13 reasons why review

13 Reasons Why Review

An dieser Serie kam wahrscheinlich niemand vorbei, der bei sozialen Netzwerken aktiv ist: auf Twitter, Facebook und vielen Blogger-Best of-Listen wurde sie regelrecht gehyped, aber auch inhaltlich kontrovers diskutiert. Die Rede ist von „13 Reasons Why“ bzw. „Tote Mädchen lügen nicht“ auf Deutsch. Kein Spoiler!

Mein Fazit bekommt ihr gleich vorneweg: Mir fallen absolut keine 13 Gründe ein, warum ihr die Serie sehen solltet.

Inhalt und formale Details

Hannah Baker, ein Mädchen in der Highschool, hat sich selbst getötet und zuvor 13 Kassetten aufgenommen, auf denen sie weitgehend chronologisch erzählt, wer alles zu diesem Prozess beigetragen hat. Die Kassetten werden nach ihrem Tod in derselben Reihenfolge diesen 13 Leuten zugespielt, bis sie bei Clay landen, einem ehemaligen Freund von Hannah.

Was viele nicht wissen, ist, dass die Grundlage der Serie das Buch mit gleichnamigem Titel von Jay Asher ist. Es erschien 2009 in Deutschland und wurde damals auch schon von Bloggern gehyped. Habe es Jahre später geschenkt bekommen und erinnere mich noch, dass ich es innerhalb von 2-3 Stunden durchgelesen hatte und es mir damals schon unlogisch, zu einfach geschrieben und lückenhaft vorkam.

13 reasons why review

Bislang gibt es eine Staffel, die am 31. März 2017 auf Netflix erschienen ist. Die 13 Folgen haben eine Länge zwischen 49 und 61 Minuten, jede Episode wird als Seite einer Kassette behandelt. Das heißt, eine individuelle Geschichte wird jedes Mal abgehandelt, sie ordnet sich aber immer in einen größeren Kontext ein, weshalb die Folgen aufeinander aufbauen. Es gibt noch eine Off-Folge, die in 29 Minuten Hintergründe zur Serie erläutert. Diese habe ich mir bewusst nicht angesehen, um die Serie so zu bewerten wie sie ist – ohne, dass mir die Produzenten erzählen, was sie damit bezwecken wollten. Das muss schon beim Ansehen rüberkommen, danach brauche ich auch keine Rechtfertigung mehr.

Ich würde euch empfehlen, die Serie gleich auf Englisch zu schauen, wenn ihr die Bedeutung von „fuck“ und „bullshit“ kennt. Denn viel mehr Wortschatz haben die Teenager nicht drauf.

Ebenen und Szenenschnitte

Die Serie ist grundlegend in drei Ebenen aufgeteilt:

  1. Hannahs Stimme, die wir von den Kassetten aus dem „Off“ hören
  2. Die Gegenwart, d.h. wir sehen Clay, wie er live die Kassetten abhört, meist in kaltem Licht dargestellt
  3. Die Vergangenheit, bei der wir in Hannahs Alltag eintauchen und die Situationen vor ihrem Tod sehen, als würden sie gerade gespielt. Diese Einstellung ist mit warmem Licht von der Gegenwart zu unterscheiden

Clay kann zwischen Gegenwart und Zukunft gedanklich hin- und herswitchen. Beispiel: Wir sehen ihn, wie er auf seinem Bett einer Kassette lauscht, auf der Hannah gerade von der gemeinsamen Arbeit im Kino erzählt. Prompt switcht das Licht und wir sehen die Szene tatsächlich aus Vergangenheits-Clays Sicht. Zu Beginn hat mich das extrem verwirrt, man konnte die beiden Ebenen nur am Licht bzw. Clays Pflaster am Kopf unterscheiden, welches er nur in der Gegenwart trägt. Denn manchmal steht Gegenwarts-Clay auch neben Vergangenheits-Hannah… ich sage ja, verwirrend, aber gegen Mitte bis Ende hat man es entweder durchschaut oder es wurde tatsächlich besser umgesetzt. Dann nämlich fand ich den Effekt recht schön und außergewöhnlich.

