Uni oder Fh?

Ihr habt euch für ein Studium entschieden und schon einige Zusagen erhalten? Glückwunsch! Vielleicht sind unter den Zulassungsbescheiden ja sowohl Universitäten als auch Fhs* dabei. Dann steht ihr jetzt vor der Wahl: Uni oder Fh? Wir verraten euch aus eigener Erfahrung mit unserem jeweiligen Medienstudiengang (Siri an der Uni, Fran an einer Fh), wie es dort wirklich abläuft.

*Fachhochschulen (Fhs) heißen mittlerweile Hochschulen für angewandte Wissenschaften, wir werden aus Einfachheitsgründen hier allerdings teilweise die veraltete Kurzform verwenden.

Frans Erfahrung mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften

Was ihr wahrscheinlich schon wisst: An einer Fh könnt ihr auch mit Fach-Abi oder Fachwirt studieren, der Studien- und Stundenplan ist relativ fix, die Studierendenanzahl pro Studiengang eher klein (in meinem sind es ca. 80 Leute) und der Studiencharakter allgemein ist als praxisbezogen und berufsnah bekannt. Wer forschen oder promovieren will, ist hier fehl am Platz. Natürlich gibt es Gemeinsamkeiten mit der Uni. Auch hier gibt es Vorlesungen und meistens auch Hörsäle, eine Mensa, manchmal einen Campus, selten Anwesenheitspflicht und oftmals freie Freitage.

Was mir bei meiner Wahl zwischen Uni und Fh allerdings nicht so klar war: Der Unterschied in den Studieninhalten ist anscheinend wirklich fundamental. An der Fh zielt alles darauf ab, den Studenten die besten Kompetenzen für Berufsbilder in der Wirtschaft, Technik oder im sozialen Bereich zu vermitteln. Dies geschieht immer anwendungsbezogen. Zwar mussten wir schon Hausarbeiten nach wissenschaftlichen Rahmenbedingungen anfertigen, allerdings stand die korrekte Methodik dabei im Hintergrund – stattdessen fertigten wir sie im Team an! Etwa die Hälfte der Module in diesem Semester drehte sich bei mir um Teamwork, Projekte und Präsentationen. Die restlichen, theoretischen Fächer mit schriftlichen Prüfungen sind durchaus anspruchsvoll (ich denke z. B. an Statistik oder Finanzierung), haben aber mit Wissenschaft nichts zu tun. Eigenständige Literaturarbeit betreibt man nur für Hausarbeiten, nicht aber im normalen Vorlesungsprozess. Die Anwendung der Theorie auf konkrete Fälle spielt eine größere Rolle. Praktische Fertigkeiten wie Gestaltung, HTML-Formatierung, Videoschnitt, Radioproduktion, Fotographie oder Messeplanung gehören in meinem Studiengang als begleitende Projekte dazu.

Wie ich darüber denke: Praktische Fertigkeiten zu erlernen, finde ich sinnvoll und es macht meistens Spaß. Ich habe vorab nicht mit so vielen Gruppenprojekten gerechnet, was ich oft als anstrengend und ineffizient empfinde. Zudem habe ich eigentlich den Anspruch an mich selbst, mir im Rahmen eines Studiums wissenschaftliche Kompetenzen und Denkweisen anzueignen. Daher würde ich bei erneuter Wahl wohl lieber an die Universität gehen. Allen, die wissenschaftliche Theorie meiden und in anwendungsbezogener Weise auf ein bestimmtes Berufsbild hinarbeiten möchten, kann ich ein Fh-Studium allerdings empfehlen.

Die Uni-Erfahrungen von Siri

Was eine Universität ist, weiß jeder von euch. Aber schauen wir uns mal die Charakteristik und Aufgaben einer Uni laut Wikipedia an:

  • die Gemeinschaft von Lehrenden und Lernenden,
  • das Recht zur Selbstverwaltung mit der Möglichkeit der eigenständigen Erstellung und Ausführung von Studienplänen und Forschungsvorhaben (Akademische Freiheit) sowie
  • das Privileg der Verleihung öffentlich anerkannter akademischer Grade (zum Beispiel Doktorgrad).

