Wundermittel vs. Wahrheit

Repair & Care, Anti-Aging und „Wunder-Öle“: Wer hofft bei diesen Produkten nicht auf glänzenden Haare, weiche Haut und gebügelte Falten? Am liebsten würden wir doch alle wunderschön, umhüllt von einer Granatapfel-Duftwolke, durch die Welt laufen. Ich geb´s ja zu, ich auch. Aber dürfen wir den Versprechen der Kosmetikbranche so einfach glauben? Ihr habt es euch wahrscheinlich schon gedacht: Nein, das sollten wir nicht.

Neulich in der Drogerie griff ich aus Neugier zum „Oil Repair“-Shampoo einer bekannten Marke. Es sah toll aus, so golden und glänzend. Es verspricht „nährende Natur-Öle“, „Kraft von innen und mehr Volumen“ sowie „Aktiv-Fruchtkonzentrat“, das gleichzeitig fettigen Ansatz UND trockene Spitzen bekämpfen soll. Hört sich ja nicht schlecht an, dachte ich, hatte meine Skepsis schon fast überwunden. Bis ich mir dann doch die kleingedruckten Inhaltsstoffe auf der Rückseite durchlas: Ein paar Öle ließen sich erahnen, dazwischen reihten sich endlose chemische Begriffe, die mir als naturwissenschaftlicher Null nichts sagten. Also scannte ich das Shampoo gleich mal mit Codecheck (einer sehr empfehlenswerten Seite bzw. App, um Funktion und Problematik der einzelnen Inhaltsstoffe zu erfahren).

Die Inhaltsstoffe: Eher verwunderlich als wunderbar

Sekunden später zeigte mir die Inhaltsliste in Rot, was für Müll in dieses Shampoo gemixt wurde. Ein paar Beispiele:

  • Buylphenyl Methylpropional: Klingt unnatürlich – ist es auch. Genauer gesagt ist es ein potentes Allergen, das die Atemwege reizen kann, von Asthmatikern generell gemieden werden sollte und dessen Beeinträchtigung der Fortpflanzungsfähigkeit in Tierversuchen nachgewiesen wurde.
  • Amodimethicone: Silikone, die in den meisten Shampoos zu finden sind, um spiegelnden Haarglanz zu bewirken. Aber wie wirken sie eigentlich? Sie legen sich als Plastikschicht um unser Haar, während es darunter immer trockener und brüchiger wird, weil keine Pflege mehr durchkommt. Die Ironie dabei: Auch beigemixte Öle können so natürlich nicht mehr wirken.
  • Sodium Laureth Sulfate: Beliebte Tenside, also „Saubermacher“, die die Kopfhaut stark entfetten, irritieren und zum übermäßigen Nachfetten zwingen (weswegen der genervte Konsument sie dann kontraproduktiverweise noch öfters wäscht).

Die Liste geht weiter mit antistatischen, glättenden, färbenden Chemikalien, die die Barrierefunktion der Haut schwächen, unter dem Verdacht der Krebserregung stehen und/ oder der Umwelt schaden.

Haarchemie
Die meisten Inhaltsstoffe zum Entfetten, Weichmachen oder Glätten stammen direkt aus dem Chemielabor – inklusive Nebenwirkungen.

Natural Beauty durch ganz viel Moleküle

Langsam bin ich echt genervt: Da kaufen sich Leute ein scheinbar ölbasiertes Shampoo, weil sie ihren Haaren Pflege zukommen lassen wollen, schmieren sich aber letztendlich glänzendes Plastik auf den Kopf, unter dem die Haare immer kaputter werden.

Und nein, die Silikone für die „Repair“-Wirkung kleben die Schäden (Haarbrüche und Spliss) zwar ein bisschen zusammen, von Reparatur kann aber keine Rede sein. Kaputtes Haar ist irreparabel. Hoffnungsvollen Käufern also eine Haar-„Erneuerung“ zu versprechen (was ja auch in animierten Werbespots gang und gäbe ist), ist nichts anderes als eine Lüge.

Schön heißt nicht gesund

Was ich euch damit sagen will: Wenn ihr trockene oder kaputte Haare habt, werdet ihr mit Gebrauch dieses Shampoos hinterher genauso trockene oder kaputte Haare haben. In Kombination mit Haarstrapazen wie übermäßigem Waschen, Kämmen und viel Hitze kann sich der Zustand sogar noch verschlechtern.

Wenn euch das nicht weiter stört und ihr keine Probleme mit konventioneller Kosmetik habt – in Ordnung, jedem das Seine. Wenn ihr aber eurem Körper und der Umwelt etwas Gutes tun und ein Zeichen gegen Tierversuche setzen wollt, dann verabschiedet euch von solchen Mythen, dass es Volumenshampoos gibt oder Anti-Aging-Cremes oder Repair-Spülungen – nein, dünne Haare bleiben dünn, Falten sind menschlich und gegen kaputte Haare hilft nur die Schere. Wenn ihr euch dessen bewusst seid und euch nicht nur schöne, sondern auch gesunde Haare und Haut wünscht, dann greift einfach zu zertifizierter Naturkosmetik. Hier werden ausschließlich natürliche Rohstoffe verwendet, die eurem Körper und der Umwelt nicht schaden werden. Auch „Water Only“ oder alternative Waschmethoden mit Mehl, Waschnüssen/-kräutern oder klassischer Seife sind für euch vielleicht eine Option.

P.S.: Hersteller von natürlichen Kosmetikartikeln haben mittlerweile im Zuge der aktuellen Gesundheitsbewegung (endlich mal ein sinnvoller Trend) übrigens genauso tolle, schön designte Produkte, sind oft nicht mal teurer als herkömmliche Kosmetik und bezaubern auch durch unterschiedlichste Duftsorten – ihr müsst euch von eurem geliebten Granatapfelduft also nicht verabschieden. 😉

Wie sind eure Erfahrungen mit den Versprechungen der Kosmetikwerbung? Habt ihr schon mal Naturkosmetik oder alternative Waschmethoden ausprobiert und wie findet ihr sie? Wir freuen uns auf eure Kommentare oder Nachrichten!