Es hat sich ausgewitzt!

„Kannst du mir bitte einen runterholen?“ – „Haha, willst du das wirklich? Runterholen!“ – „Äh, einfach den Topf von dort oben runterholen bitte.“ Schallendes Gelächter bei meinem Gesprächspartner. Eisige Stille bei mir. Oder kennt ihr diese Schwangerschaftssprüche, die uns jungen Frauen ständig begegnen? „Sorry, mir ist gerade übel.“ – „Haha, bist du schwanger?“

Findet ihr diese Dialoge auch lustig? Ich nicht. Und das rührt nicht daher, dass ich verklemmt für zweideutige Witze bin, sondern, dass so etwas zum ersten und letzten Mal in der Grundschule lustig war. Genauso wie „reinstecken“ – danke, ich vermeide dieses Wort künftig einfach, um nicht den Humor meines Gegenübers zu provozieren. Was diese ganzen Körper-, Sex- und Schwangerwitze angeht, bin ich extrem empfindlich – ich meine, was nehmen sich andere raus, derartig in meine Privat- und Intimsphäre zu drängen und nur, weil ich wie Millionen anderer Frauen auch im gebärfähigen Alter bin, über eine Schwangerschaft zu mutmaßen? Lange Zeit dachte ich deshalb, dass ich keinen Humor habe. Dass ich zu ernst, nicht gesellschaftsfähig, zu unsozial, zu unangepasst sei. Dies wurde mir auch ständig gesagt: lach’ doch mal, sei doch nicht so, jetzt freu’ dich doch. Wie ich so etwas verabscheue, ihr auch?

Dann fiel mir auf, dass ich in meinem engen Freundeskreis schon lustig bin, Witze mache und Leute gerne unterhalte. Warum bin ich dann manchmal todernst und habe wann anders einen Clown statt meinem Haferbrei gefrühstückt? Heute kenne ich die Antwort. Doch schauen wir uns zunächst die Definition von „Witz“ und „Humor“ an.

Witz: Eine Art kurze Geschichte mit einem überraschenden und lustigen Ende, die man erzählt, um andere Menschen zum Lachen zu bringen. (Wikipedia)

Humor: Heiteres Wesen bzw. die Fähigkeit, Unangenehmes und alltägliche Schwierigkeiten gelassen und heiter zu betrachten. (Wikipedia)

Besonders humorvoll scheine ich demnach nicht zu sein. Gelassenheit und Heiterkeit sind nicht unbedingt meine Stärken, aber trotzdem normal ausgeprägt, würde ich mir selbst attestieren. Das Kernproblem, warum ich diese abgedroschenen Sprüche und Witze nicht lustig finden kann, liegt in der Definition von Witzen: „mit einem überraschenden (…) Ende“. Wenn ich doch diese eindeutig zweideutigen Sprüche schon kenne, bin ich logischerweise nicht mehr von ihnen überrascht. Man weiß doch genau, wie der andere den Satz beenden wird und dass daraufhin alle in Gelächter ausbrechen. Auch bei schon gehörten Witzen kann ich nicht mal mehr müde lächeln. Oder gar Flachwitzen. Oder Smalltalk-Witzen und Sprüchen. Mir tut das irgendwo ja leid, wenn mir eine Kollegin auf dem Weg zur Toilette hinterherruft, ob ich für sie mitgehen könne und ich darauf nur gezwungen lächle. Halte ich mich dann überhaupt noch an den kollektiven Gesprächskodex? Es ödet mich einfach an, weshalb ich euch frage:

Ist es so, dass man im Kopf ein Repertoire an Phrasen hat, denen automatisch ein Lachen folgt, sobald man sie hört? Oder lachen alle nur aus Höflichkeit über die immer gleichen Dinge, weil man die Intention des Witzboldes nicht unbeachtet lassen möchte? Davon zu unterscheiden ist ganz klar, dass manche Sprüche und Insider genau in gewisse Situationen passen – das wäre dann aber Situationskomik.

Sigmund Freud meint in seinem Werk „Der Witz und seine Beziehung zum Unbewussten“, dass wir lachen, um innere Spannungen aufzulösen und sich dadurch das Unterbewusstsein vom unterdrückenden Über-Ich befreie, zum Beispiel durch sexistische Witze. Hm, irgendwas stimmt mit mir dann wohl doch nicht.

Ich würde mich sehr freuen, wenn ihr mir bei meiner Witzforschung behilflich sein könntet. Vielleicht kann ich als Witzespießer auch endlich öfter lachen 🙂

Bei Zeit online gibt es übrigens auch einen interessanten Artikel über Humorforschung: www.zeit.de/Humorforschung