Das richtige Haaröl

Wenn ihr gerne Haaröl benutzt, kennt ihr das Problem: Man kauft sich ein fertiges Fläschchen aus der Drogerie, zu Hause wendet man es gaaanz vorsichtig an – und sieht aus wie ein begossener Pudel mit Spaghetti-Locken. Warum gibt es Öle, die die Haare schön geschmeidig machen, während sie sich bei anderen sofort vollsaugen und glanzlos-fettig aussehen?

Das Geheimnis liegt in den Inhaltsstoffen von Ölen. Mit ein paar Grundkenntnissen und noch mehr Herumprobieren findet ihr garantiert euer Lieblingsöl. Ich bin natürlich kein Chemie-Experte, habe mich aber seit längerem in die Materie eingelesen und kann euch hoffentlich ein paar Tipps geben. Starten wir mit einer kleinen Theoriestunde:

Wie können Öle unterteilt werden?

Nicht trocknende, halb trocknende und trocknende Öle

Bei dieser Unterscheidung geht es um den Anteil der ungesättigten Fettsäuren (z. B. Linolsäure) im Öl. Es gilt: Je mehr davon enthalten sind, desto schneller trocknet (oder „verharzt“) das Öl. Nicht trocknende, oft als „schwer“ bezeichnete Öle eignen sich für trockene Haut bzw. trockenes Haar, während trocknende Öle als „leichter“ empfunden werden und fettige Haut oder feines Haar besonders gut pflegen.

Nicht trocknende Öle:
Anteil der ungesättigten Fettsäuren < 20 %
Tendenziell geeignet für: trockenes, dickes, krauses Haar, trockene oder strapazierte Kopfhaut
Beispiele: Olivenöl, Kokosöl, Sheabutter (sie ist eigentlich auch ein Öl), Rizinusöl

Halb trocknende Öle:
Anteil der ungesättigten Fettsäuren 20-50 %
Tendenziell geeignet für: „normales“ Haar, das weder trocken noch fein ist
Beispiele: Sesamöl,  Aprikosenkernöl

Trocknende Öle:
Anteil der ungesättigten Fettsäuren > 50%
Tendenziell geeignet für: feines Haar
Beispiele: Sonnenblumenöl, Traubenkernöl, Walnusskernöl, Leinöl, Arganöl, Distelöl

Das Öl eurer Wahl war nicht dabei? Hier findet ihr eine Übersicht über die bekanntesten Öle, ihre Eigenschaften, Anwendung und Wirkung.

Spreitverhalten

Kennt ihr auch den Effekt, wenn man Öl in die Haarspitzen gibt und sich kurz darauf auch die Längen vollsaugen? Das liegt am Spreitverhalten der Öle, also wie schnell es sich nach dem Auftragen auf der Haut (und so natürlich auch im Haar) von selbst ausbreitet. Wie genau das funktioniert? Ich habe ehrlich gesagt keine Ahnung, dazu muss man wohl Chemiker sein. Fakt ist, dass es niedrigspreitende Öle (z. B. Sheabutter), mittelspreitende (z.B. Avocadoöl) und hochspreitende (z. B. Kokosöl) gibt. Diese Randinfo kann man beim Durchtesten verschiedener Öle im Hinterkopf behalten.

Haaröl
Manche nicht trocknende Öle besitzen bei Zimmertemperatur eine eher feste Konsistenz – das sieht man am besten bei der Sheabutter links (aber auch z. B. bei Kokosöl). Jojobaöl rechts ist kein echtes Öl, aber ein tolles Wachs zum Pflegen. Einfach mal ausprobieren!

Probieren geht über Studieren

Und wie raffiniert, trocknend oder spreitend sind dann fertige Haaröl-Mischungen aus der Drogerie? Hier wird es natürlich schwierig mit der Abgrenzung. Wenn ihr also die Erfahrung gemacht habt, dass nicht alle Öle gleich gut auf eurem Haar wirken, empfehle ich euch, einzelne auszutesten. Mit ein bisschen Erfahrung könnt ihr dann die besten Eigenschaften verschiedener Öle kombinieren und eure individuelle Pflege zusammenmixen.

Wo ihr die Öle herbekommt? Viele findet ihr schon preisgünstig im Supermarkt. Weitere Anlaufstellen sind Bioläden, Reformhäuser, Apotheken oder Onlineshops wie Behawe. Wo kauft ihr euer Öl am liebsten?

Meine Erfahrungen mit Haaröl

Mein Haar ist in seiner Struktur sehr fein. Die Pflege mit Ölen hatte ich schon fast aufgegeben, weil ich einfach IMMER einen „Fetthelm“ bekam. Nicht trocknende Öle wie Olivenöl oder Kokosöl waren sogar so schwer, dass ich sie selbst mit Shampoo kaum wieder auswaschen konnte. Ich probierte weitere Öle aus (Fehlgriffe konnte man oft zum Kochen verwenden 🙂 ), las mich parallel in die Inhaltsstoffe ein und führte sogar eine Liste, welches Öl in welcher Weise als Kur, LOC oder Leave-In gewirkt hat. Mit der Zeit hat sich das stark trocknende Leinöl als mein Favorit herausgestellt, da es mein Haar nicht beschwert, sondern weich und glänzend macht, v.a. wenn ich es in meine LOC-Kur mische. Weitere Favoriten sind Brokkolisamenöl, Traubenkernöl und Jojobaöl (was strenggenommen kein Öl, sondern ein Wachs ist).

Wie sind eure Erfahrungen mit Ölen für die Haarpflege? Benutzt ihr gerne pure Öle oder greift ihr lieber auf fertige Mischungen zurück?

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