„Wollte mich mal wieder melden…“

In jeder Lebensphase umgeben wir uns mit Menschen. Im Rahmen von Job, Verein oder Clique schließen wir Kontakte und wenn wir eines Tages den Ort oder das Hobby wechseln, sehen wir sie nie wieder. Der Startschuss ist gefallen für sporadische „Na wie geht´s?“-Nachrichten in sozialen Medien, auf die man nach kürzester Zeit keine Antwort mehr weiß.

Ein konkretes Beispiel aus meinem Leben ist Laura*. Wir lernten uns während meiner Ausbildung kennen und teilten dieselben Interessen. Trotz der Gemeinsamkeiten ähnelten wir uns charakterlich nicht, sie war sehr extrovertiert, redete gern von sich selbst und hatte ganz andere Zukunftspläne (alles drehte sich um ihren Freund). Nachdem ich den Arbeitsplatz wechselte, sahen wir uns nicht mehr regelmäßig und trafen uns nur ab und zu zum Plaudern. Die ersten paar Male war es noch witzig und unterhaltsam, bei den weiteren Treffen allerdings drehten sich unsere Gesprächsthemen im Kreis, bis Laura am Ende doch lieber von sich selbst und ihrer Beziehung redete. Sie hatte sicherlich keine schlechten Absichten, aber ich fühlte mich immer weniger wertgeschätzt und immer mehr fehl am Platz. Irgendwann zog sie um und wir hielten (natürlich) über WhatsApp Kontakt.

„Wir müssen unbedingt mal wieder…“

Es folgten vierteljährlich papyrusrollenlange Nachrichten voller unsicherer Emojis, Floskeln und rhetorischer Fragen, obwohl man sich nichts mehr zu sagen hatte. Schrieb man zurück, kam die Antwort wiederum Wochen später. Zusätzlich nervten mich die verwunderten Nachfragen meiner Familie, die Laura vom Sehen kannten.

„Wollt ihr nicht mal wieder was zusammen machen? Ihr wart doch Freunde! Da muss man schon Kontakt halten.“

Ich versuchte es. Aber oberflächliche Geburtstagsgrüße über Facebook und halbherzige „Wir müssen mal wieder was machen“-Phrasen gaben mir das Gefühl, nicht ehrlich zu sein. Eines Tages schrieb ich auf ihr wiederholtes „Wir müssen echt mal wieder…“ entschlossen zurück, dass sich das mit der jetzigen Entfernung doch nicht mehr lohnte. Ratet mal, was zurückkam: Eine „Oh wie schade, aber du hast ja recht“-Nachricht, die vor Erleichterung nur so triefte – und danach nichts mehr. Ich weiß nicht, ob sie vielleicht trotzdem gekränkt von meinem Verhalten war. Aber muss ich denn ihren Erwartungen entsprechen? Oder hat nicht mein Bedürfnis nach Nähe oder Distanz Vorrang?

Alte-Kontakte
Was tun bei inhaltsleeren Nachrichten von Personen, die uns einst interessierten – jetzt aber eigentlich gar nicht mehr?

Wiederbeleben oder begraben?

Ich frage mich, ob die vielen Altkontakte meiner Eltern aus ihrer Schulzeit o.Ä., denen sie jedes Jahr brav zum Geburtstag gratulieren, auch zur Laura-Spezies gehören. „Kontakte muss man pflegen“, sagte meine Oma immer. Ich frage mich, woher dieses Prinzip kommt. Gesellschaftliche Erwartungen? Schlechtes Gewissen? Kalkül? Oder kann man alte Kontakte tatsächlich nochmal wiederbeleben? Ich halte immerhin auch noch Verbindung zu einigen Menschen, die ich persönlich nicht mehr sehe, mit denen ich mich aber gerne ab und zu unverbindlich austausche. Könnten mit Laura vielleicht auch interessante Gespräche entstehen, wenn wir beide ehrlich und offen dafür wären? Aber wenn man sich auseinandergelebt hat, wo ist dann der Sinn des Kontakts? Ich glaube, es war richtig, meinem Bauchgefühl zu vertrauen.

Habt ihr auch so eine Laura in eurem Leben (gehabt)? Wie geht ihr mit solchen Kontakten um, die einem mal etwas bedeutet haben, von denen man sich aber innerlich entfernt hat? Wo zieht ihr die Grenze?

*Name geändert