Daraus lässt sich schon erkennen, dass Unis im Gegensatz zu Fhs auf Lehre und Forschung statt praxisorientierte Berufsbildung ausgelegt sind. Die staatlichen Massenuniversitäten sind riesige Apparate, die sich in Fakultäten untergliedern. Beispielsweise in die philosophische Fakultät, juristische Fakultät, medizinische Fakultät usw. Unter diesen groben Strängen finden sich dann die sogenannten Lehrstühle, wie zum Beispiel einen Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaften. In der Regel hat dort ein Professor die Professur (sehr eloquent, ich weiß) und meistens Doktoren und wissenschaftliche Mitarbeiter unter sich angestellt, von denen manche Kurse für die Studierenden geben. Bei mir stehen anonyme Vorlesungen in riesigen Hörsälen, kleinere Seminare mit etwa 30 Teilnehmern, stoffvertiefende Tutorien und wissenschaftliche Übungen auf dem Stundenplan.

Apropos. Die Selbstständigkeit ist wirklich ein Thema. Im Gegensatz zur Fh muss sich bei uns jeder seinen Stundenplan komplett selbst zusammenstellen: Das bedeutet, tagelang den Modulkatalog zu wälzen und zu hoffen, dass die Kurse, die man benötigt, auch in diesem Semester angeboten werden. Wenn ihr Glück habt, veranstalten die Fachschaften (Studierende, die die anderen Studierenden der einzelnen Fakultäten betreuen und vertreten) vor Beginn des Studiums eine Orientierungswoche, in der euch ältere Studierende Tipps geben oder die Uni stellt einen Musterstundenplan zur Verfügung (der in den seltensten Fällen zu eurem Zeitschema passt). Es interessiert niemanden, ob ihr in den Kursen auftaucht oder nicht, es sei denn, ein Dozent erklärt die regelmäßige Anwesenheit zur Prüfungsvoraussetzung. Auch, wo und ob ihr die angegebene Literatur herbekommt, ist euer Problem. In den Vorlesungen wird oft Wissen vorausgesetzt oder angeschnitten, das ihr euch selbst erarbeiten müsst.

Uni oder fh
Foto: Pixabay

Ein weiterer, sehr großer Unterschied zwischen Unis und Fhs, den ich überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, ist tatsächlich die Forschung. In meinem Studiengang beschäftigen wir uns sehr viel mit empirischer Sozialforschung. Es wird ganz genau erklärt, wie beim Forschen korrekt vorzugehen ist: von der Hypothesenbildung über wissenschaftliche Gütekriterien bis zur Skalierung eines Fragebogens uvm. In der Uni sind die wissenschaftlichen Standards in Hausarbeiten unbedingt einzuhalten, einfach mal losschreiben und Wikipedia zitieren, wie ich es oben getan habe, geht gar nicht. Als Fran mir erzählte, dass sie für ihre Gruppenhausarbeit irgendwelche Standard-Zitierregeln GEGOOGELT habe, bin ich aus allen Wolken gefallen. Wir werden in den unzähligen wissenschaftlichen Übungen, in denen wir zum Beispiel mit einer Befragung zu einem gewissen Thema forschen, geradezu darauf gedrillt. Und zurecht: Denn ohne Standards wäre ein wissenschaftlicher Konsens nicht möglich!

Mein Fazit lautet deshalb: Wollt ihr euch nur praxisbezogen weiterbilden und den Ablauf auf dem Silbertablett serviert bekommen, dann geht an eine Fachhochschule. An der Uni müsst ihr weitaus selbstständiger sein, habt dadurch aber mehr Freiheiten in der Fächerbelegung und zeitlichen Gestaltung. Die Inhalte sind weitaus theoretischer und abstrakter, dafür erhaltet ihr einen breiten Einblick in das jeweilige Gebiet und dessen Zusammenhänge mit anderen Bereichen. Durch die kniffligen wissenschaftlichen Standards, die beim Forschen festgelegt sind, wird es außerhalb der Vorlesungen nie langweilig. Ich bereue meine Entscheidung deshalb nicht, denn an einer Fh hätte ich nie etwas über Forschungsmethoden gelernt, wäre in irgendwelche unliebsamen Fächer gezwungen worden und müsste vermehrt Gruppenprojekte absolvieren. In der Uni fehlt mir zwar der Praxisbezug innerhalb der Veranstaltungen, allerdings habe ich den schon umfassend während meiner Berufsausbildung bekommen 🙂

Welche Form des Studiums bevorzugt ihr – Uni oder Fh? Habt ihr Interesse an einem direkten Medienstudiengangsvergleich zwischen Fh und Uni?