Das Horrorprojekt

Im Zuge eines extrem aufwändigen Uniprojekts sollen wir ein Produkt erstellen, wofür wir nur sehr wenig Punkte erhalten. Dementsprechend hoch könnt ihr euch meine Motivation vorstellen, denn nebenbei warten natürlich noch die Teilnahme an weiteren Seminaren, andere Projekte, Hausarbeiten, Prüfungen und zu guter Letzt der Nebenjob. Freizeit? Fehlanzeige. Warum es dabei fast zu Nervenzusammenbrüchen kam? Erzähle ich euch hier.

Eine Sache vorab: Dieser Beitrag dient nicht dazu, über die Gruppenmitglieder zu lästern, sondern soll meine subjektive Ansicht der Gruppenarbeit zeigen. Vielleicht kommen die anderen insgeheim auch nicht mit meiner Arbeitsweise klar? Davon völlig unabhängig ist auch, ob ich außerhalb dieses Projekts Sympathien für die Personen hege oder nicht.

***Update am Ende des Beitrags!***

Während des Kurses kam es zwingendermaßen zur Bildung von Projektgruppen. Normalerweise ist es doch so, dass wir alle versuchen, mit möglichst wenig bis normal viel Energie und Aufwand unsere Ziele zu erreichen. Niemand sagt sich „Ich habe so viel Energie übrig, die verpulvere ich jetzt in diesem Projekt!“. Da habe ich mich wohl geirrt.

Als ich gleich zu Beginn angemerkt habe, dass ich nicht bereit sei, so viel Aufwand für so wenig Leistungspunkte zu betreiben, wurde ich von den anderen Mitgliedern in die faule-Student-Schiene gesteckt. Tolle Grundlage für eine Gruppenarbeit. Zum Verständnis: Ich arbeite fleißig und ordentlich mit, damit das Produkt so gut wie möglich wird, weigere mich aber, Sinnloses zu tun. Meine Meinung zählte plötzlich nichts mehr, ich wurde ständig überstimmt und ALLE Vorschläge, die ich machte, wurden gnadenlos verworfen, obwohl sie teilweise dem Gruppenwohl dienten, denn wer möchte nicht effizient arbeiten? Meistens geschah dies auch noch in Wir-Form: „Wir finden…“. Aha. Nix mit Gleichberechtigung. Ich merkte dies nach einiger Zeit an und zog mich komplett aus der Projektplanung zurück, was den anderen aber auch nicht passte. Die Leistung war erwünscht, die Meinung nicht. Eine festgefahrene Situation.

Das leere Gefäß

Ich habe mich so über das Verhalten geärgert (und tue es heute noch, weshalb ich diese Zeilen schreibe) und brauchte sofort eine Pause. Unser Wochenendausflug nach Berchtesgaden hat mich wieder geerdet und entspannt. Ich habe alles aus dieser Projektgruppe akzeptiert. Ich wurde vollständig zum leeren Gefäß.

Die nächste Hürde ließ nicht lange auf sich warten: Die Arbeitsweise war meiner Meinung nach extrem chaotisch, umständlich, ineffizient, abseits der Pläne und unnötig aufwändig. Natürlich sieht die Gruppe das anders, Stichwort Subjektivität. Aber ich war ein leeres Gefäß, ich schaffte das.

Die Geduldsprobe

Irgendwann kam ich zu dem Schluss, dass dieses Projekt wohl eine Art Geduldsprobe für mich sein musste. Während ich diese Zeilen tippe, bin ich noch mitten in dieser Lektion. Und sie ist hart. Denn auch ein großes Maß an Akzeptanz und Arrangement mit anderen Arbeitsweisen wird mir abverlangt. Mit jeder neuen Nachricht auf dem Handy fühle ich, wie meine Energie abgesaugt wird. Ganz zu schweigen von den langen Wochenenden, die wir 24/7 schon miteinander verbrachten. Ich kehrte von diesen Treffen als halber Nervenzusammenbruch und Häufchen Elend zurück. Ich saß abends in meinem Zimmer und heulte. Ich wachte am nächsten Tag energielos und mit Kopfschmerzen aus. Mein Körper streikte. Aber was hätte ich tun sollen? Ich konnte weder den Kurs verlassen, noch die Gruppe wechseln oder gar irgendwie zu den Gruppenmitgliedern durchdringen, was ich oft genug versucht habe. Das leere Gefäß füllte sich mit Frust, Wut, Angst, Hass und Unberechenbarkeit.

Leider endet meine Geschichte hier, vielleicht werde ich sie nach Ende des Projekts updaten. Ich weiß nicht, wann sich das Gefäß wieder leeren wird oder ob es vielleicht aufgrund der unterdrückten Emotionen explodiert. Implodiert ist es leider schon mehrmals. Ein weiterer demotivierender Gedanke ist, dass dieses Projekt trotz unendlich verpulverter Energie nicht gut werden wird. Aber ich werde ja ständig überstimmt.

***Update nach Ende des Projekts***

Nachdem ich angekündigt hatte, dass ich zur Teamarbeit noch ein paar Worte sagen möchte, kam es zur zwischenmenschlichen Eskalation, bei der sich herausstellte, dass ein anderes Gruppenmitglied selbst viele Probleme am Hals hatte und diese wohl unterbewusst an mir ausgelassen hat. Das Mitglied hat sich umfassend entschuldigt und ich habe es sofort angenommen. Anschließend haben wir uns noch sehr lange und tiefschürfend über die Probleme unterhalten, weil ich früher exakt dieselben hatte. Ich weiß nicht, ob daraus eine Freundschaft werden wird, aber ich finde es schön, dass sich alles noch zum Guten gewendet hat und ich der Person etwas helfen konnte. Für mich habe ich gelernt, mit Menschen besser sofort zu kommunizieren, falls etwas nicht stimmt, statt dies monatelang in mich reinzufressen. Auch, nicht nachtragend zu sein, fällt mir immer leichter. Und dass ich natürlich nicht die einzige mit Problemen bin 🙂 Für die ineffiziente, chaotische Arbeit gab es keine Lösung. Ich glaube aber, würde man ein gemeinsames Projekt auf wirklich professioneller Ebene machen, könnte man den Workflow und die Deadlines so setzen, dass jede Arbeitsweise ihren Freiraum bekommt.

Hier lest ihr meine Beiträge zum Thema „Effizient leben“ und seht daran, wie qualvoll es für mich ist, derartig Zeit und Energie zu verschwenden:

Habt ihr schon einmal ähnliche Erfahrungen gemacht? Was ratet ihr mir? Wie kann ich mich psychisch besser schützen? Ist es legitim, andere Gruppenmitglieder zu derartiger Aufopferung zu zwingen?