Kommen wir zur Szenenauswahl. Ganz ehrlich? Warum bläst man jede Folge künstlich auf 50 Minuten auf, wenn man die Hälfte davon nur Füllmaterial verwendet?! Wir sehen Clay, wie er im Bett liegt, sich die Zähne putzt, sich ausdruckslos im Spiegel beobachtet, gar nichts tut, läuft, Fahrrad fährt, isst, die Treppe runterkommt, … wen interessiert’s? Diese Zeit, die deswegen verloren geht, hätten sie lieber für Logik, Charakterentwicklung und Backgroundstories verwenden sollen. Denn DAVON mangelt es an allen Ecken und Enden.

13 reasons why review

Logik und Charaktere

Wenn Clay die Kassetten bekommt, haben sie viele andere Jugendliche vor ihm schon gehört. Sie verhalten sich trotzdem fast völlig normal. Erst als Clay an der Reihe ist und manche Dinge sanft hinterfragt (stellt ihn euch wie ein 14-jähriges Muttersöhnchen vor), benehmen sich manche der Teenies plötzlich anders. Nachvollziehbar? Nein. Statt Clay beim Radfahren zu zeigen, hätte man hier mehr Backgroundstory für die Charakterentwicklungen geben können.

Leider war mir Hannah von der ersten Sekunde an komplett unsympathisch. Ich konnte sie auch nie so wirklich einschätzen – auf der einen Seite war sie total schlagfertig und beliebt, auf der anderen traurig und alleine. Hintergründe oder Erklärungen? Fehlanzeige. Wie sollen wir das als Zuschauer, die nur gewisse Sequenzen gezeigt bekommen, denn enträtseln? Aber zeigt uns doch bitte nochmal, wie Clay Fahrrad fährt.

Oft kamen mir die Sachen, die Hannah den anderen Leuten angeprangert hat, ziemlich übertrieben vor. Ich nehme an, dass versucht wurde, Hannah als depressiv darzustellen. Dazu kann ich nicht viel sagen, außer, dass dies meine einzige Erklärung für manche ihrer unnachvollziehbaren Verhaltensweisen wäre. Beispiel: Das Verhältnis zu ihren Eltern. Diese tun vieles für sie und sind ziemlich locker und cool. Weisen sie Hannah allerdings mal in ihre Schranken (was der Prinzessin gewiss nicht schadet!), wird daraus sofort ein Riesendrama veranstaltet, denn die arme Hannah ist grundsätzlich das Opfer, auch wenn sie an der Situation vielleicht selbst schuld war. Jaja.

Die Themen und ihre Problematik

Die Serie behandelt im Hauptfokus die Themen Mobbing, Depression (nehme ich an) und Suizid. Ein paar Wochen nach Erstausstrahlung kam die Debatte auf, inwieweit „13 reasons why“ Selbstmord verherrlicht. Ich würde sagen: ziemlich stark! Hannah wird, oft ungerechtfertigt, als Opfer von allem und jedem dargestellt. Mag ja sein, dass sie es so empfand, aber es wird als Wahrheit verkauft, wie ja schon der Titel verrät: Tote Mädchen lügen nicht. Ich kann mir vorstellen, dass depressive oder suizidgefährdete Personen dadurch in ihrer Wahrnehmung bestärkt werden. Manchmal erwähnen Figuren in der Serie, dass Hannah letztendlich die Entscheidung, sich selbst zu töten, für sich getroffen hat, aber das wird sofort wieder kleingeredet, indem die Schuld allen Menschen in ihrem Umfeld zugewiesen wird.

Am meisten regt mich die Schuldzuweisung der letzten Kassette auf – man hat durch den Verlauf der Serie deutlich gemerkt, wie Hannah innerlich immer mehr mit ihrem Leben abgeschlossen hat (wie gesagt, für mich nicht nachvollziehbar, es sei denn, man geht von einer psychischen Krankheit aus), aber dann wird diese letzte Person als Sündenbock hingestellt, obwohl sie sich eigentlich bemüht hat und Hannah ihren Suizid längst beschlossen hatte.

