Rassehunde = Traumhunde?

Ein A3 in der Garage, ein iPhone in der Tasche und ein reinrassiger Golden Retriever an der Leine – kommen euch Rassehunde auch oft vor wie ein weiteres Statussymbol? Und was ist mit den Mischlingen?

Ein Blick ins Hunderassenbuch oder auf Hundewebsites gibt einem tatsächlich das Gefühl, man könne sich den perfekten Hund aussuchen wie ein neues Auto. Da wäre zum Beispiel der Golden Retriever, ein Familienhund wie auf Knopfdruck: Leichtführigkeit, Kinderfreundlichkeit und Anhänglichkeit garantiert. Ganz zu schweigen von genau festgelegter Größe, Fellfarbe und Lebenserwartung. Es sind für einen gewissen Zweck perfektionierte Hunde, die maßgeschneidert in unser Leben passen sollen. Auch im Tierheim werden Rassehunde meist am schnellsten vermittelt (solange sie keine schwierige Vergangenheit haben).

Rassehunde und ihre rasseuntypischen Macken

Rassehunde haben natürlich ihre Vorteile und ich würde mich vor dem Hundekauf auf jeden Fall informieren, welche Rasse zu mir passen würde. Auch kann man bestimmte Hundearten gleich ausschließen, z. B. Hunde mit angeborenem Jagdtrieb, wenn man nun mal zwei Hasen und drei Meerschweinchen sein Eigen nennt. Aber man sollte nicht vergessen, dass hinter jeder Rasse ein individueller Hund steckt. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass Rassehunde oft nicht für ihren ursprünglichen Zweck geeignet sind. Der mittlerweile verstorbene Zwergrauhaardackel meines Opas sollte eigentlich zum Jagdhund erzogen werden. Die bei einigen Vorgänger-Dackeln bewährte, strenge Erziehung meines Großvaters führte bei Dackel Nicki über Monate hinweg zu keinem jagdtauglichen Ergebnis. Er reagierte nur auf Leckerlis und Streicheleinheiten, seine Aufmerksamkeitsspanne war gleich null und sein Jagdtrieb gering (er hatte sogar vor Insekten Angst). Lediglich sein Eigensinn war „typisch Dackel“, ansonsten erfreute er uns aber 16 Jahre lang als verspielter Familienhund und wäre wohl nie ein zuverlässiger Jagdhelfer geworden. 😉

Rassehunde
„Ich hätte gerne einen Goldie-Mix mit zwei Dritteln Boxer und einer Prise Spitz.“ – Wäre es nicht toll, so präzise züchten zu können? Oder ist es nicht der individuelle Charakter, der jeden Hund zu einem wertvollen Familienmitglied macht?

Mischlinge – Hunde zweiter Klasse?

Wenn die Rasse also keine Garantie für einen bestimmten Charakter liefert, warum halten sich dann eigentlich laut einer Erhebung zwei Drittel der deutschen Hundehalter Reinrassige statt Mischlinge? Objektiv betrachtet gibt es kaum Nachteile. Natürlich weiß man nicht immer, welche Rassen gekreuzt wurden, aber oftmals stecken in einem Mischling nur zwei oder drei Rassen – sie sind dann also ähnlich „vorhersehbar“ wie ihre reinrassigen Artgenossen. Im Tierheim, in dem ich Mitglied bin, scheinen die vielen Terrier-Collies, Corgi-Labradore und Schäferhund-Bernhardiner unbeachtet in ihrem Gehege zu sitzen, mit viel weniger Aufmerksamkeit als Dackel, Dogge & Co. Dabei kosten sie auch noch weniger als Rassehunde und sind oftmals weniger krankheitsanfällig. Sind sie bei manchen Menschen vielleicht einfach als Hunde zweiter Klasse verrufen? Ist die Angst vor der „Katze im Sack“ zu groß? Oder wollen viele einfach optisch ein ganz bestimmtes Erscheinungsbild? Was meint ihr? Hier seht ihr die Vor- und Nachteile von Rassehunden und Mischlingen objektiv aufgeführt.

Meine Meinung

Ich sehe Hunderassen als Richtlinie auf der Suche nach einem Hund als neues Familienmitglied. Am liebsten würde ich mir einen Mischling aus passenden Rassen zulegen. Wenn es doch ein Rassehund wird – vielleicht wartet der richtige ja im Tierheim – ist das genauso gut. Ich wünsche mir jedenfalls, dass Rassen nicht als Statussymbol oder „bessere Hunde“ angesehen werden. Auch die vielen tollen Mischlinge sollten die Chance erhalten, sich einen Weg in die Herzen zukünftiger Hundehalter zu bahnen!

Wie sehr ihr das? Würdet ihr euch für einen reinrassigen Hund entscheiden und warum – oder habt ihr das vielleicht schon getan? Kennt ihr auch Beispiele von Rassehunden, die gar nicht rassetypisch sind?

Hier findet ihr übrigens einen tollen Beitrag über Siris Tierschutzhund Leo.