„Mensa? Ungesund. Stoffbeutel? Unpraktisch.“

Heute gibt‘s mal einen Schwank aus meinem Leben. Hashtag Realtalk, würden es hippere Blogger wohl nennen. Ich möchte mich den Fragen annähern, ob es ok ist, abseits der Masse zu sein, keine Freunde zu finden und seine Lebenssituation nicht unbedingt zu mögen. (Spoiler: Natürlich ist das alles in Ordnung, wer hätte es gedacht 🙂 Vielleicht helfen euch meine Gedanken, wenn ihr hin und wieder über Ähnliches grübelt.)

„Ausgefülltes Studentenleben? Och nö.“

Mein Start an der Uni lief nicht holprig ab, eher zurückhaltend. Während sich meine neugewonnenen Freunde am liebsten bei allen Hochschulgruppen gleichzeitig engagiert hätten, die Bibliothek während des Lernens zu ihrem neuen Zuhause machten, sich jeden Tag in der Mensa trafen und begeistert kostenlose Stoffbeutel der Fachschaft entgegennahmen, fragte ich mich, was mit mir wohl nicht stimmen mag. Hochschulgruppen? Zeitmangel. Bibliothek? Angst. Mensa? Ungesund. Stoffbeutel? Unpraktisch. Schließlich halte ich mit meinen „alten“ Freunden regen Kontakt, reise gerne und oft umher und gehe nebenbei einem Job nach – wozu also integrieren? Bis mir eines Tages klar wurde, dass es gar nicht mein Anspruch an die Studienzeit ist, ein ausgefülltes Studentenleben zu führen und am Campus anzukommen. In drei Jahren ist der Spuk hier eh wieder vorbei. Ich habe andere Ziele. Und wisst ihr was? Das ist in Ordnung. Zwar nicht der Optimalfall, aber tatsächlich völlig legitim, die Uni nicht zu mögen und dort trotzdem sein Ding durchzuziehen.

Der Außenseiter am Rand

Ich stimme euch zu, dass es mit einem funktionierenden Freundeskreis viel mehr Spaß macht. Man hält zusammen, in guten wie in schlechten Zeiten. Nicht nur, weil die nächste WG-Party ansteht, sondern weil euch tatsächlich was an diesen Menschen liegt. Ein stetiges Geben und Nehmen, wenn man so will. In meiner Vorstellung geben Freunde ihr letztes Hemd füreinander. Bislang habe ich an meiner Universität niemanden getroffen, auf den diese Beschreibung zutrifft, weshalb ich oft alleine sitze oder abseits auf die nächste Vorlesung warte. Und wisst ihr was? Ich habe kein Problem damit, der Außenseiter am Rand zu sein. Mir gibt oberflächlicher Smalltalk einfach nichts, Partyeinladungen lehne ich meist sowieso ab. Zu mehr sind viele der jungen Leute nicht bereit. Spaß, Fun, Party. Oder?

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(Anm. d. Red.: Wenigstens musste ich hierfür keinen zerknitterten Stoffbeutel bügeln 😀 )

Bin ich komisch?

Was wäre, wenn die Person neben mir genauso denkt wie ich? Dann ist zwar Potenzial für eine Freundschaft vorhanden, aber wir würden uns niemals annähern, da wir nicht kommunizieren und Smalltalk eher ablehnend gegenüberstehen. Ein Teufelskreis, in dem man sich da befindet.

Könnte man denken. Viel besser finde ich, sein Verhalten beständig zu reflektieren. Sitze ich traurig ganz alleine am Rand oder weil ich auf das Geplapper der anderen verzichten möchte? Bin ich komisch, weil ich die Uni nicht mag? Muss ich nun auch Stoffbeutel rumtragen? Nein. Ihr müsst gar nichts (es sei denn, sie gefallen euch wirklich). Solange ihr nicht total unglücklich mit eurer Situation seid und wisst, wie ihr theoretisch einen Lebensweg finden könnt, der euch glücklich macht – go for authenticity!

Ich für meinen Teil bedauere es, an der Uni bislang keine tiefen Freundschaften gefunden zu haben. Andererseits weiß ich auch, dass ich dafür aktiv werden müsste. Alleine dieses Wissen ist sehr viel wert und ich konnte wieder etwas über mich lernen, was ich in Zukunft berücksichtigten werde.

Und wenn ich Bock drauf habe, gehe ich mensaessenkauend mit meinem bibbüchervollgestopften Stoffbeutel zum Treffen einer Hochschulgruppe.

Einen interessant-bissigen Kommentar über das Außenseiter-Dasein gibt es auch auf Spiegel Online. Sybille Berg bezieht sich darauf, wenn andere einen zum Außenseiter deklarieren.

Kommentarfrage: Was meint ihr – öfters mal sein Ding durchziehen oder lieber Anschluss an die anderen halten?