Fazit

+ Strukturierung der 13 Kassetten als 13 Folgen
+ Szenenverblendungen mit den Ebenen
Szenenauswahl
fehlerhafte Logik
kaum Nachvollziehbarkeit
inhaltlich einseitige Darstellung
einseitiger Umgang mit der Thematik
Länge der einzelnen Folgen
fehlende Hintergründe der Charaktere und ihrer Entwicklung

Hier noch der deutsche Trailer:

Habt ihr die Serie gesehen und seid derselben oder anderer Meinung? Was hat euch daran gefallen oder gestört?

4 Antworten auf „13 Reasons Why Review

  1. Cooler Beitrag mir ist bis jtzt nie aufgefallen dass sich die Farbe der Bilder ändert wenn es in die Vergangenheit geht.. und nach diesem Post hab ich iwie ne ganz andere Sich auf die Serie.
    Du hast echt Recht, dass zuu oft gezeigt wird wie Clay Fahrrad fährt lol ist mir vorhin niee so aufgefallen xD
    Bim gerade bei Folge 8 und voll süchtig nach der Serie
    LG

    Gefällt 1 Person

    1. Hey Karin, schön, dass dir meine Review etwas Neues der Serie gezeigt hat. Ich hoffe nur, dass ich sie dir damit nicht madig gemacht habe :D Dann noch viel Spaß beim Schauen und schreibe doch mal dein Fazit, nachdem du sie ganz durchgesehen hast :) LG, Siri

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  2. Schade, dass du die Serie so verreist. Ich finde sie nämlich wirklich gut.
    Hannah war mir sympathisch und ich finde nicht, dass die Geschichte einen Schuldigen sucht. Es ist vielmehr das Zusammenspiel aus vielem. Wenn jemand eine Liste mit den „heissesten Po“ macht und Jungs darauf einsteigen, dann geht das einfach zu weit. Solche Sachen passieren in Schulen viel zu häufig und darauf wollte die Serie anspielen. Der Selbstmord ist nicht das Zentrale an der Serie. Es ist der „Höhepunkt“ bzw. der Ausgangspunkt. Es wird erzählt, warum ein Mädchen sich das Leben nimmt und welche Situationen dazu führen könnten.
    Aber ich mag deine Begründungen, die sehr schlüssig sind. Ist ja auch deine Meinung und ich habe in dieser Sache meine. Ich will auch niemand irgendwas wegnehmen oder umstimmen.
    Wünsche dir einen schönen Tag eva

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    1. Hallo Eva,

      wie du selbst schreibst, haben wir beide unterschiedliche Meinungen zu der Serie, weshalb es meiner Auffassung nach nicht schade ist, wenn man unterschiedliche Kritiken dazu verfasst oder liest, verreißt oder lobt. Ich denke, sie hat mehr als alle anderen Serien das Potenzial zum Polarisieren.

      Ich finde schon, dass der Selbstmord im Zentrum der Serie steht. Die Handlung zieht sich, wie du sagst, von ihm als Ausgangslage zu ihm als Höhepunkt, aber er ist immer omnipräsent und alles, was geschieht, hat damit zu tun. Vielleicht war das von der Autorin bzw. den Serienmachern nicht mal beabsichtigt, weshalb sich da unterschiedliche Meinungen dazu manfestieren.
      Ich bin auch deiner Meinung, dass der „heißeste Po“ moralisch inakzeptabel ist. Mich stößt nur bitter auf, dass die Serie dies, wie so vieles, als Rechtfertigung bzw. Puzzlestückchen zum Freitod hernimmt. Ich fände es besser, wenn da mehr Hintergrundinfos zu Hannas Empfinden oder (offensichtlichen?) Depressionen gegeben worden wären. So kam es mir zu dramatisiert vor.
      Alles in allem ist mir die Serie einfach zu einseitig und den Selbstmord beschönigend dargestellt.

      Danke für deine Meinung dazu und dir ebenfalls einen schönen Tag!
      LG, Siri

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