Dumm & Dümmer #2

Liebe Leser, seid ihr auch manchmal dümmer als ein Meter Feldweg? Denkt nicht weiter als von der Wand bis zur Tapete? Dann erzählt uns davon! Heute gibt es auf quergetippt wie jeden Freitag wieder eine persönliche Story, die nur so vor Dummheit und Missgeschick strotzt. Und ganz wichtig – über die die Pechvögel herzhaft lachen können!

Schreibt uns eure Geschichten per Mail (quergetippt@gmail.com), übers Kontaktformular oder auch mit dem Hashtag #dummduemmer über Twitter und Instagram – wir freuen uns auf eure Storys oder Fail-Fotos und werden jeden Freitag eine der lustigen Geschichten veröffentlichen!

Unser Beitrag heute: #2 Todesangst im Gras-Kart

Eines Tages war ich mit Freunden im fränkischen Fichtelgebirge Deval Kart fahren – das sind unmotorisierte Karts, die man im Sommer in den Skilift einhaken kann und so mitsamt dem Wagen nach oben gezogen wird. Anschließend düst man damit seifenkistenähnlich die Ski-Piste runter. Wenn man überhaupt heil oben ankommt…

Meine Gruppe war schon auf dem Weg nach oben, als ich mich ins Kart setzte. Der freundliche Opa, der auch das Kassenhäuschen betrieb, hakte den Bügel des Schlepplifts unters Lenkrad meines Autos und wies mich an: „Oben einfach den Hebel unterm Lenkrad drücken, dann löst sich der Bügel!“ – Ok, einfacher geht’s ja nicht, dachte ich mir. Gemächlich wurde ich den Hügel hinaufgezogen. Vor mir saß ein Siebenjähriger in seinem Kart, der sich oben ganz lässig aushakte und sein Gefährt nach links weg zur Piste lenkte – so wie alle anderen Kartfahrer auch.

Kurz darauf kam ich auf der Plattform an, drückte den Hebel – nichts passierte. Ich drückte wieder – nichts. Mit aufsteigender Panik drückte und rüttelte ich an dem blöden Lift-Gabel-Drecksding, das mich unnachgiebig immer weiter zog. Vor mir tauchte plötzlich eine fast senkrechte Bretterwand auf. Noch panischer hämmerte ich auf den Hebel ein. Nichts. In Erwartung eines Megacrashs kniff ich die Augen zu. Er blieb aus, stattdessen fiel ich fast rückwärts aus dem Kart: Der Lift zog mich jetzt AN dieser Wand im 90-Grad-Winkel hoch auf die nächste Ebene. Drei Meter entfernt würden die Bügel am Ende des Lifts wieder ins Tal fahren. Das Kart stoppte immer noch nicht. In erneuter Todesangst befürchtete ich, dass ich gleich sieben Meter nach oben schießen und sterben würde, weil ja die Bügel vor mir auch nach oben eingeholt wurden. (Nein, solange was dran hängt, bleiben die unten, aber mein Hirn war in diesem Moment in Schockstarre.) Es blieb mir also nur ein kühnes Rettungsmanöver: Mit einem leisen Aufschrei hechtete ich seitwärts aus dem Kart. Mein Fuß blieb dabei im Lenkrad hängen. Hektisch zappelnd befreite ich ihn und robbte schnell aus der Gefahrenzone, die irritierten Rufe meiner Freunde im Ohr. Mein Kart wurde derweil polternd weiter Richtung Liftende weitergezogen, kippte um und verhakte sich in einem Seil, bis es plötzlich stehen blieb. Mit Herzrasen lag ich bäuchlings auf den Brettern, ca. zehn schmerzende Holzspreißel in den Händen, und erkannte mit Schrecken, dass nicht nur mein Kart stehen geblieben war: Der ganze Lift stand still und etwa zwanzig Kartfahrer auf dem Weg nach oben schauten sich irritiert und teils schon verärgert nach dem Grund um: Mein herrenloses Gefährt hatte über besagtes Seil das Not-Aus aktiviert.

Kurz darauf befreiten wir mein Kart vom Bügel, der Mechanismus setzte sich wieder in Gang und ich fuhr beschämt die Buckelpiste runter. Der Opa im Kassenhäuschen hatte übrigens über seinen Monitor der Überwachungskamera alles mitverfolgt und den Lift wieder zum Laufen gebracht. „Dir war die Abfahrt wohl nicht Adrenalin genug, hä?“, höhnte er und wandte sich kopfschüttelnd einer Gruppe von Zehnjährigen zu, die mich spöttisch anglotzte nach dem Motto: „Die is wohl zu blöd zum Kartfahren!“ – Ja, bin ich wohl tatsächlich.

Hier geht’s zum ersten Dumm & Dümmer-Beitrag