Buchrezension zu „Die Traumknüpfer“

Ich empfehle euch in meiner heutigen Rezension den Fantasyroman „Die Traumknüpfer“ von Carolin Wahl, der mir bis auf ein paar Schwächen sehr gut gefallen hat. Erschienen ist er 2016 im Heyne Verlag.

Die Handlung: Spannend und stimmig

Hier die Kurzbeschreibung auf der Buchrückseite (Klappentext siehe weiter unten):

die-traumknuepfer-beschreibung

Die Fantasywelt: Beeindruckend und atmosphärisch

Die Welt der Traumknüpfer hat mir besonders gefallen. Sie besteht aus vier Reichen, die nach den vier Jahreszeiten benannt sind. Jedes Reich hat einen Herrscher und ist einer Gottheit zugeordnet. Und dann gibt es da die sagenumwobene Insel Mii im Zentrum der vier Reiche – sie hat mit der Traumknüpferin Udinaa zu tun, mehr verrate ich nicht. Mit Liebe zum Detail werden beeindruckende Landschaften und Stimmungen beschrieben, wir begleiten die Protagonisten durchs Schneegebirge der Winterlande Talveen, durch bedrohliche Paläste im Herbstreich Syskii, durch die sommerländische Wüste in Suvii oder das blumige Frühlingsparadies Keväät.  Auch Fantasiewesen wie das Yorak, eine Art Hirsch, auf dem die Protagonistin Naviia reitet, oder der Göttervogel Keschir, der in Gedanken mit den Anhängern des Verlorenen Volkes sprechen kann, spielen eine Rolle. Der Schreibstil und die erschaffene Welt erzeugen ein wahres Kopfkino – großes Lob!

Die Charaktere: Interessant, aber oberflächlich

Die Protagonisten im Buch sind sehr unterschiedlich in Aussehen und Herkunft: Da wäre der Thronerbe Kanaael De´Ar aus den Sommerlanden (nein, meine Taste ist nicht hängengeblieben, alle Namen im Buch haben Doppelvokale 😉 ), ein impulsiver und temperamentvoller junger Mann, der immer wieder zwischen seinem anerzogenen Gehorsam und seinen impulsiven Gefühlen steht und dessen Unvorsichtigkeit ihn des Öfteren zur Zielscheibe für seine Feinde macht. Große Gefühle, aber auch großer Schmerz erwarten ihn auf seiner Reise. Ich konnte mich nicht so recht entscheiden, ob ich ihn sympathisch oder ein bisschen naiv finde – man weiß aber auch einfach zu wenig über ihn.

Naviia O´Bhai ist ein eher ärmlich aufgewachsenes Mädchen aus einem Dorf in den Winterlanden. Optisch habe ich sie mir ein bisschen wie Daenerys aus „Game of Thrones“ vorgestellt. Naviia hätte meiner Meinung nach mehr Potential gehabt, zu oft handelt sie unschuldig, unauffällig, geradezu „brav“, ihre oft als stark beschriebene Seite kommt damit nicht besonders glaubwürdig rüber.

Später im Buch lernen wir noch Ashkiin A´Sheel kennen, einen tugendhaften, aber pflichtbewussten Assassinen aus den Herbstlanden. Seine Geschichte verfolgte ich am gespanntesten, denn während ich ihn anfangs eher unsympathisch fand, entwickelte er sich am Ende zu meinem Favoriten – leider erfuhr man auch über ihn viel zu wenig!

Generell blieben die Protagonisten des Romans in meinen Augen blass und größtenteils austauschbar für mich – das liegt meiner Meinung nach an den ständig wechselnden Handlungssträngen, die man etwas früher zusammenführen hätte können. Man liest parallel aus der Sicht von drei oder mehr Personen und in jedem (sehr kurz gehaltenen) Kapitel  wechselt die Perspektive. Viele mögen diesen abwechslungsreichen Spannungsaufbau bestimmt, ich persönlich bevorzuge es aber, meine Helden über längere Zeit zu begleiten, sie in allen Facetten zu erleben und mehr über ihre Hintergründe zu erfahren (gerade in diesem Punkt bleibt der Leser oft unwissend zurück). Es ist erstaunlich, wie die Autorin es geschafft hat, diese Fülle an Charakteren und Handlung in einen einzigen Band stimmig zu vereinen – jedoch blieb für mich dabei leider die Tiefe der Charaktere, sowie eine genauere Beschreibung der Magie in dieser Welt außen vor.

 

Die Magie: Innovativ, aber ausbaufähig

Womit wir beim nächsten Punkt wären. Jedes Fantasybuch hat ja seine eigenen Regeln, was die Magie betrifft. In diesem Roman spielt Traum-Magie eine Rolle, die von den vier Göttern ausgeht und von der Traumknüpferin Udinaa zusammengehalten wird. Im Laufe des Buches werdet ihr das Verlorene Volk, Weltenwandler, Traumtrinker und Seelensänger kennenlernen. Auch die Ghehallani (eine Art Mafia, die ich nicht so recht ernst nehmen konnte) sorgen für Aufruhr. Diese mal ganz anders interpretierte Form der Magie fand ich sehr spannend – nur leider fehlte auch hier durch die Kürze des Romans die Zeit, sie genau zu erklären und zu erleben. Kanaael und Naviia zum Beispiel entdecken ihre Fähigkeiten beide erst mit der Zeit und werden auch beide ansatzweise darin unterrichtet (was ich persönlich immer am liebsten lese), anschließend gerät dieser Unterricht aber in den Hintergrund, sie scheinen plötzlich vollkommen über ihre Mächte verfügen zu können – aber wie und warum sie jene so und so anwenden können, bleibt unklar und ich fand es manchmal frustrierend, die Logik hinter der Magie nicht ganz zu verstehen.

Fazit

Alle Fantasyfans, die Lust auf ein kurzweiliges, schönes Fantasyerlebnis haben, werden in diesem Buch höchstwahrscheinlich fündig. Besonders gefielen mir die beeindruckende Fantasywelt, der Atmosphäre und zugleich Spannung erzeugende Schreibstil und die facettenreiche Handlung als Ganzes. Um von dem Buch begeistert zu sein, fehlten mir leider die Tiefe bei den Charakteren und der Magie, außerdem bin ich kein Fan von ständig wechselnden Handlungssträngen – nichtsdestotrotz gefiel mir die in sich stimmige Geschichte, die nicht den ausgetretenen Pfaden erfolgreicher Fantasywerke folgt, sondern mal ganz neue Seiten der Magie entdeckt.

Ich vergebe deshalb 4 von 5 goldenen Büchern:

4 bücher gold

(Die Skala: Fehlkauf – Es hat was – Gute Ansätze – Tolles Buch – Lieblingsbuch)

 

Habt ihr das Buch auch schon gelesen? Wie ist eure Meinung zu „Die Traumknüpfer“? Wir freuen uns auf eure Kommentare. Und wenn ihr euch das Buch noch kaufen wollt, unterstützt doch bitte den stationären Buchhandel 😉

Auf der Homepage des Verlags findet ihr mehr Informationen über Buch und Autorin.

Auch interessant für Fans von Jugendromanen: Siris Rezension zu „Elanus“ von Ursula Poznanski

* Mit keiner unserer Rezensionen möchten wir Urheber oder deren Werke herabwürdigen, wir haben Respekt vor der Kreativität sämtlicher Autoren. Die Kritik ist wie immer rein subjektiv. *