Buchrezension Elanus

„Es ist klein. Es ist leise. Es sieht alles.“

Heute starte ich mit der ersten Buchrezension hier auf quergetippt (man möge eine Messlatte beschaffen und das heutige Datum eingravieren). Es dreht sich um das Werk „Elanus“ von Ursula Poznanski, 2016 in der zweiten Auflage im Loewe Verlag erschienen. Gekauft habe ich den Jugendbuch-Thriller allein wegen der Autorin – seit „Erebos“ und spätestens ihrer Dystopie-Trilogie bin ich absoluter Fan ihrer Werke. Doch bei „Elanus“ blieb ich, genau wie schon bei „Layers“, etwas enttäuscht zurück.

Zum Inhalt

Natürlich kann ich euch nicht genau verraten, wie sich der Inhalt entwickelt oder das Ende aussieht. Da würden mir Frau Poznanski und der Loewe Verlag ganz schön die Hölle heiß machen – zurecht. Den Klappentext seht ihr auf dem Foto unten, dazu sei noch gesagt: Jona wird an einer Elite-Uni studieren und muss dafür zu einer kleinstädtischen Gastfamilie ziehen. Immer im Gepäck: seine selbstgebaute Drohne Elanus. Mit ihrer Hilfe kommt er hinter ein kleines Geheimnis und tut daraufhin etwas ziemlich Dummes, wodurch er in einen Strudel aus Korruption und Verbrechen hineingezogen wird. Nicht nur Drohnen haben Augen…

Der Protagonist

Im Mittelpunkt steht der 17-jährige Jona, hochintelligent und unsozial, was an Sheldon Cooper oder entfernt Lisbeth Salander erinnert. Er bezeichnet sich selbst als Klugscheißer, ist arrogant und liebt es, seine Intelligenz auf Kosten anderer unter Beweis zu stellen. Kurzum: Er ist absolut unsympathisch. Dies wird schon auf den ersten Seiten klar, weshalb ich das ein oder andere stutzen musste. Die Autorin schafft es aber, den Spannungsbogen von Beginn an hochzuhalten, sodass man darüber hinwegsieht und ihn gegen Ende sogar ein kleines bisschen mag.

 

Die Kritik

+ Wie schon erwähnt, macht der Spannungsbogen stets neugierig

+ Eine erfrischende Abwechslung, dass der Protagonist unsympathisch ist

+ Die Kritik am Thema Spionage/Drohne ist nicht zu offensichtlich, sondern um die Ecke gedacht

Ich finde die Beziehungen der einzelnen Figuren nicht nachvollziehbar. Man bekommt den Eindruck, dass sich alles gezwungenermaßen zusammenfügt, um am Ende zum gewünschten Ergebnis zu kommen

Von mehreren hundert oder tausend Studenten am Campus stolpert Jona zufällig genau in die Personen, die etwas mit dem großen Geheimnis zu tun haben, und zwar mehrfach an unterschiedlichen Schauplätzen: Person 1 trifft er auf einer Bank, Person 2 im Hörsaal usw. Für meinen Geschmack zu zufällig

Die anderen Protagonisten sind Stereotypen ohne Tiefe. Ob russischer Oligarchen-Sprössling, kochende Kleinstadtmutter oder cholerischer Baumogul, fast jedes Klischee wird bedient

( Einige schwerwiegende Ereignisse werden emotional überhaupt nicht verarbeitet und erstaunlich nebensächlich behandelt. Das könnte allerdings vom Frame der fehlenden Empathie des Protagonisten rühren)

Die Themen

Ich hatte den Eindruck, dass das Buch folgende gesellschaftliche Punkte aufgreift:

  • Hochintelligente Personen mit sozialen Schwächen und deren Lebens- und Denkweise im Alltag
  • Kritik am Ausspionieren durch Drohnen, insbesondere in Bezug auf Geheimnisse
  • Korruption in Bezug auf Geld, Sicherheit und Institutionen

Mein Fazit

Ich war enttäuscht von der Oberflächlichkeit der Charaktere und den überzufälligen Fügungen, die mich häufig stutzend aus der Geschichte katapultiert haben. Trotz allem liebe ich den Schreibstil von Ursula Poznanski und bin froh, das Buch gekauft zu haben. Jüngere Jugendliche werden sich vermutlich mehr dafür begeistern können als ich es tue; meinem 14-jährigen Ich hätte es gefallen. Für Teenies auf jeden Fall ein tolles Geschenk, mit dem man nichts falsch machen kann. Ich kann es mir auch gut als Klassenlektüre im Schulunterricht vorstellen.

Ich vergebe deshalb 2,5 von 5 Sternen:

2.5 bücher gold

Der Vollständigkeit halber hier der Link zur Verlagsseite: http://www.loewe-verlag.de/content-902-902/elanus-buch/

Hier geht‘s zur Homepage der Autorin: http://www.ursula-poznanski.de/

Und noch ein Tipp von mir: Wenn ihr Bücher kaufen wollt, unterstützt bitte den lokalen Buchhandel vor Ort. Selbst wenn ein Buch nicht vorrätig sein sollte, wird es über Nacht in die Filiale geliefert oder sogar direkt zu euch nach Hause. Wenn jeder nur noch im Internet bestellen würde, gäbe es nämlich keine Buchhandlungen mehr…

* Mit keiner unserer Rezensionen möchten wir Urheber oder deren Werke herabwürdigen. Die Kritik ist rein subjektiv. Ohne schlechte Dinge gäbe es keine guten und umgekehrt. Jede einzelne Publikation trifft mindestens einen der unzähligen Geschmäcker dieser Gesellschaft. Wir haben großen Respekt vor der schöpferischen Kreativität sämtlicher Publizisten *