinesisch bis Portugiesisch ist echt viel Auswahl dabei. Wo sonst kann man Thai oder Vietnamesisch lernen? Und wo genau liegen diese Länder überhaupt? 🙂

Bahasa Indonesia

Ich habe mich vor einem Jahr dazu entschieden, Indonesisch (bahasa=Sprache) an der Uni zu lernen. Dies ist eine regionale Ausprägung der malaiischen Sprache, zu der auch Malaysisch gehört. Gesprochen wird Indonesisch offiziell in Indonesien sowie Osttimor. Malaysisch und Indonesisch gleichen sich etwa zu 80% und werden kumuliert von etwa 200 Millionen Menschen gesprochen. Indonesien war lange Zeit eine niederländische Kolonie, was sich auf den Sprachgebrauch ausgewirkt hat. Zum Beispiel wird in dieser Sprache das lateinische Alphabet verwendet, Schriftzeichen, wie im Chinesischen oder Japanischen, gibt es keine.

Adios Sprachen-Mainstream
Gemüse auf dem pasar tradisional (traditionellen Markt).

Manche Buchstaben werden trotzdem anders als im Deutschen ausgesprochen, aber prinzipiell spricht man so, wie man schreibt. Das Beste an dieser Sprache finde ich jedoch, dass es keine verschiedenen Tempusformen der Verben gibt: keine Vergangenheit- und Futurformen! Die Verben werden allgemein nicht konjugiert, sondern bleiben im Infinitiv.

Beispiel:

Saya makan roti. = Ich esse Brot.
(saya=ich (höflich), makan=essen, roti=Brot)

Kamu makan roti kemarin? = Hast du gestern Brot gegessen?
(Kamu=du (familiär), kemarin=gestern)

Sari akan makan roti dengan teman-teman Ratih. = Sari wird mit Ratihs Freunden Brot essen.
(akan=werden, dengan=mit, teman=Freund/in)

Orang = Mensch
Orang-orang = Menschen

Wie ihr seht, werden Substantive durch eine Wiederholung mit Bindestrich in den Plural gesetzt. Witzig, oder? Adjektive und Possessivpronomen werden hinter die Substantive gestellt, Artikel wie im Deutschen gibt es nicht.

Orang Jakarta = Einwohner Jakartas
Teman saya = mein/e Freund/in
Teman lucu (sprich: lutschu) = lustige/r Freund/in

Das Niederländische ist irgendwo auch mit dem Deutschen verwandt und so fällt es mir als deutscher Muttersprachlerin nicht schwer, Indonesisch zu lernen. Ich finde die Sprache sogar noch einfacher als die romanischen Sprachen (z.B. Spanisch, Französisch), was ihr an den obengenannten Beispielen sicher erkennen könnt. Lediglich Vokabeln müssen fleißig gelernt werden, aber das ist ja in jeder Sprache so.

 

 

 

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Wenn ihr also eine Sprache abseits des romanischen Mainstreams lernen wollt, kann ich euch Indonesisch wirklich ans Herz legen! Auch Kultur, Natur und Kulinarik des Inselstaates sind sehr spannend und vielfältig, weshalb sich das Lernen meiner Meinung nach wirklich lohnt. Und eine asiatische Sprache macht sich auch in der Bewerbungsmappe gut, oder? 🙂

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Das feuchte Klima in Indonesien begünstigt tropisches Pflanzenwachstum.

 

Talar du svenska?

Vom tropischen Indonesien reisen wir nun in den hohen Norden nach Schweden. Ich habe Schwedisch als verpflichtendes Wahlfach an der Fh belegt und in wenigen Monaten bereits viel von der Sprache mitnehmen können. Zunächst ein paar kurze Fakten zu Land und Leuten: Das schwedische Königreich ist riesig und bietet verschiedenste Regionen (von den typisch roten Häuschen à la Bullerbü in Småland bis hin zu den wilden Schneelandschaften mit Elchen und Nordlichtern im nördlichen Lappland). Schweden ist bekannt für Mode und Design (man denke an die großen Mode- und Möbelketten), für Musik (z.B. ABBA) und Bücher von Astrid Lindgren. Kulinarisch gibt es natürlich nicht nur Köttbullar. Typisch schwedisch sind z. B. zahlreiche Fischgerichte, das berühmte Knäckebrot, das Smörgåsbord (ein kaltes Festtagsbuffet mit verschiedenen Fisch- und Fleischgerichten) und das Nationalgebäck, die Zimtschnecke („kanelbulle“). Lecker, oder? 🙂

 

 

 

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Bilderquelle: Pixabay

Der Umgang unter Schweden ist unkonventionell (alle duzen sich, eine Sie-Form gibt es außer für die Königin nicht), aber sehr höflich. Dazu gehört, dass Einheimische ausländische Touristen meist auf Englisch anreden, da sie einen nicht in Verlegenheit bringen möchten. Zudem wird sich in fast jedem Satz bedankt („Tack!“) und auf Fragen gibt man wie im Englischen Kurzantworten.

Hört man zum ersten Mal Schwedisch, erinnert das an einen Mix aus Englisch, Deutsch und etwas völlig Fremdem. Das liegt vor allem an der ganz eigenen Aussprache – die je nach Region auch noch voneinander abweicht. Grundsätzlich werden einige Vokale „eine Stufe tiefer“ ausgesprochen als im Deutschen, viele Endungen bleiben stumm und bei längeren Worten wird jede Silbe gleich stark betont. Beispiel: Die beliebten Köttbullar aus dem Möbelhaus werden in etwa „Schöttbüllor“ ausgesprochen.

Ansonsten ist Schwedisch zu Beginn aber relativ leicht, denn viele Wörter ähneln dem Englischen oder Deutschen und die Satzstellung funktioniert gleich.

Beispiele:

en lärare – ein Lehrer; en bokstav – ein Buchstabe; en föreställning – eine Vorstellung
God morgon! – Guten Morgen!
Vi går sällan på restaurang. – Wir gehen selten ins Restaurant.

Es gibt keine Verbkonjugation, was das Sprechen noch einfacher macht. Die Zeiten werden vom Prinzip wie im Englischen gebildet, z.B. gibt es eine Art Simple Past („Preteritum“) und Present Perfect („presens perfekt“). Sogar die unregelmäßigen Formen ähneln sich:

Beispiel:

Englisch: You drink – You drank – You have drunk
Schwedisch: Du dricker – Du drack – Du har druckit

Gewöhnungsbedürftig sind die Artikel. Außer wenn sie unbestimmt und im Singular sind, hängt man sie nämlich immer hinten ans Wort an.

Beispiel:

en bokstav – ein Buchstabe
bokstaven – der Buchstabe
bokstäver – Buchstaben
bokstäverna – die Buchstaben

Zum Schluss habe ich noch ein paar Fun Facts für euch: Manche Wörter aus dem Schwedischen kann man nicht wirklich übersetzen. So ist ein „Sambo“ ein fester Partner, mit dem zusammenwohnt. Mit dem „Särbo“ ist man zusammen, wohnt aber getrennt. Ein „Mambo“ ist dagegen ein Muttersöhnchen, das noch zu Hause wohnt. Was ihr vielleicht schon gehört habt: „Mor“ ist die Mutter, „Mormor“ die Mutter der Mutter (also die Großmutter mütterlicherseits) und „Gammelmormor“ die Urgroßmutter mütterlicherseits. 😉

Habt ihr Lust bekommen, Indonesisch oder Schwedisch zu lernen? Oder sprecht ihr vielleicht schon eine eher ungewöhnliche Sprache? Erzählt uns davon!