Die Krux mit der Kirche

Ich habe mir aufgrund eines Trauerfalls in der Familie Gedanken darüber gemacht, wie ich eigentlich zur Kirche stehe. Christlich erzogen, vom Glauben abgefallen und jetzt doch wieder etwas gläubig – ja, was denn nun?

Das letzte Mal „freiwillig“ und bewusst war ich Weihnachten 2011 in der Kirche. Danach noch einmal während einer Hochzeit (2014) und einmal wegen eines Trauergottesdienstes (2015).

Die wollen doch nur mein Geld und Gott gibt’s eh nicht, lautete bis vor Kurzem mein Credo.

Ich wurde getauft, nach christlichen Werten erzogen und habe schließlich konfirmiert (dem fleißigen Kirchgänger ist nun aufgefallen, dass ich evangelisch bin 🙂 ). Aber wie kam es zu dem Sinneswandel?

Von der Taufe zum Teenager

In allen bayerischen Bildungsinstitutionen wird uns, ohne groß zu fragen, mit dem Christentum begegnet: Kindergarten, Grundschule, Gymnasium. Der Religionsunterricht bestand weitgehend aus Ausmalbildern, Jesusgeschichten und Kirchenliedern. So kam ich immer mit Gott in Berührung, lernte alles über Jesus und warum ich mich an die zehn Gebote halten sollte. Soweit, so gut, ich nahm alles an, betete jeden Abend vor dem Schlafengehen und freute mich über den Reli-Einser im Zeugnis.

Gedanken eines Teenagers

Wie man sich als Teenie fühlt, brauche ich euch nicht zu erzählen – wir alle müssen oder mussten da durch. Mit 12/13 Jahren beginnt für die evangelischen Christen der Präparanden- bzw. Konfirmandenunterricht. Sprich, man besucht mit etwa 15 anderen Dorfkindern jede Woche zwei Stunden den Pfarrer und lernt intensiv die Kirche kennen. Bei mir war es so, dass wir bis zur Konfirmation ein Punktekonto zu füllen hatten, indem wir zum Beispiel beim Gottesdienst Aufgaben übernahmen, den Hof vor dem Gemeindehaus fegten oder den Friedhofsgärtnern halfen. Gibt Schöneres. Außerdem mussten wir jede Woche Lieder auswendiglernen und aufsagen. Jeden zweiten Sonntag in der Kirche zu erscheinen, wurde auch strengstens kontrolliert. Während dieser Zeit beschloss ich, nach meiner Konfirmation nie wieder die Institution Kirche zu betreten. Alles, was mit dem Christentum an sich zu tun hatte, habe ich konsequent ignoriert und mich nur noch schulisch damit befasst. Lediglich an Weihnachten war ich mit in der Kirche, weil es zum guten Ton gehörte – der typische Weihnachtschrist eben.

Kirchensteuer – Ungeheuer?

Nach meinem 18. Geburtstag, ich hatte endlich keinen Religionsunterricht mehr, ging ich gar nicht mehr in den Gottesdienst, auch nicht an Weihnachten. Dafür trat etwas anderes regelmäßig auf den Plan: die Kirchensteuer. So langsam nervte mich diese Kirche echt gewaltig. Ich dachte darüber nach, ob es überhaupt sein kann, dass es Gott gibt. Ich meine – er ist ja unsichtbar und so. Ich entschied mich dafür, dass die Erde rein wissenschaftlich enstanden ist und es keinen Schöpfer gibt. Spätestens nach dem Studium würde ich dann aus der Kirche austreten, um mir diese Steuer zu sparen. Nun ist es so, dass es in meiner Familie einen Trauerfall gab. Zu diesem Anlass war ich erstmals wieder „freiwillig“ in der Kirche, weil der Name der Person während des Gottesdienstes vorgelesen wurde. Neben der Tatsache, dass ich dort zwei meiner alten Mathelehrer traf, war ich überwältigt vom Gemeinschaftsgeist in dem kleinen Kirchensaal. Die Mitglieder der Gemeinde kannten die verstorbene Person fast alle persönlich und der Pfarrer hatte schon unseren Trauergottesdienst gehalten.

Ob ihr es glaubt oder nicht, aber in diesem Moment, als alle gemeinsam der verstorbenen Person gedachten und uns in ihre Gebete einschlossen, da wusste ich, dass die Kirche den Menschen mehr gibt, als ich rational verstehen kann. Und plötzlich bin ich gar nicht mehr so fest davon überzeugt, dass sie so schlecht und Gott nur eine Märchenerzählung ist.

Ich bin jetzt echt verwirrt: Ist das so, weil wir von klein auf mit dem Glauben aufwachsen und uns gegen diesen Teil in uns nicht wehren können? Oder ist quasi der heil’ge Geist in mich gefahren? Oder hat mich der Zusammenhalt der Gemeinschaft beeindruckt, unabhängig vom Glauben an sich? Und ist es nicht egoistisch, dort auszutreten und den kleinen Prozentsatz meines Gehalts für mich zu behalten, statt ihn dem Erhalt dieser Gemeinschaft zu geben?

Was meint ihr dazu und habt ihr vielleicht ähnliche Erfahrungen wie ich gemacht? Wie steht ihr zu dem ganzen Kirchen-Thema? Freue mich auf eure Antworten!