Der Mythos um das billigste Buch

Neulich im Buchladen: Während ich im Regal herumstöbere, unterhält sich hinter mir ein Mann mit der Buchhändlerin. Aus dem Gespräch höre ich heraus, dass er fast jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit hier vorbeikommt. Er fragt nach einem bestimmten Fitness-Kochbuch. Als ich mich unauffällig umdrehe, sehe ich einen Anzugträger mittleren Alters, er wirkt recht gebildet mit seiner Süddeutschen Zeitung unterm Arm, die er sich gerade aus dem Aufsteller genommen hat. Dann teilt ihm die Buchhändlerin mit Blick in ihren Computer mit, dass das Buch momentan nicht vorrätig sei, sie es aber bestellen könne. Sogar ein Versand nach Hause sei möglich, die Buchhandlung habe seit ein paar Monaten einen kleinen Onlineshop.

„Ach nö, lassen Sie, das krieg ich billiger auf Amazon!“

Die Buchhändlerin wagt zu widersprechen: „Da kostet es genauso viel. Außerdem haben wir schon gleich 17 Uhr, da müssen Sie dann bestimmt bis übermorgen warten. Wenn ich es jetzt bestelle, ist es morgen für Sie hier und reserviert.“
Plötzlich wirkt der Mann geradezu sauer, schnell wende ich der eskalierenden Szene wieder den Rücken zu.
„Also verarschen lass‘ ich mich nicht. Ich komm immer gern hierher, aber Sie wollen mir ja wohl nicht erzählen, dass ich das nicht irgendwo billiger herkriege! Das hätte ich jetzt nicht gedacht, dass Ihr kleiner Laden doch so auf Profit aus ist.“
Die junge Buchhändlerin stammelt vor sich hin, wägt sichtlich ab, ob sie noch ein Argument bringen soll. Schließlich kapituliert sie gespielt freundlich: „Wie Sie möchten.“
Der Mann lässt die Süddeutsche, für deren Kauf er jetzt wohl doch zu stolz ist (gibt´s wohl nicht auf Amazon, feixe ich am Regal), achtlos auf einen Tisch fallen und rauscht aus dem Geschäft. Die Buchhändlerin schüttelt kurz den Kopf, dann ist alles wie vorher.

Der Mythos um die billigeren Amazonbücher 2
Was wollte der Deutschlehrer nochmal? „Effi das Biest“ und „Die Leiter des jungen Wärters“? Naja, so ähnlich…

Warum den lokalen Buchhandel unterstützen?

Was ich euch damit sagen will? Buy local! Ach nee, denkt ihr euch, das hört man gefühlt an jeder Ecke. Es geht mir aber nicht um eine selbstlose Spende für den armen, kleinen Buchhandel. Nein, es geht um eine bewusste Entscheidung für den stationären Buchmarkt, weil es euch Vorteile bringt:

  • Ihr haltet euer gewünschtes Buch sofort in Händen oder es kann (in den meisten Fällen) zumindest gleich am Folgetag vom Großhändler an den Buchladen geliefert werden, Versand und Rückversand inklusive.
  • Alle Bücher, die bei den Internethändlern lagern, kann auch die Buchhandlung für euch bestellen. Und nein, im Internet kosten sie nirgendwo weniger: Die gesetzliche Buchpreisbindung in Deutschland schützt das Kulturgut Buch und seinen Wert für die Gesellschaft mit einheitlichen Preisen. Ausnahmen sind Mängelexemplare oder fremdsprachige Bücher.
  • Eure Buchhändler funktionieren besser als die Algorithmen der Onlineshops: Ihr erhaltet individuelle Empfehlungen und manchmal können sie sogar Gedanken lesen, z.B. wenn Schüler sich nicht an die benötigte Literatur erinnern („Ich brauche das Buch Satan der Weise für Deutsch“), wenn Omis auf den in der Tageszeitung empfohlenen Regionalkrimi verweisen oder wenn Fantasyfans grübeln, welcher Teil des 23-reihigen Epos zur Hölle Band 1 ist.
  • Und meine persönliche Meinung: Es macht viel mehr Spaß, durch echte Bücher zu schmökern, als sich durch digitale Covers zu klicken – findet ihr nicht?

Ganz nebenbei sorgt ihr auch ganz selbstlos dafür, dass die Innenstädte belebt werden und dass im Gegenzug ein Zeichen gegen die oft fragliche Personalpolitik bei den Onlineriesen gesetzt wird. Ich will hier nicht den moralischen Zeigefinger schwingen: Auch ich bin dem Onlineversandhandel in einigen Bereichen dankbar, wenn ich ein spezielles Produkt suche, das ich auf die Schnelle nicht in der Stadt herbekomme. Aber brauchen wir Amazon & Co., um Bücher zu kaufen? Ich denke nicht!

Als ich am selben Abend mit meinem neuesten Fantasyroman zu Hause sitze, frage ich mich belustigt, ob der gute Mann aus dem Buchladen für sein Kochbuch wohl immer noch Preise vergleicht.

Wie seht ihr das? Schreibt uns gerne, woher ihr eure Bücher bezieht – und warum macht ihr das so? Wir sind gespannt auf eure Meinung!

Schaut auch mal in unsere Buchrezensionen über den Jugendroman Elanus und das Fantasybuch Die Traumknüpfer rein!