Musik im Trott der Trends? Ein Vergleich

„Früher war die Musik besser“ – das hört man oft. Ich glaube, damals wie heute gab und gibt es gute und schlechte Musik und nach wie vor lässt sich über Geschmack nicht streiten. Fest steht: Musik ist heute billiger, ständig verfügbar und schnelllebigen Trends unterworfen. Wie soll man mit diesem Überfluss umgehen? Und wie war das eigentlich, als ich ein Teenie war?

Werfen wir einen Blick in meine Jugend (das klingt jetzt, als wär´ ich uralt, aber ihr wisst, was ich meine): Es gab noch kein Streaming, der MP-3-Player löste gerade den CD-Player ab. Als Schülerin sparte ich mir Geld zusammen, um mir etwa zwei- bis dreimal im Jahr eine neue CD meiner Lieblingsband (z.B. Billy Talent und Linkin Park) zu kaufen. Wenn man Glück hatte, hatte sie schon jemand als MP-3-Datei und man konnte sich (zugegebenermaßen illegal) die Alben teilen – natürlich per USB-Stick! Dann lief man mit seinem iPod und den immer gleichen Songs im Ohr durch die Welt. Man konnte nicht überall jedes beliebige Lied hören, dazu musste man sich schon vor den Computer setzen und YouTube aufrufen. Smartphones gab es in meinem Umfeld noch kaum (ich konnte mit meinem Nokia-Handy damals lediglich für 9 Cent pro Megabyte kurz bei Facebook vorbeischauen, dem wichtigsten Netzwerk in meiner Oberstufenzeit). Man überlegte es sich gut, ein neues Album zu kaufen und hörte das dann auch jahrelang in Dauerschleife. Wenn ich heute ein paar Titel von The Offspring oder Die Apokalyptischen Reiter hören würde, würde ich wahrscheinlich sofort meinen alten Schulweg vor mir sehen, wo diese Titel regelmäßig in meinen Ohrstöpseln zischelten.

Musik früher und heute
Tonträger früher vs. Musikplattformen heute: Hört ihr noch CDs, nutzt ihr MP3-Player oder streamt ihr auf dem Smartphone?

Dauerparty im Radio

Jetzt gibt es Streamingportale, auf denen man am PC und mobil alles jederzeit hören kann. Man klickt eine fertig zusammengestellte Playlist an und die Hits dudeln hintereinander weg. Früher hätte ich das bestimmt cool gefunden. Jetzt bin ich einfach nur überfordert. Es gibt ständig „Newcomer“ und „Chartstürmer“ und wöchentlich wechselnde Charts mit ähnlichen „Disco-Elementen“ (sorry, ich bin kein Genre-Experte) laufen online, mobil und seit einigen Jahren sogar im Radio – ist euch schon mal aufgefallen, dass früher sehr selten House o.Ä. im Radio lief und das erst mit David Guetta Mainstream wurde? Jetzt ist es ganz normal, dass die vierköpfige Durchschnittsfamilie Samstagvormittag mit bootyshakenden Radio-Beats zum Einkaufen fährt, der Vater zu „I´m in love with your body“ den Takt klopft und die Kindergartenkinder auf der Rückbank zur Dubstep-Ekstase mitklatschen. Eine seltsame Entwicklung, oder?

Musik als Identifikation?

Ich habe jedenfalls keine Lust auf Charts oder auf endlose Fertig-Playlists, die ich halb okay, halb erträglich finde und denen ich beim Putzen nur mit halbem Ohr lausche. Ab und zu höre ich mal etwas Neues auf YouTube, das ich aufgeschnappt habe, und dann reicht das auch wieder für ein paar Wochen. Die Zeiten, in denen ich mich mit Musik identifiziert habe und nicht auf sie verzichten konnte (gebt es zu, es war für euch alle ein kleiner Weltuntergang, wenn man seinen MP-3-Player für den Schulweg vergessen hatte!),  sind wohl auch vorbei. Meint ihr, es ist eine Frage des Alters, wie wichtig einem Musik ist? Oder hat das eher etwas mit Kreativität oder Gewohnheit zu tun? Auch musikalische Dauerbeschallung empfinde ich schnell als anstrengend oder nervig – könnt ihr den ganzen Tag Musik laufen lassen?

Fazit: Ich bleibe einfach bei meinen altbewährten Favoriten als CD, MP3 oder per YouTube (Siri und ich lassen bei unseren „Partyabenden“ zu Hause seit fünf Jahren dieselbe Playlist laufen, von Fanta 4 über Rammstein bis hin zu Culture Beat :D) und bin zufrieden damit.

Was meint ihr?

Hat sich euer Musikkonsum mit dem Wandel von der CD zum Streaming verändert oder bleibt ihr euren Platten treu? Seid ihr ständig offen für neue Musik oder belasst ihr es bei euren Lieblingskünstlern? Und wo informiert ihr euch über neue Klänge, orientiert ihr euch an den Charts im Radio, an Musikzeitschriften, an Playlists? Tauscht ihr euch mit Freunden über Musik aus oder ist sie eher zur nebensächlichen Hintergrundkulisse geworden? Wir freuen uns auf eure Kommentare oder Nachrichten!